Sieben Minuten ohne Strom

Stadtwerke präsentieren gutes Ergebnis / Kommunalaufsicht lehnt Rückkauf ab

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21. Juni 2013, 03:59 Uhr

Lübeck | Eigentlich sollte die Bürgerschaft gestern Abend über einen Rückkauf der Dong-Anteile an den Stadtwerken Lübeck entscheiden. Zwei Stunden vor der Sitzung meldete sich das Innenministerium und lehnte den Kauf ab. Gut 40 Millionen Euro hätte die Stadt oder die Stadtwerke Holding für den Ankauf aufbringen müssen.

Die dänische Gesellschaft ist 2005 beim Energieversorger eingestiegen und möchte sich jetzt aus Lübeck zurückziehen. Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht. Das Problem ist die Finanzierung. Die Kommunalaufsicht hatte bereits die Kreditlinien im städtischen Haushalt gestrichen. Ein Ankauf der Anteile hätte aber über neue Kredite finanziert werden müssen. Vermutlich hätte die Rendite für Zins und Tilgung ausgereicht. So bekam Dong 2012 ca. 3,5 Millionen Euro. Dazu kommen noch rund 500 000 Euro, die für die Gewinnausschüttung an Steuern zu zahlen waren. Immerhin eine Rendite von fast 10 Prozent.

"Die uns vorliegenden Planungen lassen nicht erkennen, wie neben den Zinsen nachhaltig die Tilgung für die notwendige Finanzierung erwirtschaftet werden kann." Vor diesem Hintergrund erscheine eine Zustimmung des Innenministeriums derzeit nicht darstellbar, so die Kommunalaufsicht.

Nichtsdestotrotz präsentieren die Stadtwerke ein gutes Ergebnis: Der Jahresüberschuss des Energie- und Wasserversorgers liegt mit 22,5 Millionen Euro über den Planungen, allerdings unter dem Wert des Vorjahres mit 27,3 Millionen Euro. Ein Grund ist eine deutliche Steigerung der Investitionen von 15,1 Millionen Euro auf 34,1 Millionen Euro. Vor allem für den Ausbau der Fernwärme und die erneuerbaren Energien wurde viel Geld benötigt. Aber auch das Netz wird saniert, wie zum Beispiel mit dem neuen Düker unter der Trave. Der Erfolg: Im Schnitt mussten die Lübecker im Jahr sieben Minuten auf Strom verzichten. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 15 Minuten. Beim Gas waren es weniger als 0,1 Minuten.

Die Absatzzahlen an Energie und Wasser sind 2012 gestiegen. Gründe sind der kalte Winter und Erfolge bei der Rückgewinnung vor allem von Großkunden. "Die Stadtwerke bestätigen ihre Position als Marktführer im Wirtschaftsraum und als ertragsstarkes Unternehmen, das sich gegenüber dem Wettbewerb erfolgreich behauptet", so Geschäftsführer Fritz.

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