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Soziale Medien : SH: Wie Politiker Facebook und Twitter nutzen

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Wenn Politiker sich in sozialen Netzwerken austoben, kommen ganz unterschiedliche Ergebnisse dabei heraus – aber selten ein professioneller Auftritt. Unsere Autorin wirft einen subjektiven Blick auf den Stand der Dinge.

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erstellt am 19.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Der norddeutsche Vergleich zeigt: Schleswig-Holsteins Politiker sind in sozialen Netzwerken zurückhaltender als die Kollegen in Niedersachen, Bremen und Hamburg. Eine Analyse des Hamburger Politikberaters und Social-Media-Experten Martin Fuchs zeigte, dass 75,4 Prozent der SH-Politiker soziale Netzwerke für sich nutzen, in Niedersachen ist der Anteil mit 86 Prozent am höchsten.

Aber reicht es aus, lediglich ein Profil in den Netzwerken zu haben? Das ist der erste Schritt, um nah am Wähler und für ihn leicht erreichbar zu sein. Aber welche Landespolitiker nutzen diese Gelegeheit für eine professionelle Selbstdarstellung und treffen bei der Information ihrer Wähler das richtige Maß?

Das schicke Aussehen der Facebook-Seite von Ministerpräsident Torsten Albig lässt Großes Erwarten. Wer genauer hinschaut, wird schnell ernüchtert: Fünf Posts in diesem Jahr – so viel schaffen andere Politiker vor dem Frühstück. Ganz so weit ist es bei Parteikollege Ralf Stegner noch nicht, trotzdem kann er sich guten Gewissens zu den aktivsten Politikern im Norden zählen, was die Nutzung von sozialen Netzwerken angeht. Der Landesvorsitzende der SPD Schleswig-Holstein hält seine knapp 6.500 "Fans" auf Facebook stets auf dem Laufenden. Alltägliche Ereignisse und Termine sowie politische Themen kommen hier genauso zur Sprache wie seine persönlichen Musiktipps. Frei nach dem Motto "Und täglich grüßt das Murmeltier" sendet Stegner jeden Morgen Grüße aus seinem aktuellen Aufenthaltsort, verbunden mit dem allmorgendlichen "Musiktipp für Euch da draußen im digitalen Orbit". Wem das noch nicht genug Stegner ist, dem sei dessen Twitter-Account empfohlen. Rund 15.800 Menschen folgen ihm dort und erhalten mehrfach täglich seine kurzen Statusupdates. Stegners recht lange Posts auf Facebook lassen nicht vermuten, dass er sich auch in 140 Zeichen ausdrücken kann. Auf Twitter kommt er gezwungenermaßen in ein oder zwei Sätzen auf den Punkt – dann aber gleich viele Male am Tag. Am 13. April kam er aus dem Zwitschern gar nicht mehr heraus: Sechs Tweets über den Tag verteilt und allein während des Tatorts noch einmal 25 (!). Wer Thiel und  Boerne nicht im Fernsehen ermitteln sehen konnte, wurde quasi per Liveticker von Stegner auf dem Laufenden gehalten. Freundlicher Service oder absolut nervig – das muss wohl jeder seiner Follower für sich entscheiden.

Das Social Media-Gegenteil von Stegner ist dagegen Wolfgang Kubicki: „Facebook und Twitter haben mir meine Mitarbeiter untersagt, weil ich sehr schnell reagiere und sie das dann nicht mehr kontrollieren können“, sagte der FDP-Fraktionschef. Trotzdem gibt es eine Facebookseite mit seinem Namen, die fast 3000 Nutzer mit "Gefällt mir" markiert haben. Und das, obwohl sie von Fans erstellt und betreut wird (wie ein Infotext auf der Seite sofort klarstellt) und bisher insgesamt nur drei Posts abgesetzt wurden. Spannend ist dabei auch, dass diese recht brachliegende Seite auf den ersten Blick trotzdem professioneller wirkt, als die Facebook-Auftritte manch anderer Landespolitiker.

Während Kubicki auf seiner Portraitaufnahme verwegen dreinblickt, prangt im Hintergrund großformatig das FDP-Logo. Bei Eka von Kalben, der Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, ist man sich nicht sicher, ob sie sich hier privat oder beruflich darstellen möchte. CDU-Fraktionschef Johannes Callsen ist auf Facebook überhaupt nicht aktiv, seine Stellvertreter Astrid Damerow und Tobias Koch präsentieren sich solide, stechen aber auch nicht heraus.

Auch wenn die geringe Anzahl von fast 600 Fans es nicht vermuten lässt, ist die Justizministerin ihren Kollegen in manchen Punkten voraus. Anke Spoorendonk (SSW) stellt sofort in einem kurzen Text klar, dass es sich um einen beruflichen und keinen privaten Auftritt handelt und nutzt zudem eine so genannte Fanseite. Hier können interessierte Bürger „Gefällt mir“ klicken, wenn sie regelmäßig von Spoorendonk hören möchten, sind aber nicht (wie bei Innenminister Andreas Breitner) gezwungen, ihr eine Freundschaftsanfrage zu senden – für einen beruflichen Auftritt eindeutig die bessere Lösung. Die Ministerin postet nur selten, nutzt dann aber gern Bildergalerien, um einen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Trotz verwackelter und schlecht belichteter Handyfotos ist das eine angenehme Abwechslung zu langen Statusmeldungen im Politikersprech.

Knackig kurze Information vermisst man auch bei Sven Krumbeck (Piraten). Er postet zwar angenehm prägnant über seinen privaten Facebook-Account, nutzt jedoch seine offizielle Fanseite fast ausschließlich, um Texte von seinem Blog zu verbreiten. Die Kombination aus Titel- und Profilbild ist dabei so gelungen wie bei keinem seiner Landtagskollegen.

Grundsätzlich sind die Landespolitiker weniger auf Twitter als vielmehr bei Facebook aktiv und posten nur in Ausnahmefällen zu viel, meistens jedoch zu wenig. Nun bleibt zu beobachten, ob pünktlich zum nächsten Wahlkampf die Accounts abgestaubt werden und ein spontanes Mitteilungsbedürfnis die Politiker aus ihrer Social-Media-Müdigkeit reißt.

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