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Radeln in Flensburg : Abenteuertour mit Fördeblick

vom

Per Rad geht es von der sehenswerten Flensburger Hafenspitze über Hügel, Feldwege und durch Wälder bis an die eindrucksvolle Küste der Innen- und Außenförde. Das berühmte Glücksburger Wasserschloss bietet die ideale Kulisse für einen Zwischenstopp auf dem Weg zur Halbinsel Holnis.

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erstellt am 17.Apr.2014 | 11:03 Uhr

Holnis | Sag niemand, im Norden ist es schön flach, also ideal für Radfahrer! Das mag für die Westküste stimmen, für die Ostküste sicher nicht. Auch auf dieser Tour kommt man um gewisse Steigungen nicht herum - es sei denn, man fährt am Flensburger Hafen immer hin und her.

Das wollen wir aber nicht, oder besser: nur ein paar Kilometer. Start unserer Tour ist an der Hafenspitze im Herzen der Stadt; das Auto kann man auf dem benachbarten Parkplatz abstellen, der kostenpflichtig ist. Wenige Fahrradminuten entfernt steht das Auto kostenlos auf dem Parkplatz Exe.

Der Streckenverlauf

Die Strecke in kurzen Abschnitten

Start und Ziel: Hafenspitze - Harniskai - Industriehafen - Wohnmobil-Stellplatz - Sonwik - Osbektalweg - Fördestraße - Solitüder Straße - Solitüde. Möglicher Umweg: Von der Fördestraße links ab nach Twedter Mark und über den sehr steilen Twedter Strandweg hinunter nach Fahrensodde, weiter am Wasser entlang nach Solitüde. - Meierwik - Uferstraße nach Glücksburg - Sandwig - Schwennau - Schausender Weg - Schausende. Kobbellück Richtung Hauptstraße. Von hier Exkurs nach Holnis Spitze über Drei. Straße an der Ostsiete (nicht die Hauptstraße fahren!) Oder weiter nach Bockholm, Schulweg und Berglück. Beschilderung Ostseeküsten-Radweg folgen - Knoop - hinaus zur L 96 - links - nach 2 km links ab Wahrberg - am Wasser rechts - durch den Campingplatz zur Straße Bockholmwik - rechts hoch und den Schildern nach Geil / Rüde folgen - dort kurz rechts und auf der L96 links Richtung Ulstrup - dort über die Kreuzung und Richtung Oxbüll/B199 - kurz davor rechts ab Richtung Wees - am "Weeser Stachus" schräg links Richtung B199 - diese queren und dann parallel zu dieser über Himmershoi / Kauslunder Straße nach Flensburg - Engelsbyer Straße - Glücksburger Straße - hinter der großen Brücke rechtsab ins Tal - weiter bis Hafen.

Die Fördetour ist zweigeteilt: Auf der ersten Hälfte verläuft die Trasse häufig in Küstennähe, so dass man aus dem Sattel immer wieder spektakuläre Blicke auf die Förde genießt. Zurück geht es dann im Binnenland durch die Angeliter Hügellandschaft. Auf der Halbinsel Holnis ist ein Abstecher zu deren Spitze möglich; hier lädt das "Fährhaus Holnis" zum lukullischen Zwischenstopp ein.

Radfahren am Flensburger Hafen ist immer ein bisschen Abenteuer. Das beginnt an sonnigen Sommertagen schon auf der Promenade, die dann dicht bevölkert ist von Joggern, Spaziergängern, heimischen Radlern und Inline-Skatern. Also Obacht! Hier haben Slalomtalente die besten Karten. Die Promenade geht in den Wirtschaftshafen über - oder was davon übrig geblieben ist. Hier wird an Werktagen noch richtig Ladung gelöscht, so dass man zwischen Lkw und unter Kränen hindurch fährt. Vor allem mit Kindern sollte man hier sehr vorsichtig fahren - die Durchfahrt ist aber erlaubt.

Die kurze Fahrt am Klärwerk vorbei kann vor allem bei Ostwind ein Abenteuer für die Nase werden, bevor man in Sonwik sehen kann, wie man aus einer alten Kaserne ein tolles, vitales, maritimes Wohnquartier mit Läden, Restaurants und vor allem Wohnungen bauen kann. Sehenswert! Leider ist es nicht möglich, unterhalb der Marineschule am Wasser entlang zu fahren - das heißt, möglich wäre es schon, die Marineschule erlaubt es aber nicht. Dafür gibt es einen sehr schönen neuen Radweg durch das Osbektal hinauf in den Stadtteil Mürwik - ein kurzes Stück hat allerdings eine Steigung von zehn Prozent! Am Strand von Solitüde trifft sich an heißen Tagen halb Flensburg; leider ist die Gastronomie im weißen runden Pavillon schon lange stillgelegt. Glücksburg hat viel mehr als das Schloss zu bieten, zum Beispiel einen Strand, eine neue Promenade, ein Wildschwein-Gehege und den Energie-Lehrpark Artefakt, für den man allerdings etwas Zeit einplanen sollte.

Zwischenstopp am Glücksburger Schloss. Foto: Staudt
Zwischenstopp am Glücksburger Schloss. Foto: Staudt
 
1. Tipp an der Strecke: Wasserhäuser und Denkmalpflege in Sonwik

Sonwik ist der neue Name für den früheren Marinestützpunkt Mürwik, aus dem nach Aufgabe der militärischen Nutzung ein maritimes Wohnquartier wurde. Private Investoren haben aus den alten Kasernenblocks schicke Wohnungen und großzügige Geschäftsräume gemacht. Highlight sind sicherlich die Wasserhäuser, die wie eine Perlenkette neben die früheren militärischen Brücken gesetzt wurden und seinerzeit bundesweit und auch im Ausland Beachtung fanden. Sonwik ist immer noch nicht vollendet: Ein Block wird derzeit umgebaut, ein weitere wird noch von der Bundeswehr genutzt. Es gibt hier mehrere gastronomische Betriebe.

2. Tipp: Segelboote rauf und runter

Von der Hafenspitze bis Schausende liegen in Flensburg Hunderte von Segelbooten - auch im kleinen, schnuckeligen Fischereihafen, vor den Werftkontor-Häusern, im Industriehafen, in Sonwik, in Fahrensodde, in Glücksburg-Quellental und draußen in Schausende. Vor allem Fahrensodde - noch innerhalb der Stadtgrenzen - ist einen Abstecher wert. Hier gibt es einen netten kleinen Strand, man kann die Gaststätten der beiden Segelvereine besuchen und weit hinaus auf die Ostmole gehen. Viel Betrieb ist der Marina Glücksburg und auch draußen in Schausende, wo der Hafen künstlich angelegt wurde.

3. Tipp: Die Highlights in Flensburg

Die Stadt an der Förde ist mindestens einen ganzen Besuchstag wert. Der Historische Hafen ist ein lebendiges Abbild der Seefahrt vergangener Zeiten. Zu sehen gibt es schnittige klassische Yachten, darunter einige Träume in Mahagoni. Auf dem Dampfer Alexandra kann man an Wochenenden mitfahren, auf einigen der alten Segelschiffe des Museumshafens auch. Unbedingt sehenswert sind überdies das Schifffahrtsmuseum und die Museumswerft. Nur einen Steinwurf entfernt ist die Altstadt mit ihren Gassen und ihren Hinterhöfen, von denen einige noch rauh und ruppig aussehen, andere jedoch wundervoll und einfühlsam restauriert wurden. Ein besonderer Tipp ist die Rote Straße mit ihren Altstadt-Häusern, kleinen Geschäften und Höfen.

Der Museumsberg mit seinen beiden Häusern eignet sich besonders gut für Familien: Das Naturwissenschaftliche Museum ist ein Muss für Kinder, das neu gestaltete Haupthaus bietet einen Abriss der Kulturgeschichte der Region und im Zweithaus gibt es Kunst zu bewundern. Zum Lustwandeln laden der benachbarte Christiansenpark und der Alte Friedhof ein, letzterer mit dem monumentalen Idstedt-Löwen, der erst 2011 aus seinem Kopenhagener Exil zurück nach Flensburg gebracht worden ist. Die höchsten Besucherzahlen in Flensburg verzeichnet seit Jahren das Science-Center Phänomenta mit seinen zahllosen, spannenden Mitmach- und Experimentierstationen. Vorteil am Rande: Flensburgs Wahrzeichen, das Nordertor, ist Teil der Phänomenta und beherbergt eine Ausstellung über den Luftfahrt-Pionier Hugo Eckener.

4. Tipp: Solitüde - Pause am Wasser

"Solitude", Einsamkeit, findet man hier nur an kalten Wintertagen. An schönen Sommertagen hingegen trifft sich hier halb Flensburg: Morgens kommen die Frühschwimmer, tagsüber Familien und Jugendliche, abends und nachts nimmermüde Partyfreunde. Das ist Solitüde, der Flensburger Stadtstrand (Foto) mit anliegendem hochpreisigen Wohnviertel. Oben im Wald gibt es einen beliebten Italiener und einen Minigolfplatz, unten am Strand eine Badebrücke, einen winzigen Hundestrand, flaches Wasser und einen Spielplatz. Fördeeinwärts liegt der Wassersportplatz Fahrensodde, fördeauswärts der Glücksburger Stadtteil Meierwik mit dem Alten Meierhof und seiner Cafe-Terrrasse.

5. Tipp: Glücksburg: Königliche Wiege

Das Städtchen mit Blick auf Dänemark ist einen Ausflug Wert. Mit der Halbinsel Holnis und Flensburg vor der Tür lohnt sich der Ausflug per Fahrrad aber auch mit Auto, Walking-Stöcken und Wanderschuhen. Direkt an der Flensburger Förde gelegen, bietet die 6000 Einwohner zählende Stadt mehr als Sportmöglichkeiten wie den Ostsee Man und das Fördecrossing, die Fördelandtherme und Golfplatz.

Das Wasserschloss (1582 bis 1587 erbaut) ist nicht nur Wahrzeichen und Sitz des Hauses Schleswig-Holstein. Der dänische König Christian IX machte es zu Wiege europäischer Königshäuser. Heute ist es Museum. Konzerte, Lesungen und Feste wie Hochzeiten erfüllen Säle, Kapelle mit Leben. Das Menke-Planetarium Glücksburg ist eine Einrichtung der Fachhochschule Flensburg. Im "full Dome" ist nicht nur astronomisches zu sehen, sondern auch Pink Floyd - The Wall oder Der kleine Eisbär. Artefact, das Zentrum für nachhaltige Entwicklung, präsentiert die Entwicklungen im energetischen Sektor. Tagesgäste, Seminarteilnehmer und Übernachtungsgäste sind willkommen. Waldmuseum und Rosarium bereiten den Weg in das rund 22 Quadratkilometer große Gelände mit Naturschutzflächen, Stränden und Steilufer.

 

Hinter Glücksburg folgt der schönste Abschnitt der Tour. Zunächst geht es durch leicht gewelltes Gelände, rechts und links liegen Felder und Wiesen, und irgendwann sieht man links die Förde in der Sonne blitzen - wenn sie denn scheint. Kurvig geht es auf einem alten Plattenweg bergab und bergauf, rechts liegt der Wald und immer wieder lockt das Wasser, das man spätestens hinter dem Segelhafen Schausende erreicht. Die Halbinsel Holnis ist nicht breit, und darum sind es nur wenige Fahrradminuten von der Innenförde zur Außenförde in Bockholm.

Auf der Trasse des Ostseeküsten-Radwegs kann es schon mal etwas eng und unwegsam werden. Dafür gibt es erneut tolle Eindrücke von der Außenförde. Hier radelt man ganz dicht an der Natur. Und spätestens in Bockholmwik ist man wieder an der Wasserkante: Räder ins Gras, Schuhe aus und rein ins Wasser - zumindest bis zu den Knöcheln!

Hier ist man am weitesten vom Startpunkt entfernt. Jetzt wird es ruhig und beschaulich, denn es geht durch die Angeliter Agrarlandschaft zurück nach Flensburg. Die Orte heißen hier Geil, Rüde und Ulstrup - spätestens in Wees ist man wieder im Siedlungsring rund um Flensburg. Dafür kann man im Flensburger Stadtteil Kauslund noch einmal wollige, haarige Hochlandrinder bestaunen.

6. Tipp: Holnis - die Nase ins Meer

Die zu Glücksburg gehörende Halbinsel Holnis ist einer der schönsten Flecken der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Es gibt Rundwege unterschiedlicher Längen; Ausgangspunkt für Autofahrer ist jeweils der Wendehammer. Radfahrer könnten ihr Gefährt auch am Fährhaus abstellen. Zu empfehlen ist die Tour am Strand um die Spitze herum, mit Blicken auf die dänische Küste gegenüber. Im Osten sieht man Brogerland mit der markanten Doppelspitze der Kirche. Bei einer anderen Tour nimmt man die Steilküste an der Innenförde mit. Ganz oben schaut man auf beide Seiten der Förde und zudem über das innen liegende Noor. Hier wurden schon Seeadler gesichtet. Der Nabu unterhält eine Umweltstation, die gesamte Spitze ist Naturschutzgebiet. An der Ostseite ist das Wasser sehr flach, hier können auch Kinder baden.

7. Tipp: Vom Hügel hinauf bis zu den Sternen

Mitten auf einem Hügel liegt das Menke-Planetarium Glücksburg. Bis zu 55 Besucher können dort dank einer Fulldome-Projektionsanlage Milchstraßen, Sternenhimmel  aber auch Dokumentationen und andere Filme erleben. In nur wenigen Schritten ist  die Menke-Sternwarte erreicht. Sie hat zwei  neun Meter hohe Beobachtungskuppeln. Die Fachhochschule Flensburg betreibt die Anlagen seit 1995 und übernahm sie 2000 von der Familie Menke  auch offiziell. Der Verein Sternenfreunde unterstützt die Arbeit. Programm-Tipp: Freitag, 26. April, 19.30 Uhr, Invaders of Mars. Menke-Planetarium Glücksburg, Fördestraße 37, Tel. 0461-8051273, www.planetarium-gluecksburg.de.

8. Tipp: Waldmuseum statt Naturlehrpfad

Wie hieß er doch gleich noch, der kleine Greifvogel? Die Antwort könnten Naturfreunde im Waldmuseum Glücksburg in Form präparierter Tiere finden. Der frühere Förster Dietrich Weldt und der Naturfreund Hans Ludwig Knöll richteten das Museum 2009 ein. Seitdem warten sie in den Monaten April bis Oktober (11 bis 16 Uhr und nach Absprache) nicht nur mit Präparaten und Hölzern, sondern auch mit Kunst und  Wald-Geschichten auf.  Die Beschriftungen sind auf Deutsch und Dänisch. Das Haus ist eine Art Ersatz für einen Naturlehrpfad, der wegen häufiger Schäden vor Jahren aufgelöst worden war. Waldmuseum Glücksburg, Holnisstraße 2, Tel. 04631-2973 und 409497.

9. Tipp: Altstadt-Panorama vom Wasserturm

Einen der besten Ausblicke im Flensburger Osten gibt es ab 1. Mai im Volkspark: Dann eröffnet der Wasserturm auf dem Bohlberg die Saison.  Im Bauch des trichterförmigen Turms kann man sich per Aufzug noch oben fahren lassen und ihn auf der Galerie umrunden. Der Wasserturm von 1961 ist vom Hafen über die Straße am Lautrupsbach und die Mürwiker Straße erreichbar. Er öffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr.

10. Tipp: Süßer Genuss im Marien-Café

Wer zum krönenden Abschluss der Förde-Radtour – oder auch schon kurz nach dem Start – seinen Kalorienhaushalt auffüllen möchte,  sollte nicht am Marien-Cafe am Ballastkai vorbeifahren. Das  Cafe der 1000 Kaffeekannen lockt mit einer Vielzahl selbstgebackener Obst- und Sahnetorten. Das Marien-Cafe eignet sich auch bereits zum Frühstück. Es öffnet von 8 bis 18 Uhr. www.marien-cafe-flensburg.de.

Durch den Bau der vierspurigen Flensburger Osttangente sind vor rund zehn Jahren quasi als Nebenprodukt neue Fuß- und Radwanderwege direkt am Lautrupsbach entstanden. Einen dieser Wege kann man wunderbar für die Fahrt zurück ins Tal der Flensburger Förde nutzen. Hier ist es grün und lauschig, und nach Regenfällen rauscht der Bach, dass es eine Pracht ist.

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