Sonntagskrimi : Sonntagabend im „Tatort“: Der Zirkus Münster

Sie zählen zu den beliebtesten Tatort-Kommissaren: Die Schauspieler Jan Josef Liefers  als Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel.
Sie zählen zu den beliebtesten Tatort-Kommissaren: Die Schauspieler Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel.

Die Kollegen Thiel und Boerne haben einen neuen Fall zu lösen. Die Story ist genial und doof zugleich, meint Frank Kober.

shz.de von
31. Mai 2015, 08:12 Uhr

Wo genau die Grenze zwischen Kunst und Klamauk verläuft, weiß ja kein Mensch. Klar ist nur, dass Stefan Cantz und Jan Hinter, die Autoren und ruhmreichen Väter des Münsteraner „Tatort“, immer wieder versuchen, diese Grenze aufzuweichen. So auch heute Abend, wenn sich die Zu- und Unfälle so sehr häufen, dass sie eben nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst sind. Wenn also der Mordfall erneut nur den Kleister gibt, der die Gags und Jecken irgendwie zusammenhält. Das ist genial und doof zugleich.

Genial, weil es in der Tat eine Kunst ist, der Münsteraner Truppe eine adäquate Story und adäquate Charaktere zuzuschustern. Und doof, weil sich diese Lach- und Schießgesellschaft so immer nur um sich selbst dreht. Denn wer kann es schon mit den Knallchargen Thiel und Boerne, mit Tausendschönchen Nadeshda, mit Mini-Assi „Alberich“, Staatsanwaltsröhre Klemm und Kiffer-Daddy Thiel im Sixpack aufnehmen (Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, ChrisTine Urspruch, Mechthild Großmann, Claus D. Clausnitzer)?

So müssen auch heute die Fetzen fliegen, um unser Dream-Team auf Trab zu bringen. Je skurriler, desto besser. Zum Beispiel so: Ein SUV macht einen Tippelbruder platt, ein junger Brasilianer verkauft sündhaft teuren Schampus und wird daraufhin aufgeschlitzt, Thiel verschluckt sich an einem Canapé, Boerne rettet ihn mit einem Luftröhrenschnitt, Nadeshda wird umgehauen und landet im Krankenhaus, wo natürlich schon Frau Klemm liegt, und für das komplette Chaos sorgt schließlich ein Erbonkel Boernes aus Florida (Christian Kohlund).

Wie das alles zusammenpasst, ob das alles logisch ist und warum Thiel und Boerne sich auch noch als schwules Traumpaar outen, das interessiert am Ende keinen mehr. Nicht einmal Regisseur Kaspar Heidelbach. Wozu auch? Geht es doch in Münster schon immer um den Sinn wie um den Unsinn einer Geschichte. Um die Komödie in der Tragödie.

Das muss nicht jedem gefallen, aber jeder muss darüber lachen. Wie im Zirkus. Eben!

„Tatort – Erkläre Chimäre“, 20.15 Uhr in der ARD. Wer ermittelt wann und wo? Schleswig-Holstein am Sonntag verrät, wann Ihre Lieblingsermittler im Einsatz sind: www.shz.de/tatort

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