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Orkanböen und zwei Tote : So wütet Sturm „Sebastian“ in SH und Hamburg

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Der Sturm fordert in Hamburg zwei Todesopfer. Im Verkehr mit Auto, Zug oder Fähre kommt es vielerorts zu erheblichen Beeinträchtigungen.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 17:21 Uhr

Alle aktuellen Entwicklungen zum Sturmtief „Sebastian“ in Schleswig-Holstein und Hamburg lesen Sie in unserem Liveticker.

Umgestürzte Bäume, geschlossene Kitas, abgesagte Sportveranstaltungen und eine Windmesse, die wegen des Sturmtiefs „Sebastian“ teilweise geräumt werden musste: Der erste große Herbststurm der Saison hat den Norden durcheinandergewirbelt.

Die Meteorologen erwarteten bis zum Abend vor allem an der Nordsee Orkanböen mit bis zu 120 Stundenkilometern (Windstärke 12) aus Südwest bis West. In Schauer- und Gewitternähe sollten dort sogar Orkanböen mit bis zu 140 Stundenkilometern möglich sein. Für das Binnenland wurden orkanartige Böen um 110 Stundenkilometer prognostiziert (Windstärke 11). Für Hamburg waren orkanartige Böen mit bis zu 117 Stundenkilometern vorausgesagt.

Einige fühlten sich an „Christian“ erinnert

Der Orkan hatte 2013 über Norddeutschland und Nordeuropa gewütet. Damals starben mehrere Menschen, die Sachschäden allein in Schleswig-Holstein gingen in die Millionenhöhe. „Der Norddeutsche Wetterdienst sagt für das Sturmtief Sebastian ähnliche Windgeschwindigkeiten wie bei Sturm ,Christian' voraus. Vollbelaubte Bäume und nasse Böden erschweren zusätzlich die Gefahrensituation“, warnte etwa die Stadt Flensburg.

Die Stadtverwaltung empfahl, am Nachmittag und frühen Abend lieber zu Hause zu bleiben. Die städtischen Kindergärten wurden geschlossen, den Schulen wurde dies empfohlen. In Nordfriesland beendeten einige Schulen früher den Unterricht. Auch Sportveranstaltungen wie die Leichtathletik-Kreismeisterschaften der U12 im Flensburger Stadion wurden mit Blick auf das Wetter abgesagt.

In Hamburg begrub ein umgestürztes Baugerüst einen Passanten in der Innenstadt unter sich. Der Mann erlitt tödliche Verletzungen. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers hatte sich das Gerüst vermutlich in Folge starker Windböen vom Dach des siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst. Am Fähranleger Blankenese ist ein Rollstuhlfahrer ums Leben gekommen. Um 14.17 Uhr stürzte der Mann, der seinen Rollstuhl mit dem Mund lenkte, in die Elbe. Feuerwehrtaucher konnten den Mann nach einer Stunde nur noch tot bergen.

In Wyk auf Föhr wurde eine Fußgängerin von einem umstürzenden Baum getroffen. Dabei wurde sie schwer verletzt, wie die Polizeidirektion Flensburg mitteilte. Sie kam in ein Krankenhaus. Glück im Unglück hatte ein Mitarbeiter der Nikolaikirche in Kiel. Ein Firstziegel fiel nach Angaben der Gemeinde vom Dach der Kirche auf das Auto des Mannes und zerschlug das Glasdach. Der Mitarbeiter hatte den Wagen kurz zuvor verlassen.

Selbst die sturmerprobten Hallig-Bewohner ließ „Sebastian“ nicht ganz kalt. Das laue Lüftchen habe sich gewandelt zu einem richtig kräftigen Sturm, sagte Erco Lars Jacobsen von der Hallig Hooge.

Unangenehm mache das Wetter vor allem der Regen. Und dass der Sturm dieses Jahr sehr früh da ist. Daher sei noch viel Pensionsvieh auf der Hallig, das nun auf höhergelegene Warften getrieben werden müsse.

Der Sturm wirbelte auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei auf ihrer Homepage mitteilte. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff am Mittwoch nicht erreichbar. Die Fähren von Büsum, Cuxhaven und Bremerhaven fuhren wegen des Wetters nicht, teilte die Reederei Cassen Eils mit. Auch der Hochgeschwindigkeits-Katamaran „Halunder Jet“ stellte die Verbindung von Hamburg nach Helgoland ein.

Der Sylt Shuttle der Deutschen Bahn nahm wegen des Sturms keine Campingwagen, Pkw mit Anhänger, Lastwagen mit leeren Anhängern sowie Gefahrgut-Transporte mit. Der Konkurrent von der RDC stellte seine Fahrten nach Sylt am Nachmittag bis mindestens 18 Uhr ein.

Die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal wurde nach einem Lkw-Unfall komplett gesperrt - und damit die A7 in beide Richtungen. Ob „Sebastian“ zu dem Unfall geführt hatte, konnte ein Polizeisprecher zunächst nicht sagen.

Auch in Hamburg sorgte „Sebastian“ zeitweilig für Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr. Wegen umstürzender Bäume sei der Verkehr der U1 zwischen den Haltestellen Ochsenzoll und Lattenkamp eingestellt worden, teilte eine Sprecherin der Hochbahn mit. Ein Ersatzverkehr mit Bussen und Taxen wurde eingerichtet. Auch im S-Bahnverkehr sorgten starke Windböen für Verkehrsausfälle.

Und sogar die Branchenmesse Wind Husum musste sich am Mittag dem Sturm geschlagen geben: Aus Sicherheitsgründen wurden die vier Leichtbauhallen geschlossen, wie die Veranstalter mitteilten. „Wir sind in Husum an stärkeren Wind gewöhnt, nicht umsonst sind wir die Heimat der Windindustrie. Aber Sturm ,Sebastian' hat uns zu dieser Reaktion gezwungen, um die Sicherheit der Aussteller und Besucher zu gewährleisten“, sagte Messe-Geschäftsführer Peter Becker. Am Donnerstag solle die Messe normal öffnen.

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