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Tatort in der ARD : Shakespeare goes Tarantino

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ist das noch Tatort oder schon Kokolores? Der ARD-Krimi heute Abend mit Ulrich Tukur polarisiert.

So viel vorweg: Diesen „Tatort“ kann man nur lieben oder nur hassen. Genauso, wie man die mörderischen Dramen von Shakespeare oder die Blutorgien eines Quentin Tarantinos nur lieben oder hassen kann. Ist doch der Stil-Bruch heute Abend so brachial, dass mancher fragen wird: Ist das noch „Tatort“ oder schon Kokolores?

Denn Ulrich Tukur (als Wiesbadener LKA-Beamter Felix Murot) will erneut und partout aus Fernsehen Theater machen. Am liebsten eine Bloody-Horror-Picture-Show. Mit einer Bühne, mit einem Erzähler und – wenn schon, denn schon – mit 47 Toten. „Tatort“-Weltrekord!
Damit sich Tukur austoben kann, haben Michael Proehl (Buch) und Florian Schwarz (Regie) ein Racheepos gezimmert, dass sich die Balken biegen. Eine Vendetta von Freundschaft, Liebe, Verrat und Mord. Und sie haben geklaut, was die Filmgeschichte hergibt. Allein das Intro – drei Kerle warten auf einem Bahnhof, um einen Fremden umzulegen und werden selbst abgeknallt – riecht so nach Sergio Leone, dass uns Großes bei diesem „Tatort“ schwant. Oder Schlimmes.

Um es kurz zu machen: Murots einstiger Busenfreund von der Polizeischule, Richard Harloff (Ulrich Matthes), kehrt nach über 30 Jahren aus Südamerika zurück, wo er zum Monster mutierte und als Drogenboss Tod und Schrecken verbreitete. Nun gehen auch in Wiesbaden bei vielen seiner Bekannten schnurstracks die Lichter aus (u.a. Alexander Held, Felix von Manteuffel, Henriette Müller). Ob mit Blattschuss, mit einem Stein am Hals im Rhein oder bei einer Massenballerei. Wahnsinn, Rache, Tod – „Hamlet“ goes Tarantino.

Und warum der ganze Zirkus? Weil Harloff sich an Murot rächen will. Für etwas, was wir Zuschauer genauso lange nicht verstehen, wie Murot. Nur, dass es um die gemeinsame Geliebte von einst geht. Und um Harloffs Sohn David (Golo Euler), der zwar ein böser Killer, sonst aber ein netter Kerl ist.

So viel vorweg. Auf dass es Gala werde – Tukur vs. Matthes. Zum Lieben oder zum Hassen. Wer fragt da noch, wie „Tatort“ eigentlich geht?

„Tatort – In Schmerzen geboren“, 20.15 Uhr, ARD.

 

 

 

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erstellt am 12.Okt.2014 | 18:56 Uhr

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