Arbeitslosenzahlen Dezember 2017 in SH und HH : So wenig Arbeitslose wie seit 1992 nicht mehr in Schleswig-Holstein

Die Arbeitslosenzahl in SH liegt unter 90.000. Auch in Hamburg sind die Zahlen auf einem historischen Tiefstand.

shz.de von
03. Januar 2018, 10:36 Uhr

Kiel | Die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein ist im Dezember so niedrig gewesen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr in dem Wintermonat. „Dass wir zum ersten Mal seit 1992 in einem Dezember eine Arbeitslosenzahl von unter 90.000 melden können, zeigt die gute Verfassung des Arbeitsmarktes“, sagte die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann, am Mittwoch in Kiel zu den neuen Zahlen.

Im Dezember waren 89.500 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren zwar 1600 mehr als im November. „Der saisonal übliche Anstieg fiel aber nur etwa halb so stark aus wie sonst“, betonte Haupt-Koopmann. Im Vergleich zum Dezember 2016 sank die Arbeitslosigkeit um 3300 Registrierte. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 5,8 Prozent (November: 5,7 Prozent), im Dezember des Vorjahres hatte sie noch 6,1 Prozent betragen.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg – es handelt sich hierbei um die Oktober-Daten – um 22.900 Personen oder 2,4 Prozent auf 984.400 im Vorjahresvergleich. Seit Januar 2017 wurden 72.400 sozialversicherungspflichtige Arbeitsangebote gemeldet – fast so viele wie im Vorjahreszeitraum (-1.100).

Für die anhaltend robuste Entwicklung nannte Haupt-Koopmann vor allem drei Gründe: Der milde Winter, der bisher eigentlich keiner gewesen sei, ermögliche viele Arbeiten weiterhin im Außenbereich. Die gute Konjunktur befeuere die Konsumfreude, die Menschen gäben ihr Geld aus statt es zu sparen. Und gerade Bau- und Gastronomiebetriebe versuchten wegen des Fachkräftemangels ihre eigenen Kräfte durchgängig auch durch den Winter zu halten – anders als früher.

„Die bisherigen regionalen und überregionalen Konjunkturprognosen für 2018 stimmen mich zuversichtlich“, sagte Haupt-Koopmann. „Ich gehe davon, dass sich die Arbeitskräftenachfrage in den kommenden Monaten noch verstärken wird – und damit auch die Einstiegschancen für Arbeitsuchende.“ Die niedrigste Arbeitslosigkeit unter den Kreisen hat nach wie vor Stormarn mit 3,3 Prozent (November: 3,2 Prozent), die höchste Dithmarschen mit 7,0 Prozent (November 6,6). Bei den kreisfreien Städten hat Lübeck mit 8,1 Prozent (November 8,3) die niedrigste Quote und Kiel mit 8,7 Prozent (November: 8,9) die höchste.

Die interaktive Karte zeigt die Arbeitslosenzahlen in Schleswig-Holstein:

 

Insgesamt 18.400 oder 20 Prozent der gemeldeten Arbeitslosen sind Ausländer – und damit überproportional viele zu ihrem Anteil (Stand 2016: 6,3 Prozent) an der Bevölkerung. Die Zahl der gemeldeten arbeitslosen Ausländer stieg im Dezember um 1300 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der gesamte Anstieg lasse sich auf den Zuwachs aus den „Top 8“ der Asylherkunftsländer – Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien – zurückführen, erläuterte die Arbeitsagentur.

Die konsequente Integration von Flüchtlingen und Migranten in unseren robusten Arbeitsmarkt ist laut Wirtschafts-Staatssekretär Thilo Rohlfs „jetzt eine unserer wichtigsten Aufgaben“. Die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften gebe dafür den notwendigen Rückenwind.

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt umfasse fast alle Alters- und Personengruppen. Nicht nur die älteren Arbeitslosen und die Langzeitarbeitslosen hätten von der guten Entwicklung profitiert, sondern auch die jungen Arbeitslosen und die Gruppe der schwerbehinderten Menschen, sagte Rohls.

Arbeitslosigkeit in Hamburg auf historischem Tiefstand

Auch in Hamburg hat die Zahl der Arbeitslosen im Dezember einen historischen Tiefstand erreicht. Mit 65.922 arbeitslosen Frauen und Männern sei die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 24 Jahren in der Hansestadt erreicht, sagte Sönke Fock, Chef der Agentur für Arbeit Hamburg, am Mittwoch. Damit liege die aktuelle Arbeitslosenquote unverändert bei 6,5 Prozent. Gleichzeitig kletterte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen auf 967.800 und erreichte damit ebenfalls einen Höchststand. Handwerk, Dienstleistung, Handel, Gesundheitswesen, Gastgewerbe und Sozialwesen hätten im vergangenen Jahr deutlich mehr Personal eingestellt.

Fühlbar schwieriger war die Lage für die Finanz- und Versicherungsbranche, die mit 45.300 Mitarbeitern 2000 weniger beschäftigen als vor einem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen ging im Vergleich zum Dezember 2016 um 1765 Personen oder 2,6 Prozent zurück. Dieser Wert sei gleichzeitig der niedrigste Monatswert seit November 1993 und unterschreitet den Höchstwert von 103.845 (Juli 2005) um fast 38.000. Über das Jahr 2017 betrachtet waren durchschnittlich 69.248 Menschen pro Monat arbeitslos gemeldet, dies sind 1418 Personen oder 2,0 Prozent weniger als im Jahr zuvor mit 70.666.

Bei einem prognostizierten Wirtschaftswachstum und stabilen außenpolitischen Verhältnissen erwartet Fock für das Jahr 2018 einen weiteren Beschäftigungsanstieg in Hamburg von rund 20.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Gleichzeitig gehe er davon aus, dass die durchschnittliche Arbeitslosigkeit weiter leicht zurückgeht.

„Diese gute Entwicklung darf jedoch nicht über weiter bestehende Handlungsnotwendigkeiten hinwegtäuschen“, sagte Nico Fickinger, Chef der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland. Die Regierungen der norddeutschen Länder müssten passende Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehörten eine digitale Infrastruktur, keine zusätzlichen Restriktionen und die Sicherung des Fachkräfte-Nachwuchses durch die duale Ausbildung.

Wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung und voller Auftragsbücher suchen die Unternehmen laut Agentur für Arbeit weiter nach Fach- und Führungskräften. So wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service 47.900 Jobs gemeldet, dies sind knapp 4000 neue Arbeitsangebote pro Monat. Gleichzeitig hätten es besonders ältere Bewerber, Menschen mit Behinderung oder Alleinerziehende trotz guter Referenzen schwer, zeitnah eine Anschlussbeschäftigung zu finden. Bei ihnen sei das Risiko einer längeren Arbeitslosigkeit höher ausgeprägt als bei anderen Arbeitsuchenden.

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