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Radtour am Kanal : Wo die Luxusliner zum Greifen nah sind

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Fahrradfahren am Nord-Ostsee-Kanal: Frische Luft, freie Fahrt und beste Sicht auf dicke Pötte.

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erstellt am 17.Apr.2014 | 15:30 Uhr

Rendsburg | Von Kiel nach Brunsbüttel führt der Nord-Ostsee-Kanal mit einer Länge von knapp 100 Kilometern. Dazwischen befinden sich ungezählte Sehenswürdigkeiten, Möglichkeiten für Ausflüge sowie gemütliche Restaurants, Cafés und Hotels zum Einkehren. Mit dem Fahrrad lassen sich das maritime Flair des Kanals, die landschaftliche Schönheit und die Attraktionen des Landes am besten erfahren. Auch für erfahrene Radwanderer gibt es hier immer noch etwas Neues zu entdecken.

Die Tour in Kürze

Etwa 60 Kilometer Richtung Südwesten am Kanal entlang. Die Tour beginnt in der Kreisstadt Rendsburg. Wer befürchtet, die Tour sei für ihn möglicherweise zu lang, kann hier auch ein Fahrrad mit Akku-Unterstützung mieten. Nach dem obligatorischen Besuch an Schwebefähre und Hochbrücke geht es auf dem nördlichen Plattenweg am Kanal Richtung Westen.  Schon nach wenigen    Hundert Metern  lohnt  sich ein Blick über die benachbarte Straße: Fluss und Kanal liegen hier nicht einmal einen Steinwurf von einander entfernt  – ein ganz besonderer  Anblick.

Die Fahrt geht weiter bis zu einem gewaltigen Gebäudekomplex. Die alte Lotsenstation diente früher den Kanalsteuerern als Unterkunft, inzwischen  wurden hier Wohnungen eingerichtet. Gleich hinter der Lotsenstation findet sich ein schmaler Sandweg, der zu einer idyllischen Eiderbrücke führt – der Weg ins Dorf Nübbel. Weiter geht die Fahrt am Kanal. Bis zur Breiholzer Fähre sind es nur noch wenige Kilometer. Hier empfiehlt es sich, auf die Südseite des Kanals zu wechseln und die Schönheit des flachen Landes zu genießen.  Orientierungsprobleme sollte es nicht geben – es geht immer am Kanal entlang. Und wenn einmal ein kleiner Umweg notwendig sein sollte, ist er meist ausgeschildert.

 

Die Tour beginnt in Rendsburg  und führt über rund 60 Kilometer  bis nach Brunsbüttel. Gefahren wird meist auf den so genannten Arbeitswegen  direkt  am Nord-Ostsee-Kanal. Diese Spurbahnen sind zwar offiziell Wege für Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, dürfen von Gästen aber gern genutzt werden.

1. Tipp: Seitenwechsel ausdrücklich erwünscht

Hier gibt es genügend Möglichkeiten,  sich die Sache einmal von der anderen Seite anzuschauen. Zwischen Rendsburg und Brunsbütte  sind in mehr oder minder regelmäßigen Abständen Fähren im Einsatz – immer bereit, Autos, Radfahrer und Fußgänger ans andere Ufer überzusetzen. Auf der Strecke voraus ist ein Wald zu sehen, der die Sonne verdeckt – ab auf die andere Seite.

Die kurzen Fahrten über den Kanal (und vielleicht auch gleich wieder zurück) sind schöne Gelegenheiten, einmal die Beine auszuschütteln oder mit dem Fährführer (bitte nicht Kapitän nennen) ins Gespräch zu kommen. An vielen Fähren gibt es zudem kleine Kioske, die ein erfrischendes Getränk oder einen kleinen Imbiss anbieten. Wer gut plant und seine kleine Rast auf der Südseite der Fähre Fischerhütte einlegt, darf sich sogar auf ein frisches und äußerst leckeres Fischbrötchen freuen.

2. Besuch auf einer 100 Jahre alten Fähre

Die erste Pause bietet sich schon vor Beginn der  Radtour an.  Eine Fahrt mit der historischen Schwebefähre aus dem Jahr 1913 ist ein Erlebnis, das es sonst nirgens auf der Welt gibt.  Die Fähre hängt an armdicken Stahlseilen an  einem Wagen, der an der 42 Meter hohen Eisenbahnhochbrücke befestigt ist.  In gemächlichem Tempo  geht es immer  zwischen Nordufer und Südufer hin und her – wie vor 100 Jahren.

Die Fahrt mit diesem  liebenswerten Unikum, das zum Unesco-Welterbe angemeldet wurde, ist kostenlos: Weil beim Kanalbau vorhandene Straßen durchschnitten wurden, verpflichtete sich der deutsche Kaiser, als Ersatz Fähren bereitzustellen.  So ist es bis heute geblieben.  Und erstaunlicherweise hat es bis heute noch niemand gewagt,  für  eine Fahrt über den Nord-Ostsee-Kanal Geld zu verlangen.

3. Tipp: Flugplatz Schachtholm

Erholungssuchende, die von Rendsburg Richtung Breiholz fahren, sollten die Gelegenheit nutzen, dem Flugplatz Schachtholm einen Besuch abzustatten. Unweit der Fähre auf der Südseite des Kanals befindet sich der Platz, auf dem bei gutem Wetter reger Verkehr herrscht.  Die  hereinschwebenden Maschinen erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre, die sich auf der Terrasse des Restaurants "Himmelsstürmer" besonders gut genießen lässt. Hier, zwischen Piste und Kanal, kommen Urlauber, Einheimische und Flieger bei Kaffee und Kuchen zusammen.

4. Tipp: Die Legende vom Fockbeker Aalversuper

Wer interessiert an alten Sagen und Dorflegenden ist, sollte einen kleinen Abstecher nach Fockbek machen. Die Gemeinde grenzt direkt an Rendsburg. Die Geschichte vom "Aalversuper", was übersetzt so viel wie "Aalersäufer" bedeutet, soll angeblich von den Rendsburger Nachbarn im Zuge von Streitigkeiten über Fischereirechte erfunden worden sein, um die Einfalt der Fockbeker wiederzugeben.

Sie handelt von einem Aal, der im Fockbeker See einst viele Fische gefressen haben soll und daher von den Fockbekern mit einer Strafe belegt wurde: Tod  durch Ertrinken. Heutzutage nehmen die Einwohner diese Geschichte eher humorvoll und feiern diese Legende als Aufhänger ihres jährlichen Dorffestes am Marktplatz. Hier ist auch der Aalversuper-Brunnen zu finden, einen Besuch wert ist.

5. Tipp: Torte mit Blick auf den Kanal

Leckere Kuchen und Torten sowie ein freier Blick auf den Nord-Ostsee-Kanal –  das Café "Alte Scheune" in Breiholz wird von Urlaubern, die den Kanal bereisen, gerne für eine Rast genutzt. Seit einigen Jahren befindet sich hier zudem das "Hotel Ahoi", das nicht nur mit kulinarischen Köstlichkeiten lockt, sondern auch Übernachtungsmöglichkeiten in direkter Nähe zum Kanal bietet. Das Hotel ist gerade für diejenigen gut geeignet, die ihre Fahrradtour in mehrere Abschnitte unterteilen möchten. www.ahoi-hotel.de

 

Auf dem Weg Richtung Brunsbüttel zeigt sich hier die Schönheit der Landkreise Rendsburg-Eckernförde, Steinburg und Dithmarschen mit ihren beschaulichen Dörfern, den herrschaftlichen Gutshöfen und der Natur, die einen weiten Blick ermöglicht. Besondere Erlebnisse sind Begegnungen mit den zahlreichen Fracht- und Kreuzfahrtschiffen, die den Kanal passieren. Vor allem die majestätischen Luxusliner haben viele Fans. Vielleicht gelingt es ja, einen dieser Giganten ein Stück auf dem Fahrrad zu begleiten. Überall an der Strecke werden Reisende von Infotafeln über Sehenswürdigkeiten aufgeklärt.

Die Tour sollte in zwei Tagesetappen absolviert werden. Etwa auf der Hälfte der Strecke hält die Gemeinde Hanerau-Hademarschen zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten vor.

6. Tipp: Die Kettenfähre in Fischerhütte

In Fischerhütte, kurz vor Hanerau-Hademarschen, findet sich noch eine alte Kettenfähre, die im Jahre 1990 zuletzt über den Kanal setzte und mittlerweile als  Denkmal direkt am Fähranleger zu besichtigen ist. Anders als heutige Fähren, die frei manövrierbar sind, zog sich diese Fähre mit Maschinenkraft an einer langen Kette über den Kanal. Die Fähre kann  betreten werden und bietet in ihrer erhöhten Lage einen hervorragenden Blick auf die Landschaft.

7. Tipp: Kontrastprogramm zum Rad

Der Hochseilgarten "Feinklettern" in Hanerau-Hademarschen bietet sechs spannende Parcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Herausforderungen für wahre Klettererlebnisse. Die Krönung aller Parcours ist der Wipfelpfad, auf dem man sich teilweise in 25 Metern Höhe direkt durch Baumkronen und über Plattformen bewegt. Hier oben bietet sich ein malerischer Ausblick auf die umliegende Region sowie den Nord-Ostsee-Kanal. Natürlich sind die wagemutigen Kletterer bei ihren Ausflügen in die schwindelnden Höhen jederzeit bestens gesichert. Zum  Entspannen ist ein Grillplatz mit Picknickwiese vorhanden.  www.feinklettern.de

8. Tipp: Leben wie vor 5000 Jahren

Wer wollte nicht schon einmal hautnah erfahren, wie wohl das Leben in der Steinzeit war?  Im Steinzeitpark Dithmarschen in Albersdorf wird auf einem rund 40 Hektar großen Freigelände eine urgeschichtliche Kulturlandschaft der Zeit um 3000 vor Christus rekonstruiert. In der Nähe der vielen Großsteingräber und Grabhügel um den hübschen Luftkurort Albersdorf herum entstand ein "Steinzeitdorf", in dem das damalige Leben  beim Flintschlagen, Bogenschießen oder Feuermachen nachempfunden werden kann.  www.neues.aoeza.de.

9. Tipp: Auf den Spuren von  Storm

Wer seine Tour nach Brunsbüttel in zwei Tagesreisen unterteilt, rastet am besten in Hanerau-Hademarschen. Die Gemeinde mit rund 3000 Einwohnern bietet zahlreiche preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten. Neben der schönen Naturlandschaft, die den Ort umgibt, kommen vor allem literarisch interessierte Radler auf ihre Kosten. Von 1880 bis zu seinem Tode im Jahre 1888 lebte und arbeitete hier der Schriftsteller und Dichter Theodor Storm. Im Dorfmuseum findet sich daher auch das Theodor-Storm-Zimmer mit zahlreichen Exponaten aus dieser Zeit. Seit 1993 befindet sich zudem eine Statue des berühmten Autors auf dem pittoresken Waldfriedhof.

 

 

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