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Sie helfen bei Problemen – Wo Senioren Partner von Schülern sind

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es war mehr als Zickenkrieg. „Wir kannten uns alle, und wir hatten immer wieder Stress miteinander – so sehr, dass das manchmal die ganze Klasse betroffen und gespalten hat“ sagt Nathalie Schwarz. Die 14-Jährige sitzt mit ihren Mitschülerinnen Anne-Mike Ewert (15) und Lina Scheuring (15) an einem Tisch in einem kleinen Raum der Bergschule in Fockbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde). An der Tür weist ein Flyer darauf hin, mit wem die Mädchen dort ihre Probleme besprechen: den Seniorpartners in School – oder den Sis-Leuten, wie die Gemeinschaftsschülerinnen sie nennen.

Genau seit zehn Jahren gibt es den Sis-Landesverband von rund 70 Ehrenamtlern, die an 36 ganz verschiedenen Schulen in ganz Schleswig-Holstein die Schulsozialarbeit unterstützen. Am Wochenende haben sie Jubiläum gefeiert. „Wir können keine professionellen Sozialarbeiter ersetzen und wollen auch niemandem seine Aufgabe streitig machen. Wir sehen uns mehr als eine Anlaufstelle für Schüler, die ein Problem haben“, sagt die Sis-Landesvorsitzende Barbara Knoth. „Wir können und wollen die Jugendlichen nicht therapieren, sondern sind vor allem dazu da, ihnen zuzuhören.“

Und dafür gibt es offenbar jede Menge Bedarf. Rund sechs Gespräche pro Woche führen die vier Senioren an der 700 Schüler starken Bergschule. „Mich hat zu Anfang gewundert, dass es nur selten um schulische Probleme geht, mit denen die Jugendlichen zu uns kommen“, sagt Barbara Knoth, die früher selber Lehrerin war. Oft seien es eher Streitigkeiten untereinander bis hin zu Mobbing – oder eben immer wieder familiäre Probleme.

„Manchmal sieht man den Kindern auch einfach nur die Traurigkeit an“, sagt Uwe Niels Schütt, der seit vier Jahren als Seniorpartner in Fockbek arbeitet. Der 58-Jährige weiß, wie Kinder unter familiärem Stress leiden können, er ist selbst geschieden. Gerade für Kinder in der Pubertät seien häusliche Probleme nicht leicht zu verarbeiten. „Lehrer bemerken natürlich, dass mit ihren Schülern manchmal etwas nicht stimmt, aber weder die Kollegen noch eine Schulsozialarbeiterin kann das allein auffangen, weil einfach die Zeit fehlt“, sagt Schulleiterin Ute Shabanpoor. Die Klassen sind oft groß, die Probleme werden komplexer, so die Schulleiterin. Sie hofft, dass alle Schulen im Land Seniorpartner bekommen. „Wir sind jedenfalls zutiefst dankbar, dass sie uns mit ihrer Arbeit unterstützen.“

Der Landesverband sucht laufend neue Seniorpartner – und Spender, die die zehntägige Ausbildung der Ehrenamtler unterstützen. „Man muss nur aus dem Berufsleben ausgeschieden sein, braucht keine besonderen Vorkenntnisse, nur die Lust, mit Jugendlichen zu arbeiten“, sagt Barbara Knoth. Nach der Ausbildung verpflichtet sich der Seniorpartner, in einer Schule seiner Wahl jede Woche vier Stunden für die Schüler zur Verfügung zu stehen. „Wir suchen vor allem Männer“, sagt Knoth.

So wie Uwe Niels Schütt. Er hat vor zwei Jahren Nathalie, Anne-Mike und Lina beraten. „Zuerst war es komisch für uns“, gibt Nathalie zu. „Wir wollten nicht so ein großes Ding draus machen.“ Vielleicht fürchteten die drei komische Blicke von Mitschülern, weil sie im Unterricht die Klasse verlassen, um zu den Seniorpartnern zu gehen. „Aber das war dann okay. Wir konnten hier auch Sachen loswerden, über die man nicht mit Lehrern oder Eltern reden will“, sagt Lina, denn die Seniorpartner sind zu Verschwiegenheit verpflichtet – auch Lehrern und Sozialarbeitern gegenüber. Immer wieder gingen die Drei nach Bedarf zu Uwe Niels Schütt und nutzten das, was er Hilfe zur Selbsthilfe nennt. „Das hat uns geholfen, wir lösen Konflikte jetzt anders, sprechen sie direkt an, statt den Ärger runterzuschlucken bis eine explodiert“, sagt Natalie. Manchmal funktioniere das sogar in der Kommunikation mit den Eltern. Aber vor allem hat es eines zur Folge: Nathalie, Anne-Mike und Lina sind beste Freundinnen geworden.


>Informationen:

 www.sis-schleswig-holstein.de

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