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Ausbildung der Landesfeuerwehrschule : So helfen Feuerwehrleute Tieren in Notlagen

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Rückwärts mit dem Pferd laufen oder sture Schafe treiben: Eine bundesweit einmalige Ausbildung der Landesfeuerwehrschule zeigt Rettern richtigen Umgang mit Tieren in Gefahr.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 08:07 Uhr

Tinningstedt | Ein in Flammen aufgegangener Pferdestall, ein umgekippter Schweinelaster oder ein Haustier im brennenden Wohnhaus - die Feuerwehr in Schleswig-Holstein hat bei ihren Einsätzen auch immer wieder mit Tieren zu tun. Ob Haustier oder Nutztier, der fachgerechte Umgang in Extremsituationen will gelernt sein und ist Inhalt einer Ausbildung für Feuerwehrleute in Südtondern.
"In einem agrargeprägten Bundesland wie Schleswig-Holstein kommt es immer wieder zu Unfällen oder Bränden, an denen Tiere beteiligt sind", sagt Ausbildungsleiter Frank Wojciechowski. Aus diesem Grund ist eine eintägige Tierrettungsschulung fest im Lehrplan für die Anwärter zum Brandmeister an der Landesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein in Harrislee verankert. Mit dieser intensiven Form des Trainings ist das Bundesland Vorreiter vor allen anderen Landesfeuerwehrschulen.

Berührungsängste abbauen

Warum die Wahl des Schulungsortes gerade auf das 250-Seelen-Dorf Tinningstedt fiel, begründet der Ausbildungsleiter damit, dass unterschiedliche Schauplätze mit Kühen, Pferden, Schafen und Hunden innerhalb kürzester Zeit zu Fuß zu erreichen sind.
Die 35 Aspiranten, darunter vier Frauen, aus Berufsfeuerwehren in Kiel, Neumünster, Lübeck, Brunsbüttel und Norderstedt absolvierten zunächst einen theoretischen Teil im Dorfgemeinschaftshaus, bevor - auf drei Gruppen verteilt - an drei Stationen praktisch ausgebildet wurde. Die zukünftigen Brandschutzmeister erhielten während der Übung von Veterinären und Fachleuten Einweisungen und Unterstützung. Neben der Aneignung von Fachwissen sollten auch eventuell bestehende Berührungsängste abgebaut werden.

Der richtige Hundegriff

Was macht der Feuerwehrmann mit einem verletzten Hund? Diese Frage griff Tierärztin Dr. Babett Höfling auf, die dabei von Hansjörg Kaminski sowie vier Feuerwehrrettungshunden unterstützt wurde. Die Rüden ließen sich mit beeindruckender Gelassenheit unzählige Male den Kopf verbinden und Zehenverbände an den Pfoten anlegen.
Auch der Schutz der Kameraden selbst war ein wichtiger Punkt auf dem Lehrplan. "Greift niemals einem Hund in den Nacken, auch nicht, wenn er schon sediert ist", warnte Dr. Babett Höfling. Denn selbst ein Hund, der ein Beruhigungsmittel verabreicht bekommen hat, kann noch zubeißen, wenn die Wirkung noch nicht eingetreten ist oder falsch dosiert wurde. Die Fachfrau demonstrierte den richtigen Griff im Genick der Vierbeiner, der in jedem Fall vor Beißattacken schützt.

Rückwärts mit dem Pferd

Im nahegelegenen Pferdestall trainierten die Feuerwehrleute unter anderem, die Vierbeiner zum Rückwärtsgehen zwischen zwei Hindernissen zu bewegen. Dabei erwies sich vor allem das Shetlandpony, das von den Männern aufgrund seiner geringen Größe anfangs noch etwas belächelt wurde, als besonders schwieriger Kandidat.
In der dritten Station wurde das Führen von Rindern an einem Halfter geübt. Mächtig ins Schwitzen kamen die Aspiranten, als sie anschließend eine kleine Schafherde zusammentreiben mussten und eines der Tiere anschließend auf das Hinterteil drehen sollten. Etwa 80 Kilogramm bringt ein ausgewachsenes Schaf auf die Waage - keine leichte Aufgabe.
Die Schüler zeigten sich nach dem Lehrgang sehr zufrieden. Die 26-jährige Neumünsteranerin Julia Lützen resümierte beispielsweise: "Es gibt natürlich kein Patentrezept für den Umgang in einer Extremsituation, aber es ist gut, den Umgang mit Tieren vorher geübt zu haben."

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