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Peter Dragsbo : Sonderburgs Schlossherr dankt ab

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Museums-Chef von Sonderburg, Peter Dragsbo, geht in den Ruhestand. "Unser Haus ist eines der Flaggschiffe der Museumsszene".

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:11 Uhr

Sonderburg | Er war schon ein recht ungewöhnliches Kind. Mit vier Jahren zeichnete er nur alte Häuser und an seinem sechsten Geburtstag bekam er Kraks Stadtpläne von 60 dänischen Handelsstädten geschenkt. Die hatte er bei seiner Oma in Kopenhagen gesehen - und wollte sie unbedingt haben.

"Für mich gab es also nur einen Weg", meint Peter Dragsbo selbst: Er wurde Ethnologe und Museumsmensch - mit Leib und Seele.

Nach Posten als Leiter der Museen in Esbjerg und Middelfart zog es den gebürtigen Apenrader vor elf Jahren zurück nach Nordschleswig. Er wurde der Chef im Sonderburger Schloss.

"Ich war schon immer Nordschleswig sehr verbunden, habe auch meine Abschlussarbeit über Nordschleswig geschrieben. Die Geschichte hier ist mindestens 50 Prozent spannender als anderswo. Hier trifft man andere Sprachen und Identitäten. Dadurch lernt man mehr über die anderen und über sich selbst. Das sollten alle mal probieren", erklärt Peter Dragsbo, der nicht nur wegen seiner Größe - er misst zwei Meter - große Fußstapfen hinterlässt, wenn er am 31. Juli seinen Platz im Sonderburger Schloss räumt.

Er hat viel geschafft, der große Mann, der eine Vorliebe für farbenprächtige Ringelpullover hat und Lockerheit, Herzlichkeit der vornehmen Art vorzieht.

Über die Jahre hat der Mag.art. in europäischer Ethnologie diverse Publikationen über die Architektur verschiedener Städte herausgegeben und unzählige Artikel u. a. zur Bewahrung verschiedener Gebäude veröffentlicht. Er versteht es, andere für die Architektur zu begeistern, wofür seine beliebten Stadtwanderungen nur der beste Beweis sind.

Dragsbo freut sich auch über die geglückte Fusion der nordschleswigschen Museen. Mit der Fusion wurden auch die einstigen Zwistigkeiten zwischen dem Historiecenter, dem Schloss und der Mühle ad acta gelegt.

Unter Dragsbos Federführung wurden die permanenten Ausstellungen im Schloss Sonderburg in den vergangenen Jahren von Grund auf erneuert. Für die Abteilung über den Ersten Weltkrieg engagierte Peter Dragsbo den internationalen Künstler Ingvar Cronhammar, was damals viele wunderte. Kritik wurde laut - aber heute sind alle begeistert. "In meiner Zeit ist der Krieg auf Düppel beendet worden. Heute arbeiten wir gut zusammen und jeder hat seine Rolle", meint der Museumsleiter augenzwinkernd und schaut vielsagend an die Decke. "Wir sind eines der Flaggschiffe des Museums Sønderjylland", erklärt Dragsbo und breitet begeistert die Arme aus.

Wichtig war auch die Ausstellung "Mindretalsliv/Minderheitenleben", ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der deutschen und dänischen Minderheit, den Museen und Archiven im Grenzland.

"Minderheiten sind das Salz in der Suppe. Gäbe es sie nicht, sollte man sie erfinden", so Peter Dragsbo, der kürzlich "Grænseforenigen" beitrat.

Vor seiner Zeit in Sonderburg konnte er der EU - vielleicht durch den Vater beeinflusst, wie er selbst bemerkt - wenig abgewinnen. Das hat sich in den letzten elf Jahren ganz entscheidend geändert.

"Heute bin ich 100 Prozent Europäer. Europa ist ja ein Friedensprojekt", meint Dragsbo.

Dass Nordschleswig von einigen als Randbezirk bezeichnet wird, kann der Museumsleiter überhaupt nicht nachvollziehen. "Die Nordschleswiger müssen verstehen, dass es kein Randbezirk ist. Die vier größten Städte müssten viel besser zusammenarbeiten", plädiert Dragsbo.

Am 31. Juli verlässt Dragsbo seinen Chefposten. Er wird jedoch noch bis Jahresende im Schloss ein- und ausgehen. Drei Monate lang wird der Historiker mit einem Forschungsprojekt zur Grenzlandarchitektur beschäftigt sein.

Aber auch später wird bei dem Kaninchen-Fan - sein Büro im Schloss wird von Schlappohren aller Sorten bevölkert - auf dem heimischen Hof auf Langeland keine Langeweile aufkommen. "Ich werde weiterhin schreiben und Vorträge halten. Und dann würde ich gern verstärkt in der Politik mitmischen, erzählt Dragsbo, der bereits der Radikalen Venstre auf Langeland beigetreten ist.

Am Freitag, 7. Juni, wird um 10 Uhr ein Empfang für den scheidenden Museumsleiter im Sonderburger Schloss stattfinden.

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