zur Navigation springen

Kultur als Standortfaktor : SHMF-Intendant Christian Kuhnt: Schleswig-Holstein ist ein Festivalland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SHMF, Eutiner Festspiele, WOA: Christian Kuhnt will SH als Festivalland und Kulturstandort stärken.

shz.de von
erstellt am 01.Jul.2017 | 17:08 Uhr

Herr Kuhnt, Sie haben gerade Ihren ersten Regierungswechsel als SHMF-Intendant erlebt. Hat das Einfluss auf Ihre Arbeit?
In erster Linie verfolge ich den Regierungswechsel natürlich als wählender Bürger mit Spannung. Welchen Einfluss diese Entwicklung auf das Festival hat, muss man abwarten.

Hatten Sie schon Kontakt mit der neuen Kulturministerin Karin Prien?
Nicht direkt, aber ich habe schon eine Mail mit ihr ausgetauscht.

Worum ging es in dieser Mail?
Ich habe mich vorgestellt und ein Gesprächsangebot unterbreitet.

Haben Sie den Koalitionsvertrag gelesen?
Ja.

Darin kommt das SHMF gut weg, es wird als kultureller Leuchtturm bezeichnet, der gestärkt werden soll.
Ich glaube, dass die deutschlandweite Wahrnehmung Schleswig-Holsteins als Festivalland durchaus noch etwas verbessert werden könnte, weil wir mehrere internationale Ereignisse hier oben haben. Das SHMF natürlich, aber auch Jazz Baltica, Folk Baltica, die Nordischen Filmtage, die Eutiner Festspiele und nicht zuletzt das Wacken Open Air. Man kann ohne zu übertreiben sagen: Schleswig-Holstein ist ein Festivalland. Wir können alle gemeinsam noch mehr dafür tun, diese Qualität und Vielfalt auch entsprechend zu präsentieren.

Festivalland Schleswig-Holstein – wäre das für Sie ein besserer Slogan als der Echte Norden?
Ich war immer sehr glücklich mit dem Land der Horizonte, in Kombination mit der Festivalwelle und den Landesfarben. Und ich hätte nichts dagegen, wenn wir darauf zurückkommen würden. Aber Festivalland wäre auch nicht schlecht. Nur bin ich der Letzte, der berufen wäre, Marketing für das Land Schleswig-Holstein zu machen.

Haben Sie denn einen Wunsch an die neue Landesregierung? Gibt es Dinge, die besser laufen könnten?
Ganz wichtig ist, dass wir im Bereich der Kultur – und das zeigt das Beispiel Hamburg sehr deutlich – wegkommen müssen von den Diskussionen über Sparkurse und strukturelle Veränderungen. Wir sollten stattdessen Konzepte entwickeln, die die Kultur noch stärker als Standortfaktor benennen. Und ich würde mir sehr wünschen, dass man bald für das Landestheater, das eine ganz wichtige Institution für Schleswig-Holstein ist, eine tragfähige Lösung findet. Damit meine ich nicht nur das Land, sondern vor allem auch die Städte und die Kreise. Dann würde man endlich nicht mehr über Schwierigkeiten, sondern über Perspektiven reden.

Es ist überraschend, dass Sie als Lübecker das Schicksal des Landestheaters so im Blick haben.
Das Landestheater und das Schleswig-Holstein Musik Festival haben ja durchaus einige Gemeinsamkeiten, vor allem die Flächenbespielung. Wir wissen, wie kompliziert es ist, Produktionen an unterschiedlichen Orten zu präsentieren. Und wir wissen, wie aufwendig es ist, Werbung zu machen, wenn man nicht nur an einem Ort ist, sondern eine Vielzahl von Spielorten bedienen darf. Dementsprechend haben wir für das Landestheater viel Sympathie und nehmen natürlich wahr, dass es da an dem einen oder anderen Ende noch hakt. Wenn da Politik und Theaterleitung künftig an einem Strang ziehen, ist schon viel erreicht.

Was macht denn Hamburg in der Kulturpolitik besser?
Hamburg hat viel von Berlin gelernt über den Wettbewerb zwischen Städten, in dem es nicht immer nur um die Ansiedlung von Unternehmen, von Medienhäusern, von Werbeagenturen geht, sondern auch um Tourismus und den Wettbewerb von kultureller Qualität. In Hamburg hat man erkannt, dass man dafür auch investieren muss. So wie Berlin es seit Jahrzehnten tut. Hamburg hat in den letzten Jahren unabhängig vom Bau der Elbphilharmonie rasant aufgeholt.

Stichwort Elbphilharmonie: Die neun SHMF-Konzerte dort waren wahrscheinlich schnell ausverkauft, oder?
Ja, die waren sehr schnell ausverkauft. Wir erleben gerade insgesamt einen Boom, der weit über die Grenzen der Elbphilharmonie hinausgeht: die Menschen haben wieder große Lust und Neugier auf Konzerte. Die Nachfrage nach unserem Angebot jedenfalls ist enorm und hat gewiss auch etwas mit der Verstärkerwirkung der Elbphilharmonie zu tun.

Der Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter sagt, er würde gern mehr SHMF-Konzerte in seinem Haus anbieten.
Diese Aussage hat mich etwas überrascht, weil wir um jeden Termin ringen mussten, den wir in der Elbphilharmonie bekommen wollten. Und jeden Termin, den wir bekommen konnten, haben wir auch genommen. Ganz wichtig ist aber: Es sind neun Konzerte in der Elbphilharmonie und 184 außerhalb der Elbphilharmonie.

Diese Feststellung ist wichtig, um selbstbewusst in Richtung Hamburg zu schauen?

Aus der Perspektive des SHMF ist Hamburg ein Teil von Schleswig-Holstein.

Würden Sie trotzdem noch mehr Konzerte in der Elbphilharmonie anbieten, wenn es möglich wäre?
Nein, wir reden über sieben bis zehn Konzerte jährlich. Mehr werden es nicht.

193 Konzerte in über 100 Spielstätten. Sind damit die Wachstumspotenziale des SHMF ausgeschöpft?
Ja. Wir haben die Anzahl der Konzerte immer wieder gesteigert, denn wir sind total verführbar, wenn uns interessante Spielstätten vorgeschlagen werden. Und die Zahl der Konzerte hängt immer sehr vom Porträtkünstler ab. Wenn jemand wie Avi Avital zwanzig Konzerte anbietet, dann steigt die Zahl insgesamt entsprechend an. Aber die Grenze ist erreicht.

18 der 20 Konzerte mit Avi Avital sind ausverkauft, wie ist der Kartenverkauf insgesamt bislang gelaufen?
Wir liegen zum jetzigen Zeitpunkt deutlich über dem letzten Jahr, haben bislang rund 154.000 Karten verkauft.

Wie viele Konzerte sind bereits ausverkauft?

Fast zu viele. Denn wir möchten ja, dass jeder Zugang zum Festival hat. Die Zahl weiß ich gar nicht so genau, aber es werden um die 100 Konzerte sein.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen