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Nach Vorschlag der Polizei : SH will Schulschwänzer nicht bestrafen

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Wer dem Unterricht in der Schule fernbleibt, wird kriminell. So lautet – zugespitzt – die Meinung der Polizeigewerkschaft. Sie fordert Geldstrafen für Schulschwänzer. Gegner halten das für einen „derben Karnevalsscherz“ und setzen auf Gespräche.

Kiel | Die Forderung des Deutschen Philologenverbandes und der Deutschen Polizeigewerkschaft, dass Schulschwänzer oder deren Eltern bei zweimaligem Fehlen in der Schule 150 Euro bezahlen sollen, stößt in Schleswig-Holstein auf Ablehnung. Schon jetzt gebe es die Möglichkeit, Schulschwänzern ein Bußgeld aufzuerlegen, das geschehe aber nur im Ausnahmefall, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel, Thomas Schunck. Landesweite Zahlen über Schulabstinenz würden nicht erhoben. „Wir setzen auf Spaß an der Schule und nicht auf irgendwelche Sanktionen.“ Es gelte die Lehrer gut aus- und fortzubilden, um die Ursachen für Schulabstinenz zu bekämpfen.

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, hatte zuvor gesagt: „Schule schwänzen ist neben Gewalt in der Familie die Hauptursache für Jugendkriminalität. Der Staat muss hier also hart durchgreifen, um präventiv zu handeln.“ Auch Teile der Berliner SPD und CDU sprachen sich dafür aus. Und der Chef des Philologenverbandes, Hans-Peter Meidinger, sagte: „Wir dürfen Schulschwänzer nicht mit Samthandschuhen anfassen. Hier helfen nur harte finanzielle Strafen. Aber wir müssen auch mit Sozialarbeitern in die Familien gehen und ihnen den Wert von Bildung vermitteln.“

Der Sprecher des Philologenverbandes in Schleswig-Holstein, Jens Finger, äußert sich moderater als sein Bundesvorsitzender: „Eine Geldstrafe kann nur ein Mittel von vielen sein. Wir setzen lieber auf Gespräche mit Eltern und Schülern.“ Geldstrafen träfen oft die falschen. Und ob Familien, in denen Kinder chronisch die Schule schwänzten, das Geld zahlten, sei fraglich.

Die Lehrergewerkschaft GEW hält den Vorstoß für einen „derben Karnevalsscherz“, wie Geschäftsführer Bernd Schauer sagt. Schulverweigerung sei ein ernstes Problem, das mit pädagogischen und sozialpädagogischen Mitteln entschlossen angegangen werden müsse, und zwar so früh wie möglich. „Populistische Forderungen nach Bußgeldern für Schulschwänzer helfen nicht. Stattdessen brauchen wir bessere Bedingungen und mehr Personal für Schulen und Jugendhilfe, damit Lehrer, Sozialpädagogen und Schulpsychologen mehr Zeit haben, um sich um gefährdete Kinder und Jugendliche kümmern zu können.“

Der Landesschülersprecher Gymnasien, Florian Lienau, meint dazu: „Niemand, der die Schule schwänzen will, lässt sich davon abschrecken.“ Zudem sei das Problem in Schleswig-Holstein vermutlich nicht sehr groß. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei in Schleswig-Holstein, Karl Hermann Rehr, sagte, Geldstrafen seien das falsche Mittel. „Damit ist am Ende keinem Kind geholfen.“

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erstellt am 28.Jan.2014 | 16:57 Uhr

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