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Ballauf und Schenk : Sonntag im „Tatort“: Bonny und Clyde in Köln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Geschichte ist nicht neu, aber gut erzählt. Und das liegt vor allem an den Protagonisten.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2016 | 17:12 Uhr

Das geht gleich mal hapig zur Sache, heute. Ein Kölner Villenviertel, mondänes Haus, schickes Auto. Darin sitzt Klaus Hartmann (Thomas Bastkowski) mit seiner Frau Carmen (Julika Jenkins) und will gerade losfahren, als er merkt, dass er etwas vergessen hat und noch mal ins Haus geht.

Hier steht Adrian Tarrach (Rick Okon) in der Küche, der junge Freund von Hartmanns Tochter Laura (Ruby O. Fee). Er scheint verdammt wütend zu sein. Als er Lauras Vater sieht, schnappt er sich ein riesiges Kochmesser und sticht den Mann brutal ab. Dann verschwindet er mit Laura, ohne dass sie merkt, was passiert ist.

Was für eine blutige Sauerei. Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) können sich am Tatort zunächst keinen Reim auf das Ganze machen. Keine Einbruchsspuren, nichts fehlt und der einzige Verdächtige, Adrian, ist wohl ein netter Kerl, wie Carmen Hartmann berichtet.

Bis Kripo-Assi Tobias Reisser (Patrick Abozen) meldet, dass Adrian bereits als Autoknacker und Drogendealer aktenkundig ist und die Fingerabdrücke auf dem Messer zu ihm gehören. So landen Ballauf und Schenk ziemlich bald bei Adrians Mutter (Bettina Stucky) und in der Hölle einer Kölner Sozialbausiedlung. War Adrian mit Laura auf der Flucht, um diesem Elend zu entkommen?

Sebastian Ko (Regie) inszeniert die galoppierende Story von Jürgen Werner (Buch) als modernes Road-Movie á la „Bonny & Clyde“. Leichen säumen ihren Weg. Denn merke: Wem Böses widerfahren ist, der wird letztlich böse enden.

Ist die Geschichte auch nicht neu, so überzeugt doch das beherzte Spiel der Protagonisten. Allen voran Rick Okon, der Adrians Zerissenheit zwischen Coolness und Seelenqual wunderbar zum Leuchten bringt. Dazu eine großartige Bettina Stucky, die Adrians Assi-Mutter in ihrem Ekel ebenso glänzen lässt, wie in ihrem Schmerz.

Ein faszinierender „Tatort“, der mit Karacho und starken Bildern (Kamera: Kay Gauditz) die Klischees von heiler und kaputter Welt niederwalzt. Also, Finger weg von der Fernbedienung!

„Tatort – Kartenhaus“, 20.15 Uhr, ARD

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