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Grippe, Erkältung, Zeitumstellung : Sieben Dinge, die uns krank machen

vom
Aus der Onlineredaktion

Überall husten und niesen die Menschen. Die Grippewelle hat uns fest im Griff. shz.de erklärt, wieso.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2015 | 19:23 Uhr

Eigentlich sind wir über den Berg: Der Grippe- und Erkältungsgipfel, der in diesem Frühjahr hoch wie selten war, ist überschritten. Doch die Nachwirkungen belasten uns noch immer, der Krankheitsverläufe sind extrem lang. Richtig gut geht es uns nicht. Magen-Darm-Viren bringen die einen zu Fall, die anderen kapitulieren vor den Folgen der Zeitumstellung und niesen und husten schon wieder. Kopfschmerz, Müdigkeit, Gliederschmerzen – was macht uns eigentlich so krank? Wie immer hängt vieles mit vielem zusammen. 

Die Zeitumstellung

Wir haben wieder an der Uhr gedreht: Seit heute früh fehlt uns eine Stunde, die wir erst im Oktober zurückbekommen. Unnötig finden das die meisten Deutschen ohnehin, viele leiden aber ganz körperlich unter der Prozedur und klagen über Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit. Die „Initiative-zur-Abschaffung-der-Sommerzeit.de“ beruft sich bei den negativen Folgen sogar auf das Müttergenesungswerk, das „von einer steigenden Zahl an Müttern mit Erschöpfungssyndrom, Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen“ spricht. „Alles Symptome, die laut Chronobiologenstudie von Till Rönneberg mit der verschobenen inneren Uhr zusammenhängen.“ Offenbar erhöht der Eingriff in den Schlaf-Rhythmus das Unfallrisiko. Für den Straßenverkehr hat der Auto Club Europa (ACE) anhand statistischer Daten herausgefunden, dass es in der Woche nach der Zeitumstellung zu einer Häufung von Verkehrsunfällen mit Personenschaden kommt.

Die Ernährung

Ärzte und Ernährungswissenschaftler werden nicht müde, auf den Zusammenhang von Essen, Trinken und Gesundheit hinzuweisen – mit erstaunlich geringem Erfolg. Auf die Teller und in die Gläser kommt zu viel Fett und zu viel Zucker. Gerade erst haben die Allgemeinen Ortskrankenkassen die Bundesregierung aufgefordert, endlich etwas gegen den steigenden Zuckerkonsum in Deutschland zu unternehmen: Dass der krank macht, sei wissenschaftlich belegt. Wer gesund leben will, soll Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge höchstens zehn Prozent seiner täglichen Kalorien als Zucker konsumieren, tatsächlich werden in Deutschland um die 18 Prozent verputzt. Tendenz kontinuierlich steigend. Die Folgen: Bluthochdruck, schlechte Cholesterin-Werte, Übergewicht, Diabetes, Karies. Die Kosten ernährungsbedingter Krankheiten werden auf mehr als 70 Milliarden Euro beziffert.

Das Wetter

Wetterkapriolen: Ein Regenbogen ist neben der Alsterfontäne in Hamburg zu sehen.
Wetterkapriolen: Ein Regenbogen ist neben der Alsterfontäne in Hamburg zu sehen. Foto: Maja Hitij
  Gestern frühlingshaft warm, heute kalt, morgen Regen, nachts frostig, tagsüber Sonnenschein: Bei Wetterkapriolen sind Husten und Schnupfen programmiert, weil sich der Körper gar nicht so schnell auf die Temperaturschwankungen einstellen kann. Verstärkt wird das meist noch durch Kleidung, die sich blitzschnell als zu dick oder zu dünn erweist. Eine Erkältung droht nämlich immer dann, wenn man richtig durchgefroren oder durchnässt ist. Krank machen aber nicht Regen, Frost oder Wind, sondern Erkältungsviren, die umso leichteres Spiel haben, wenn sie Körper treffen, die von schlechter Ernährung, Stress, Schlafmangel geschwächt sind.

Der Stress

 

Stress kann krank machen. Wer nicht entspannen kann, sorgt für Daueralarm im Körpersystem. Die Blutzuckerwerte steigen, Herz und Kreislauf arbeiten auf Hochtouren, Magen und Darm sind chronisch unterversorgt und protestieren, das Immunsystem läuft im roten Bereich. Ständige grippale Infekte sind bei dauergestressten ebenso bekannte Erscheinungen wie Schlafstörungen, Depressionen, Burn Out. Die gute Nachricht dabei: Stress muss nicht krank machen, ist sogar eine geniale Erfindung der Natur, weil wir unter ihm im Notfall zu Höchstform auflaufen. Problematisch wird Stress dann, wenn er kein Ende nimmt. Vor allem aber ist es von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie belastend eine Situation ist. Heißt: Man kann nicht nur lernen, sich nicht zuviel zuzumuten, sondern auch, mit fremden oder steigenden Anforderungen umzugehen.

Bewegungsmangel

 

Wir sitzen uns krank. 7,5 Stunden am Tag verbringen deutsche Erwachsene in Deutschland im Sitzen. Wochentags schaffen Jugendliche und junge Erwachsene es sogar auf neun Stunden, steht im Gesundheitsreport der Deutschen Krankenversicherung (DKV). Das schadet dem Bewegungsapparat, ist Mord für den Rücken – und obendrein Gefahr für Herz, Kreislauf und Insulinstoffwechsel.

Laut einer Studie der Uni Regensburg erkranken Menschen, die viel sitzen, häufiger an Darm-, Gebärmutter- und Lungenkrebs. Ungünstig für das Immunsystem ist Stuben- und Bürohockerei allemal. Wer drinnen sitzt, kann sich nicht an frischer Luft bewegen.

Allergien

 

Sie fliegen längst wieder: Die Pollen der Frühblüher verderben Allergikern jedes Jahr die Freude am Frühling. Im Norden sind laut Deutschem Wetterdienst – www.dwd.de – Hasel und Erle unterwegs, dies zwar erst gering, aber für juckende Augen, Kopfschmerzen, Niesattacken und Atembeschwerden reicht das vielfach. Was früher verniedlichend als „Heuschnupfen“ bezeichnet wurde, wird inzwischen gezielt behandelt. Gefürchtet ist ein sogenannter „Etagenwechsel“, bei dem die Erkrankung von den oberen auf die unteren Atemwege übergreift.

Lärm und Licht

Krach gefährdet die Gesundheit. Er befördert die Bildung von Stress-Hormonen, lässt Blutdruck und Herzfrequenz steigen, sorgt für Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kreislaufprobleme und Störungen der Immunabwehr. Auch das Übermaß an Kunstlicht in unserer Zivilisation kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Beeinflusst werden Körpertemperatur, Hormon-Freisetzung und die genetische Aktivität in den einzelnen Zellen, schreiben US-amerikanische Wissenschaftler. Seit neun Jahren ruft die Naturschutzorganisation WWF einmal im Jahr zur Earth Hour auf, in der möglichst viele Menschen eine Stunde lang das Licht ausschalten. Gestern um 20.30 Uhr war es wieder so weit.

Was hilft?

Vorbeugung ist die beste Medizin

Erkältungsviren verbreiten sich sowohl durch Tröpfchen- als auch durch Kontaktinfektion. Ein Erkälteter, der niest, katapultiert tausende Viren in seine Umgebung. Erreger lauern auch zuhauf auf Türklinken, Tastaturen, Telefonen. Häufiges und sorgfältiges Händewaschen mit warmem Wasser und Seife hält Keime in Schach. Ob man sich ansteckt oder nicht, ist insbesondere von der Stärke des Immunsystems abhängig. Das bleibt fit mit viel frischem (gewaschenem!) Obst und Gemüse, Bewegung an frischer Luft und ausreichend Schlaf. Saunabesuche und Wechselduschen halten die Abwehr ebenfalls auf Trab. Schlecht für das Immunsystem sind Nikotin, Alkohol und Stress. Und das berühmte „Hand vor den Mund!“ bei Husten und Niesen ist eher kontraproduktiv; besser ist die Armbeuge, denn die hat selten Kontakt zu Mitmenschen.

Hausmittel

Holundertee und Hühnersuppe – Hausmittel gelten bei Erkältungskrankheiten als hilfreich. Sicher ist, dass viel Trinken (mindestens zwei Liter täglich) ausgeschwitzte Flüssigkeit ersetzt und Schleimhäute feucht hält, die sich dann besser gegen Keim-Attacken wehren können. Alkoholische Getränke sind dabei keine geeigneten Flüssigkeiten. Dass selbstgekochte Hühnersuppe Erkältungen heilen kann, ist ein Küchenmärchen. Mit Flüssigkeit und Wärme lindert sie aber und stärkt den Körper mit wichtigen Mineralstoffen.

Fieber ist eine körpereigene Abwehrmaßnahme und sollte zwar beobachtet, aber nicht von vorneherein bekämpft werden. Schonung ist für Erkältete oberstes Gebot, Anstrengungen, die Herz und Kreislauf belasten, sind tabu. „Drei Tage kommt sie, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie“, sagt der Volksmund über die Erkältung. Wer länger als 14 Tage zu kämpfen hat, sollte zum Arzt gehen.

Positiv denken

Eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg gab unlängst Grund zum Staunen: Ältere Menschen, die geringere Erwartungen an ihre Zukunft hatten, lebten länger und in besserer Gesundheit als Menschen, die besonders positiv in die Zukunft blickten, so ein Ergebnis. Pessimismus grundsätzlich zu kultivieren, lohnt sich indessen nicht. An der Uni Maastricht ist nämlich zum Forschungsschwerpunkt Optimismus dokumentiert, dass sich Optimisten schneller von Operationen erholen als Pessimisten, weniger Schmerz spüren, niedrigeren Blutdruck haben, sich seltener mit Erkältungsviren anstecken, Wunden nach Verletzungen schneller heilen. Optimisten gehen auch seltener zum Hausarzt. Das wiederum könnte das Ergebnis der Erlangen-Nürnberger Studie erklären.

 
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