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Kiel per Rad : Per Rad zu Robben und Riesenfähren

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Kiel bietet als eine der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands zahlreiche Ausflugsziele in der Innenstadt und am Wasser.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 16:12 Uhr

Kiel | Die Landeshauptstadt Kiel ist geprägt durch den Ostseefjord Kieler Förde, dessen Ende, die Hörn, tief in die Stadt hineinragt. Seit der Gründung Kiels vor fast 800 Jahren ist die Lage am Wasser, am Schnittpunkt zwischen Deutschland und Skandinavien, Dreh- und Angelpunkt aller wichtigen Entwicklungen und Ereignisse: Kanalbau, Olympische Spiele, Schiffbau, Fähr- und Kreuzfahrthafen, Zentrum der Meeresforschung. Seine einzigartige Lage und die reizvolle Umgebung machen die Landeshauptstadt zu einem idealen Revier für Radfahrer. Ausgebaute Radwege erstrecken sich entlang der Förde, durch die Stadt zieht sich ein Netz ausgeschilderter Velorouten. Die Maritime Tour führt über speziell gekennzeichnete Punkte (Informationsstellen) des „Blauen Weges“, der die schönsten und wichtigsten Plätze des maritimen Kiel markiert.

Kurz und bündig

Die Route 1 führt die Kiellinie entlang der Förde bis in die Wik. Der Nord-Ostsee–Kanal wird Richtung Holtenau per Fähre überquert. Der Rückweg führt über die Hochbrücke und den Wasserturm Ravensberg zurück ins Zentrum vorbei am Kleinen Kiel und dem Bootshafen wieder an die Förde.

Die Verlängerung erfolgt ab Holtenau/Gut Knoop (Altenholz) entlang des Nord-Ostsee-Kanals. Der Rückweg erfolgt nach Querung per Kanalfähre Landwehr Richtung Suchsdorf unter der Levensauer Hochbrücke und knüpft am Wasserturm an die Route 1 an. Die Länge beträgt rund 20 Kilometer, die Erweiterung circa 23 Kilometer.

 

Startpunkt der Maritimen Radtour ist der „Umsteiger“, eine landesweit einmalige Servicezentrale mit Radstation direkt neben dem Hauptbahnhof. Von dort aus wird der erste Haltepunkt angesteuert – die Hörn mit Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen mitten in der Stadt. Auf beiden Uferseiten befinden sich die Terminalgebäude für die Fähren nach Schweden, Norwegen oder Litauen sowie die zahlreichen Kreuzfahrer.

Teure Yachten und flinke Meeresbewohner

Entlang der Förde in nördliche Richtung bietet das Seehundbecken an der Kiellinie eine tierische Verschnaufpause für Groß und Klein. Nur wenige Hundert Meter weiter befindet sich der Sportboothafen Düsternbrook, der größte Yachthafen an der Kieler Innenförde und Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe von 1936. Etwa 200 Meter nördlich vom Seebad Düsternbrook führen Treppen zum Hirschfeldblick, der sich auf dem Gebiet der Forstbaumschule befindet. Von dem Aussichtspunkt bietet sich Besuchern eine herrliche Sicht über die Förde. Vom Hindenburgufer aus kann man das nächste Ziel der Tour schon deutlich erkennen. Die hohen Masten und der weiße Schiffsrumpf der „Gorch Fock“ verraten es: Der Zwischenstopp am Marinestützpunkt in der Wik ist nicht fern. Doch der Stadtteil hat weit mehr als Schiffe zu bieten. Die früher maritim geprägte Wik hat sich längst zu einem attraktiven Wohnquartier gewandelt, in dem auch zahlreiche Künstler und Kulturschaffende ein neues Zuhause gefunden haben. So locken Maschinenmuseum oder Atelierhaus im Anscharpark die ganze Woche über mit Ausstellungen und Aktionen für Groß und Klein.

1. Tipp: Wik/Marinequartier/Gorch Fock

Der durch die Marine geprägte Stadtteil Wik liegt im Norden der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Sowohl flächenmäßig als auch mit einer Gesamtbevölkerung von rund 18.000 Einwohnern ist die Wik der zweitgrößte Stadtteil Kiels.  Doch der Stadtteil ist im Wandel. Durch die Strukturreform der Bundeswehr werden nach mehr als 100 Jahren ehemals militärisch genutzte Flächen rund um die Nordmole in ein neues städtebauliches Konzept integriert. Der Tirpitzhafen ist nach wie vor Anlaufpunkt internationaler Marine-Einheiten. Von hier läuft auch Kiels berühmtes Segelschulschiff "Gorch Fock" regelmäßig zu Fahrten auf alle sieben Weltmeere aus.

2. Tipp: Holtenauer Hochbrücke

Wer erst einmal den Anstieg bis zum Scheitelpunkt der insgesamt 518,40 Meter langen und 42 Meter hohen Holtenauer Hochbrücke geschafft hat, der wird – bei dem richtigen Wetter – mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Von dort bietet sich einem der Blick über die Kieler Förde und die Schleusen am östlichen Ende des Nord-Ostsee-Kanals, der zu den drei größten und meistbefahrensten Kanälen der Welt gehört. In der Kanalausstellung direkt auf dem Schleusengelände wird Wissenswertes zur Kanaltechnik und zur Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals präsentiert. Die Anlage ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

3. Tipp: Wasserturm Ravensberg

Der 1896 für die Trinkwasserversorgung errichtete Wasserturm Ravensberg steht seit 1976 unter Denkmalschutz und wurde 1990 stillgelegt. Architektonisch lehnte sich der Backsteinbau bewusst an mittelalterliche Befestigungs-, Stadt- und Burgtürme an. Der 34 Meter hohe Turm befindet sich auf einer künstlichen Anhöhe und ist vollständig begehbar. Eine zum Teil als Wendeltreppe ausgeführte Treppe führt bis in die "Laterne", den Dachreiter. Seit dem Jahr 2000 ist der Wasserturm in privater Hand und wird für Veranstaltungen, Theater und Konzerte genutzt. Um die Zukunft des Turmes ist eine heiße Debatte entbrannt. Ob Theater, Hotel oder Kongresszentrum - in den vergangenen 20 Jahren wurden viele Ideen präsentiert, umgesetzt wurde keine. Zuletzt wurde vom zuständigen Ortsbeirat ein Nutzungskonzept mit Eigentumswohnungen befürwortet. Projektkosten: rund 14 Millionen Euro.

4. Tipp: Hirschfeldblick

Einen schönen Blick auf die Förde hat man vom Hirschfeldblick. Etwa 200 Meter nördlich vom Seebad Düsternbrook führen Treppen zu diesem Aussichtspunkt, dessen Name an den Kieler Gelehrten, Philosophen und Gartentheoretiker C.C.L. Hirschfeld (1742–1792) erinnert. Der Hirschfeldblick liegt an der ehemals königlich-dänischen Forstbaumschule, die ab 1788 die Waldwirtschaft fördern sollte. Seit 1900 ist die Grünanlage öffentlich zugänglich und zählt zu Kiels beliebtesten Ausflugs- und Naherholungszielen. Bis zu 200 Jahre alte Baumgestalten durchziehen die Forstbaumschule, die 1898 angelegt wurde.

5. Tipp: Leuchtturm Holtenau

Historisches Kopfsteinpflaster und nostalgisches Hafenambiente prägen das Bild am Tiessenkai. Dieser 1976 nach dem Schiffsausrüster Hermann Tiessen benannte Kai wird gern von alten Frachtseglern angelaufen, die auf Nachfrage Gruppenfahrten oder Besichtigungen anbieten. Am Ende des Tiessenkais mit Blick auf den Ausgang des Nord-Ostsee-Kanals steht der alte Holtenauer Leuchtturm von 1895. Der 20 Meter hohe runde Backsteinturm mit achteckigem Unterbau ist heute bei Brautpaaren beliebt als Trauzimmer. Die kleine Grünanlage rund um den Turm wurde auf Aushubmaterial des Nord-Ostsee-Kanals angelegt, das vor dem ursprünglichen Ufer aufgeschüttet wurde. Von hier kann man einen wunderbaren Blick auf die Schleuse, aber auch auf die Schiffe bis zum Ausgang in die Ostsee genießen.

Bei der Maritimen Radtour wird der Nord-Ostsee-Kanal auf dem Hinweg per Personenfähre überquert. Als Ausflugsziel bietet sich hier die Schleuseninsel an. In der Kanalausstellung direkt auf dem Schleusengelände wird Wissenswertes zur Kanaltechnik und zur Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals präsentiert. Die Anlage ist jedoch nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen, weshalb eine Anmeldung nicht vergessen werden sollte.  Weitere Höhepunkte im Stadtteil Holtenau sind der Tiessenkai mit seinen zahlreichen Traditionsseglern und der 20 Meter hohe Holtenauer Leuchtturm von 1895.

Gütertour auf der verlängerten Route

Wer jetzt die Tour verlängern will, kehrt nicht über die Holtenauer Hochbrücke zurück, sondern fährt weiter entlang des Nord-Ostsee-Kanals Richtung Westen zum Gut Knoop. Das  Herrenhaus wurde im 18. Jahrhundert errichtet und gehört zum gleichnamigen Altenholzer Ortsteil. Wer statt der normalen, 20 Kilometer langen Tour die um 23 Kilometer verlängerte Route abradelt, kommt am Gut Warleberg vorbei. Eine Anhöhe bietet einen schönen Rundblick auf die Kanalkurve Richtung Osten. Der Wendepunkt der verlängerten Tour ist in Landwehr, wo eine kostenlose Fähre den Nord-Ostsee-Kanal kreuzt. Auf dem südlichen Kanalufer geht es jetzt wieder ostwärts, das Ziel: Schwartenbeker Kanalweiche. Am Kanalabschnitt bei Suchsdorf westlich der Levensauer Hochbrücke können sich Schiffe begegnen oder dem Gegenverkehr ausweichen, denn hier ist der Kanal breiter ausgebaut. Heute werden die Weichensignale von der Verkehrsleitzentrale Brunsbüttel gesteuert.

Die Schleuseninsel am Nord-Ostsee-Kanal. Foto: Staudt
Die Schleuseninsel am Nord-Ostsee-Kanal. Foto: Staudt

Entlang des Olof-Palme-Damms und vorbei am Botanischen Garten und Nordfriedhof endet die verlängerte Route am Wasserturm Ravensberg, der 34 Meter hoch und begehbar ist. Letztes Ziel auf der Maritimen Tour ist der Kleine Kiel samt Bootshafen. Von dort aus führt die Route zurück zum Ausgangspunkt, dem Umsteiger am Kieler Hauptbahnhof.

6. Tipp: Seehundbecken am Geomar

Auf dem Kieler Westufer an der Kiellinie befindet sich das Seehundbecken vom IFM Geomar. Die Seehunde können 24 Stunden am Tag über und unter Wasser beobachtet werden. Schautafeln informieren über die Lebensweise der Tiere. Die Seehunde werden täglich außer freitags um 10 Uhr und 14.30 Uhr gefüttert. Interessant sind auch die an der Pier liegenden Forschungsschiffe des Instituts und das Aquarium. Lässt man den Blick über die Förde schweifen, sieht man die Kräne der HDW-Werft und die großen Schiffe der Fährlinien nach Norwegen und Schweden.

7. Tipp: Schleuseninsel

Der Nord-Ostsee-Kanal gehört zu den drei größten und meistbefahrensten Kanälen der Welt. In der Schleusenanlage wird in durchschnittlich 45 Minuten ein Höhenwasserunterschied von 20 Zentimetern ausgeglichen. In der Kanalausstellung direkt auf dem Schleusengelände wird Wissenswertes zur Kanaltechnik und zur Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals präsentiert. Die Anlage ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Termine sind vom 1. März bis 31. Oktober, jeweils täglich um 11, 13 und 15 Uhr. Treffpunkt und Eintrittskarten an der Pforte des Schleusen- Geländes. Dauer der Führung etwa 90 Minuten (Infos unter Tel. 0431 / 3603-472).

8. Tipp: Sportboothafen Düsternbrook

Der größte Yachthafen an der Kieler Innenförde und Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe von 1936 befindet sich nicht weit von der Innenstadt entfernt in der Nähe des Landeshauses. Gegenüber mündet die Schwentine in die Kieler Förde. Am Düsternbrooker Sporthafen beginnt auch die Kiellinie, die – wenn man einmal vom Rad absteigt – zum Spazierengehen, Joggen oder Inline-Skaten einlädt.

9. Tipp: Kleiner Kiel/Bootshafen

Der Kleine Kiel war ursprünglich mit der Kieler Förde verbunden. Auf dem nördlichen Teil des von Grünflächen umgebenen seichten Binnengewässers ist im Sommer ein Schwimmobjekt des Kieler Künstlers Ulrich Behl zu sehen. Ursprünglich umgab der Fördearm, von dem heute neben dem Kleinen Kiel noch der Bootshafen erhalten ist, die Kieler Altstadtinsel – sie ist auf dem Stadtplan noch deutlich zu erkennen. Der Kleine Kiel ist nach 100 Jahren städtebaulicher Eingriffe mehr und mehr von der Förde abgetrennt worden. Nach einer Neugestaltung hat sich der dreieckige Bootshafen zu einem beliebten urbanen Platz im Zentrum der Landeshauptstadt entwickelt, der zum Verweilen einlädt.

 
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