Nach Kandidatur von Serpil Midyatli : Simone Lange will nicht SPD-Landeschefin in SH werden

Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg und Kandidatin für den Parteivorsitz, lächelt. /Archiv
Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg.

Bei der Wahl will die Flensburger Oberbürgermeisterin nicht als Gegenkandidatin von Midyatli antreten.

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26. August 2018, 15:14 Uhr

Neumünster | Nach der Ankündigung von Serpil Midyatli, SPD-Landeschefin in Schlewsig-Holstien werden zu wollen, hat sich auch Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange zu Wort gemeldet. Sie galt bislang als mögliche weitere Kandidatin für eine Kandidatur um den Parteivorsitz der Nord-SPD. Im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord machte Lange jedoch klar, dass sie nicht SPD-Landeschefin werden wolle. „Ob ich mich bewerbe und als was ich mich bewerbe, halte ich mir noch ein bisschen offen. Aber ich werde sicher nicht Gegenkandidatin von Serpil Midyalti“, sagte sie.

Lange hatte mit ihrer Kandidatur um den SPD-Bundesvorsitz bundesweite Bekanntheit erlangt. Im April war sie dabei der neuen SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles zwar unterlegen, hatte mit 27,6 Prozent der Stimmen aber einen überraschenden Achtungserfolg erzielt.

An der Spitze der Nord-SPD könnte es Ende März einen Wechsel geben. Dann wollen die Sozialdemokraten ihren Vorstand neu wählen. Serpil Midyatli, stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion, kündigte am Samstag bei einer Sitzung des Landesparteirats in Neumünster ihre Kandidatur an. „Ich habe auch schon einige Unterstützungsangebote bekommen.“ Es habe bei der Sitzung auch Applaus gegeben.

Kommt es Ende März zu einer Kampfkandidatur?

Der amtierende Parteichef und SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte, „eine starke und lebendige Partei lebt davon, dass es bei Wahlen mehrere fähige Kandidatinnen und Kandidaten gibt“. Es bleibe bei der Vereinbarung der Führungsgremien der Nord-SPD, „dass alle amtierenden Vorstandsmitglieder – auch ich selbst – spätestens im Oktober erklären werden, ob sie beim Landesparteitag am 30./31. März in Norderstedt wieder kandidieren oder nicht“.

Stegner führt die Nord-SPD seit elf Jahren. Der 58-Jährige war zuletzt abermals in die Kritik geraten, weil die SPD bei der Kommunalwahl im Frühjahr bereits die dritte Niederlage nach der Landtagswahl im Mai 2017 und der Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres in Folge einstecken musste. Die Sozialdemokraten rutschten im Mai landesweit um 6,5 Punkte auf 23,3 Prozent ab und landeten damit weit hinter der CDU (35,1).

Midyatli: SPD ist in der Rolle der Opposition angekommen

Die 43-jährige Midyatli ist in der Partei beliebt. Sie gehört seit 2009 dem Landtag an, dem Landesvorstand bereits seit zehn Jahren. Seit Dezember 2017 ist sie außerdem Beisitzerin im Bundesvorstand der SPD.

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Midyatli begründet ihre Kandidatur mit einer neuen Dynamik in der Partei. „Aktuell läuft ein äußert erfolgreicher Reformprozess, den wir im letzten November begonnen haben“, sagte sie. Es sei eine spannende Zeit in der Nord-SPD. „Diesen Prozess möchte ich als SPD-Landesvorsitzende weiter vorantreiben.“ Die notwendigen Veränderungen würden aber nur als glaubwürdig wahrgenommen werden, wenn sich die Partei auch personell neu aufstelle, sagte die Mutter von zwei Kindern. „Für mich ist die wichtigste Aufgabe der Sozialdemokratie, gesellschaftliche Solidarität zu organisieren.“ Die SPD sei in der Rolle der Opposition angekommen.

Zur Person Serpil Midyatli

Midyatli ist Kind türkischer Einwanderer. Geboren in Kiel, wuchs sie zunächst im Stadtteil Mettenhof, dann in Gaarden auf. „Wir zogen von einem Brennpunkt in den nächsten.“ Ja, sie habe eine muslimische Grundeinstellung. „Ich wurde aber nicht streng erzogen, musste nie ein Kopftuch tragen“, sagte sie der SPD-Geschichtswerkstatt zu ihrer Person. Zur Schule ging sie in Mettenhof und auf das Fachgymnasium am Ravensberg in Kiel.

Von 1994 bis 2003 leitete sie ein Restaurant. 2004 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Atilla Midyatli einen Kultur- und Veranstaltungsservice. Dazu kam zwischen 2007 und 2009 ein Catering-Service. Seit 2013 wohnt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Gettorf.

Als erste Frau mit türkischen Wurzeln wurde sie 2015 zur stellvertretenden Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes gewählt.

Sie ist seit 2017 Mitglied des SPD-Landesvorstandes. Auf dem Bundesparteitag 2017 wurde sie in den Parteivorstand gewählt. In der Landtagswahl 2017 unterlag sie in ihrem Wahlkreis Eckernförde dem Spitzenkandidaten der CDU mit 26,7 Prozent der Erststimmen und zog vom Listenplatz zwei aus über die Landesliste in den Landtag ein. Sie ist Sprecherin für Integration, Migration, Familien, Gleichstellung und Kindertagesstätten, gehört dem Sozialausschuss an und vertritt die Fraktion im Gremium für Fragen der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

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