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ARD-Krimireihe : Sonntagabend im „Tatort“: Ein Ölprinz auf Abwegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutsch-arabischer Diplomaten-Chic statt echtes Krimi-Gefühl: Der Münchener „Tatort“ lässt die Zuschauer etwas ratlos zurück.

München | Ein bisschen deplatziert wirkt dieser „Tatort“ heute Abend schon. Denn während uns aus der arabischen Welt die Bilder zerbombter Häuser, flüchtender Menschen und metzelnder IS-Schergen überfluten, delektiert sich der Bayerische Rundfunk am deutsch-arabischen Diplomaten-Chic. Mitten im heimeligen München. Statt Blut und Tränen, bekommen wir so sündhaft teure Sportwagen, Champagner-Partys und Designer-Villen satt. Garniert, freilich – mit einer Leiche, jeder Menge Drogen und krummen Waffendeals. Wir sind schließlich in einem Krimi.

Etwas irritiert dürfen wir nämlich mit ansehen, wie Nasir al Yasaf (Yasin el Harrouk), der fünfte Sohn des Emir von Kumar, mit seinem Lamborghini durch München brettert und erst von einer Polizeisperre gestoppt wird. Dumm für den Jung-Scheich – auf dem Beifahrersitz liegt ein Toter. Noch dümmer kommt es für Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl), die bei der Aufklärung des Mordes schnell am Diplomatenstatus des Yasaf-Clans zu zerschellen drohen. Doch Nasir gewährt ihnen unerwartet Hilfe bei den Ermittlungen. Sehr zum Ärger von Kumars Generalkonsul Saleh (Samir Fuchs) und Staatssekretär Baum (Philipp Moog), die im Schatten der Diplomatie offenbar Böses planen. Denn bald geht es nicht mehr nur um Koks und Seidenteppiche eines schnöseligen Prinzen, sondern um illegale Waffengeschäfte.

Zugegeben, eine Geschichte aus 1001 Nacht ist dieser „Tatort“ nicht. Im Gegenteil. Alexander Buresch, Matthias Pacht (Buch) und Rainer Kaufmann (Regie) liefern durchaus spannende Unterhaltung. Zudem verpassen sie dem Clash der Kulturen mal eine reziproke Perspektive von arm und reich. Nur, was sollen wir damit anfangen?

Das Wort „Allah“ fällt kein einziges Mal. Reichlich komisch in einem Film, dessen Protagonisten zuerst aus dem Glauben und aus der Familie schöpfen, bevor sie ans Teetrinken und Geschäftemachen gehen. Oder eben – ans Töten. Schlauer macht uns dieser „Tatort“ jedenfalls nicht. Denkwürdig ist er trotzdem.

> „Tatort – Der Wüstensohn“, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 14.Sep.2014 | 15:32 Uhr

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