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Südafrikaner in Schleswig-Holstein : So feiern wir die Weltmeisterschaft

vom

Freitag beginnt die Fußball-WM in Afrika. Besuch bei zwei Südafrikanern, die im Norden leben - und keinen Grund sehen, für die WM nach Hause zu fliegen.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2010 | 02:14 Uhr

Wahlstedt/Timmendorfer Strand - | Im wilden Norden Mosambiks wuchs Herby Horst (54) auf, ist aber kein Mosambikaner. Er ist Sohn eines holländischen Paares, spricht aber kein Niederländisch. Englisch ist seine Muttersprache. Und in Südafrika, in der Nähe von Durban am Indischen Ozean, ging Herby Horst als Kind auf ein Internat, zur Highschool, und später studierte er dort Jura. Wenn man ihn fragt, welcher Nationalität er angehört, sagt er: "Ich bin gefühlter Südafrikaner."
Man ahnt es vielleicht: Die Liebe hat Herby Horst in Deutschland gehalten. Doch der smarte Mann mit den graumelierten Haaren kam eigentlich des Sports wegen nach Europa. Und "weil ich etwas anderes sehen wollte als Südafrika. Das Land war damals eine Art Insel, völlig abgeschirmt." Er ist begeisterter Tennisspieler, "passabel, aber für die Weltrangliste hat es nicht gereicht". So kam er als junger Mann 1979 als Trainer nach Österreich, spielte auf Turnieren, ging in die Schweiz, und irgendwann landete er in Schleswig-Holstein. "Ich dachte am Anfang, ich bleibe ein paar Jahre und gehe dann zurück." Es sollte anders kommen.
"Ich bin stur, so wie viele Schleswig-Holsteiner auch"
In Lübeck arbeitete er für einen Verein, fand Freunde, ging feiern. In einer Kneipe traf er dann seine spätere Frau. Zusammen gingen sie für kurze Zeit nach Afrika, um dann später in Scharbeutz an der Ostsee zu leben. Dort haben sie sich eine gemeinsame Zukunft aufgebaut. Herby Horst arbeitet nicht als Jurist, sondern als Verbandstrainer für den Tennis-Verband Schleswig-Holstein. Im Leistungszentrum Wahlstedt (Kreis Segeberg) fördert er den sportlichen Nachwuchs.
Irgendwie ist Herby Horst also auch ganz schön deutsch. Hat er doch die längste Zeit seines Lebens, inzwischen rund 25 Jahre, in Schleswig-Holstein verbracht - zusammen mit seiner Frau und den gemeinsamen zwei Kindern. Natürlich spricht er auch fließend Deutsch. Wie ist sein Verhältnis zu Deutschland, zu Schleswig-Holstein? "Ich arbeite hier, meine Familie lebt hier, ich fühle mich pudelwohl", sagt Herby Horst knapp. Er ist kein Mann großer Worte, sagt von sich selbst: "Ich bin stur, so wie viele Schleswig-Holsteiner auch."
"Kapstadt ist eine der schönsten Städte der Welt"
Und was denkt er über die WM in Südafrika? "Ich schaue sehr gern Fußball, aber nicht noch lieber, weil die WM jetzt in Südafrika ist. Ich hoffe, dass die Südafrikaner sich so begeistern können wie die Deutschen vor vier Jahren." Und zu diesem Großereignis in die Heimat zu fliegen, kam nicht in Frage? "Nein, ich liebe Südafrika wegen seiner Ursprünglichkeit. Ich brauche den Hype nicht. Außerdem ist es jetzt irrsinning teuer dort."
Doch Südafrika wird wohl immer die Heimat seines Herzens bleiben. "Ich habe meine Schulzeit dort verbracht, meine Schwester lebt dort mit ihrer Familie, ich habe sehr gute Freunde. Vielleicht, wenn meine Kinder mit Schule und Studium fertig sind, gehe ich wieder zurück. Es ist ein Traumland, und Kapstadt ist eine der schönsten Städte der Welt. Meine Frau wäre sofort dabei."
"Klar, wenn Südafrika spielt, bin ich für unsere Mannschaft"
Zurück nach Afrika - das kommt für Moya Pistorius (45) nicht in Frage. "Wir leben seit elf Jahren hier, das ist unsere Heimat!" Wir, das sind Moya und ihr Ehemann sowie die beiden Kinder. Hier, das ist in Groß-Timmendorf (Kreis Ostholstein). Ihr Mann erhielt damals ein Job-Angebot bei einer Reederei in der Nähe, das sie nicht ablehnen konnten. Und auch wenn Moya Pistorius in ihrem gelernten Beruf - Hebamme, Krankenschwester - in Deutschland nicht arbeitet, so hat sie längst eine Ersatzbeschäftigung gefunden, in der sie aufgeht: "Ich unterrichte Zweitklässler in Englisch, gebe Kurse an der Volkshochschule und bin Karate-Trainerin." Ja, sie fühle sich glücklich in Deutschland, und eigentlich gefalle es ihr hier rein wettertechnisch sogar besser als in Afrika: "Ich kann die Hitze nicht so gut aushalten."
In ihrem Haus sucht man beinahe vergeblich nach afrikanischen Einflüssen. Eine Holzschnitzarbeit im Flur, eine Couchgarnitur, und, gut, ein Fahnenmast für die südafrikanische Flagge im Vorgarten. Das wars. Wenn sie ins Schwärmen gerät, kann es sogar passieren, dass Moya Pistorius sagt: "Ich bin nicht Südafrikanerin, ich bin jetzt Deutsche!" Deshalb ist es für sie auch selbstverständlich, deutsch zu sprechen, deutsche Freunde zu haben, für Deutschland die Daumen zu drücken bei der Fußball-Weltmeisterschaft. "Klar, wenn Südafrika spielt, bin ich für unsere Mannschaft, aber sonst für Deutschland."
Eigens zur WM in die alte Heimat zu fliegen, war außer Frage. "Ich bin gerade erst im April dort gewesen, aber der Familie wegen." Ihr Eindruck von dem Land, ist es bereit für die WM? "Auf jeden Fall. Ich bin in Johannesburg gelandet, das ist alles modern und top. Auch die Straßen, und die Stadien ebenso." Sie bevorzuge die ruhige Art, WM zu feiern: "Hier im gemütlichen Wohnzimmer mit unseren Freunden."

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