Suche nach Endlager : Sieben Castoren kommen frühestens 2020 nach Brokdorf

Brokdorf stellt die Atomstromproduktion Ende 2021 endgültig ein. Insgesamt 75 Castoren mit Atommüll aus dem eigenen AKW-Betrieb dürften am Ende anfallen.

Brokdorf stellt die Atomstromproduktion Ende 2021 endgültig ein. Insgesamt 75 Castoren mit Atommüll aus dem eigenen AKW-Betrieb dürften am Ende anfallen.

Das AKW hat bisher noch nicht die nötige Erlaubnis, Castoren des Typs HAW28 aus Sellafield zu lagern.

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08. Oktober 2018, 12:47 Uhr

Brokdorf  | Der Transport von sieben Castoren mit wiederaufbereitetem hochradioaktiven Atommüll von England nach Brokdorf (Kreis Steinburg) wird frühestens 2020 erfolgen. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dies bereits im nächsten Jahr umgesetzt werden könnte“, sagte der Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), Wolfram König. „Das Zwischenlager auf dem Gelände des Atomkraftwerks Brokdorf hat noch nicht die notwendige Änderungsgenehmigung, um auch Castoren des in Sellafield verwendeten Typs zu lagern.“ Es lägen auch noch keine prüffähigen Antragsunterlagen des AKW-Betreibers PreussenElektra vor. Auch der Energiekonzern geht von einem Transport frühestens 2020 aus, sagte eine Sprecherin.

Deutschland muss noch fünf Castoren aus La Hague aufnehmen und 21 aus Sellafield. Es handelt sich um Atommüll aus Deutschland, der in den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England aufgearbeitet wurde. Die fünf Castoren mit mittelradioaktiven Abfällen aus La Hague kommen laut König nach Philippsburg (Baden-Württemberg), und 21 mit hochradioaktiven Abfällen werden verteilt auf die Standorte Brokdorf, Isar (Bayern) und Biblis (Hessen).

Bis 2031 soll der Standort für ein Endlager feststehen

 „Das ist die Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und den Abfallbesitzern“, sagte König. „Mit der Verabschiedung des Standortauswahlgesetzes sollten keine weiteren Transporte mehr in das Zwischenlager nach Gorleben (Niedersachsen) gehen, um diesen Standort bei der Endlagersuche nicht weiter zu präjudizieren.“ Im Rahmen eines aufwendigen Verfahrens soll bis 2031 der Standort für das atomare Endlager in Deutschland feststehen – und Mitte des Jahrhunderts soll es in Betrieb gehen.

Das Zwischenlager in Brokdorf wird Anfang 2019 übergehen in die Verantwortung der vom Bund gegründeten „BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung“. Sie wird künftig alle zwölf Zwischenlager mit ausgedienten Brennelementen und die zwölf Lager mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen der deutschen Kernkraftwerke führen. Das Zwischenlager Brokdorf hat eine Genehmigung für 100 Castoren. Bisher lagern dort nach Angaben der Atomaufsicht in Kiel 30 Castoren.

75 Castoren fallen in Brokdorf an

Brokdorf stellt die Atomstromproduktion Ende 2021 endgültig ein. Insgesamt 75 Castoren mit Atommüll aus dem eigenen AKW-Betrieb dürften am Ende anfallen plus die sieben Sellafield-Castoren, so eine  Sprecherin von PreussenElektra. Es sei also genügend Platz vorhanden.

Unklar ist aber, ob die Behörden zusätzliche Auflagen für die Lagerung der Sellafield-Castoren machen werden. Atomkraftgegner halten die Lagerrisiken des Behälter-Typs aus Sellafield für größer als für andere Castoren. Die Castoren HAW28M sind laut BfE speziell für radioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung vorgesehen. „Für das Zwischenlager Brokdorf liegt bisher nur ein allgemeiner Antrag vor, aber noch keine prüffähigen Unterlagen, weil zunächst zwei Pilotverfahren für Philippsburg und Biblis vorgezogen werden“, sagte König. Die PreussenElektra-Sprecherin ergänzte, man wolle vor der detaillierten Antragstellung für Brokdorf erst die Referenzverfahren abwarten, was an Auflagen eventuell verlangt werde.

Zwischenlager werden keine Endlager

Die atomaren Zwischenlager sind in Deutschland auf 40 Jahre angelegt. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass dieser Zeitraum nicht reicht“, sagte König. Als früherer Präsident des Strahlenschutzamtes habe er – gegen die Anträge der Energiekonzerne – die Nutzungsdauer bewusst begrenzt. „Zwischenlager, wie sie derzeit ausgestaltet sind, können keine Endlager sein – weil Stacheldraht, Beton und Wachmannschaften kein Ersatz für eine langfristig sichere Lagerung in stabilem Gestein tief unter der Erdoberfläche sein können.“

Würde man Zwischenlager als Endlager nutzen, würde dies laut König bedeuten: „Wir müssten ständig diese Anlagen aktiv überwachen, entsprechend nachrüsten und belasten damit spätere Generationen. Und keiner kann heute sicherstellen, dass dies über einen längeren Zeitraum möglich ist. Und auch die Behälter sind nicht dafür konzipiert, die hochradioaktiven und hochgefährlichen Stoffe über einen derart langen Zeitraum wie bei der Endlagerung sicher und letztendlich überwachungsfrei von der Umwelt fernzuhalten.“

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