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Radtour durch Stormarn : Herrenhäuser und leckere Torten

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Stormarn verfügt über gut ausgebaute Fahrradstrecken, die zu erkunden auch untrainierten Radlern Spaß macht.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 11:58 Uhr

Bad Oldesloe | Radfahren in Stormarn, das ist schon eine angenehmes Vergnügen: Es gibt ein gut ausgebautes Streckennetz. Im Detail könnte es natürlich trotzdem immer noch an einigen Stellen besser sein. Aber daran wird gearbeitet. Ausgangspunkt unserer Tour ist der Bahnhof in der Kreisstadt. Wer mit dem Zug aus Hamburg, Lübeck oder Segeberg anreist, kann so sein Rad bequem mitbringen. Über den Bahnhofsvorplatz geht es in die Bangertstraße. Die wird grade aufwändig saniert und zu einer Fahrradstraße umgebaut - der ersten in der Stadt. Man ist ja bemüht.

Weiter geht es durch den Kurpark, ein kleines innerstädtisches Wäldchen, Überbleibsel jener Zeit, als in Oldesloe noch von einer grandiosen Zukunft als Kurort geträumt wurde. Aber irgendwie ist es beim Traum geblieben. Für einige Investoren sind die salzhaltigen Quellen sogar zum Albtraum geworden. Der Kurpark hat nicht mehr den Charme vergangener Zeiten. Im Gegenteil: Wer genau hinschaut erkennt noch Bombentrichter von der schweren Bombardierung kurz vor Kriegsende oder Splitterreste in einigen Bäumen.

 

„Grafen- und Tortentour“: 36 Kilometer in Kürze

Den Bahnhof im Rücken, über den Platz in die Bangertstraße bis zur Ampel, rüber, im Kurpark links halten. Dem Weg folgen. Eine kleine Brücke überqueren, links abbiegen. Am Rümpeler Weg links bis Rümpel. Rechts in den Lehmberg, diesem links (Brookredder) 2 Kilometer folgen. Dann rechts in die Wiesenstraße einbiegen. Man stößt nach 200 Metern auf die K88, der wir links folgen. Nach weiteren 300 Metern biegen wir rechts in den Rohlfshagener Weg und fahen durch Rohlfshagen.

Links abbiegen "In de Eck" bis zum Radwanderweg nach Trittau. Nach 3 Kilometern links in den Eicheder Weg. Wir kreuzen die K79 und fahren in den Radeländer Weg bis nach Stubben. Von der Dorfstraße in den Schmachthagener Weg abbiegen. Kurz vor Schmachthagen rechts auf L88/Dorfstraße. Rechts geht es für 1,5 Kilometer weiter, am Lindenhof links auf die L87 abbiegen. Nach einem Kilometer weiter in der Rehkoppel. Nach 2 Kilometern links in den Schäpersbarg bis an die Straße Kunstborn, rechts folgen.

Am Gasthaus Mäcki der Straße zur Düpenau folgen bis zur K67/Oldesloer Straße. In Sehmsdorf rechts in den Weg "An der Trave". Nach 300 Metern zwischen zwei Häusern runter zur weißen Brücke über die Trave. Links rum längs der Trave Richtung Bad Oldesloe. An der Unterführung Berliner Ring entweder nach oben fahren und links rum zum Bahnhof zurück oder unten bis zur nächsten kleinen Brücke und dann links den historische Stadtkern erkunden.

 

Woher Rümpel seinen Namen hat

Heute steht die Ökologie im Vordergrund. Gefällte Bäume bleiben einfach liegen, das wirkt zwar ungepflegt, bietet aber Lebensraum für zahlreiche Kleintiere. Wir folgen der Beste bis zum Rümpeler Weg auf den wir links abbiegen. Wenn man auf der Dorfstraße ist, "erfährt" man, woher Rümpel seinen Namen hat. Das Kopfsteinpflaster bringt auch des beste Fahrrad zum Klappern. Es soll ein böses Gerücht sein, dass Rümpel von Rumpeln kommt. Aber immerhin ist dem Dorf seine Kopfsteinpflasterpiste so wichtig, dass sie ins Wappen aufgenommen wurde. Weil sie für Radfahrer eher eine Qual ist, umfahren wir Rümpel in einem großen Bogen. Wer ein paar Kilometer sparen möchte, kann auch durchs Dorf radeln.

Zwischen Rümpel und Rohlfshagen liegt das Herrenhaus Rohlfshagen. Das ließ sich der erfolgreiche Dompteur Julius Seeth 1907 bauen. Das Gut an sich ist aber viele Hundert Jahre älter und hat eine kuriose Geschichte. Herzog Carl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf starb dort 1739 unter den alten Eiben. Aus seiner Ehe mit Anna Petrovna, Tochter des russischen Zaren Peter dem Großen, stammt Sohn Karl Peter Ulrich, der als Peter III. Zar von Russland die Linie Romanow-Holstein-Gottorf begründete. Bis zur Oktoberrevolution 1917 gingen daraus die Zaren hervor.

Erst die Kult-Torten kosten, dann nach Trittau

In Rohlfshagen ist eine Rast gewissermaßen Pflicht! Die Torten und das rustikale Garten Café von "Schachts Gasthof" sind legendär. Dessen Geschichte geht zurück bis 1820, das heutige Gebäude ist auch schon mehr als 100 Jahre alt. Einziger Nachteil: Es ist leider nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet.

1. Tipp: Hochherrschaftlich - aber privat

Stormarn ist reich an Herrenhäusern. Ob das "Gruselschloss" in Grabau, der Zarensitz von Rohlfshagen (Foto), Felix "Seeteufel" Graf von Luckners Familiensitz Schulenburg, Jersbek, dessen Besitzer Friedrich den Großen in jungen Jahren zum Freimaurer gemacht hat, Tremsbüttel, wo schon die Beatles und Stones residierten, Hohenholz, Blumendorf, Trenthorst, ganz zu schweigen von Ahrensburg. Viele haben eine interessante Geschichte zu erzählen. Sie befinden sich sehr häufig aber auch in Privatbesitz und das muss respektiert werden. Die Anlagen dürfen teilweise nicht so ohne weiteres Betreten werden.

2. Tipp: Vielseitiges Tourenangebot

Der Kreis Stormarn verfügt über ein gut ausgebautes Radwegenetz mit ausgeschilderten Touren. Die Kulturstiftung der Sparkasse Holstein hat 22 ausgewählte Touren  zusammengestellt. Die handliche Broschüre, mit Karten und Informationen rund um die Strecken  ist zum Preis von 5 Euro in den Filialen des Geldinstituts erhältlich. Die Touren können aber auch online nachgelesen werden: www.kreis-stormarn.de/freizeit/fahrrad

3. Tipp: Gut geführt und schön geradelt

Wer gerne Radtouren fährt, sich aber alleine nicht aufraffen kann, ist beim Oldesloer Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (adfc) bestens aufgehoben. In der Saison von April bis Mitte Oktober bietet der Verein kostenlos geführte Touren auch für Nichtmitglieder an. Start ist jeweils mittwochs um 18 Uhr am Oldesloer Bahnhof. Es wird mit 12 bis 16 Stundenkilometern gefahren, die Strecken sind auch Liegeräder und Anhänger geeignet. Die Tourenleiter Jürgen Schymik, Anja Yüksel und Peter Sommer (Foto) achten darauf, dass auch die Langsamsten nicht abgehängt werden. Weitere Infos unter: www.adfc-od.de

4. Tipp: Auf die leckere Tour

Der Kreis Stormarn hat die Radfahrer im Visier. Tourismusmanagerin Anja Schütz weiß, dass das ein schwieriges Feld ist. Gute Rahmenbedingungen bieten andere Landstriche auch, das Wetter spielt eine entscheidende Rolle, aber sie setzt auf Mehrwert - Erlebnistouren lautet der Schwerpunkt, auf den sie verstärkt für Tagestouristen setzt. Dafür kooperiert der Kreis auch in diesem Jahr wieder mit der Metropol-Region. "Im Mittelpunkt stehen Radfahrten mit kulinarischen Angeboten. Auf die leckere Tour heißt die Kampagne 2013", erklärt Anja Schütz. Es gibt aber auch zu anderen Themenkomlexen jede Menge ausgearbeitete Tourenvorschläge: Kirchen, Herrenhäuser oder Naturerlebnis seien hier nur als Beispiele genannt.

5. Tipp: Kein Rad dabei? Leih dir eins

Wer in Oldesloe zu Besuch ist, beispielsweise mit dem Wohnmobil auf einem der speziellen Stellplätze auf dem Exer, und kein Fahrrad dabei hat, muss nicht verzichten. Durch die Unterführung auf die andere Straßenseite, da liegt die Jugendherberge. Herbergsmutter Claudia Janke bietet einen Fahrradverleih. Dabei handelt es sich um eine Kooperation von Jugendherberge, Stormarner Werkstätten und dem Oldesloer Stadtmarketing. Jugendherberge Bad Oldesloe, Konrad-Adenauer-Ring 2, Telefon: 04531/5945, E-Mail: badoldesloe@jugendherberge.de.

 

Frisch gestärkt geht es weiter. Etwa drei Kilometer folgen wir dem Radweg Richtung Trittau. Nein, diese Etappe ist nicht natürlichen Ursprungs. Wir fahren auf dem ehemaligen Bahndamm der Linie Schwarzenbek - Bad Oldesloe. Sie wurde 1887 von den Preußischen Staatsbahnen aus strategischen Gründen zur Umfahrung Hamburgs gegründet. Knapp 90 Jahre später war dann aber schon wieder Schluss auf der eingleisigen Strecke - erst wurde der Personenverkehr eingestellt und kurze Zeit später auch der Gütertransport. Die Gleisanlagen wurden in der Folge komplett abgebaut. Heute freuen sich Radfahrer über den gut ausgebauten Radweg zwischen Bad Oldesloe und Trittau.

Schillernde Adels-Geschichte(n)

Über eine herrliche Obstbaum-Allee (im Herbst kann man dort Äpfel oder Birnen naschen) verlassen wir formal kurz den Kreis Stormarn. Aber Stubben ist trotzdem gefühltes Stormarn, weil sich die Bewohner dorthin orientieren. So besuchen die Kinder Kindergarten und Schule in Mollhagen, zur Kirche geht man nach Eichede. Im Ortskern liegt das in Schleswig-Holstein architektonisch einmalige "Drei-Giebel-Haus". Gebaut wurde es 1912 als Schule, vor einigen Jahren folge nach viel Streit in der Gemeinde der Umbau zum Gemeinschaftshaus. Unter den alten Bäumen am Dorfplatz lässt sich eine schattige Rast einlegen.

Weiter geht es in Richtung Schmachthagen und Treuholz. Der Weg führt an weiteren Herrenhäusern vorbei. Ein Gummifabrikant aus St. Petersburg ließ das Herrenhaus Hohenholz im gründerzeitlichen Stil errichten. Ein Stück weiter folgt Gut Schulenburg, das heute als Pflegeheim genutzt wird. So schillernde Adelsfamilien wie von Ahlefeldt oder von Luckner, zu denen auch der legendäre "Seeteufel" gehört, der angeblich Telefonbücher zerreißen konnte, zählten zu den Vorbesitzern.

Durch Sehmsdorf nähern wir uns langsam wieder dem Ausgangspunkt. Über den historischen Treidelpfad längs der Trave, die zur Hansezeit eine wichtige Handelsroute von und nach Lübeck war, geht es zurück nach Bad Oldesloe. Wer mag, macht noch einen Abstecher in Innenstadt, wo es mit dem Heiliggeist-Viertel eine romantische Fachwerkhausquartier zu besichtigen gibt.

6. Tipp: International genießen

Wer am Zielort nicht direkt zum Bahnhof zurückkehrt, sondern noch einen Abstecher in die Innenstadt wagt, findet dort auch allerhand gastronomische Angebote. Vom Heiliggeist-Viertel führt am Zusammenfluss von Beste und Trave eine kleine Brücke auf die Hude. Bei schönem Wetter kann man gemütlich auf dem Platz sitzen und eine Kaffee-Spezialität aus dem "Mocca" genießen. Gradeaus weiter, den Kirchberg hoch liegt das "Provence" (Foto), ein kleines, liebevoll eingerichtetes Bistro mit Crêpes, Tartes sowie würzigen Angeboten. Wer möchte, kann seine Radtour dort auch nach einem ausgiebigem Frühstück starten. Neben den Provence geht es die Treppe zum Mühlenplatz hinab. Wer der Trave wenige Meter folgt, läuft genau auf das Eiscafé "San Remo" zu. Bei schönem Wetter kann man dort draußen auf der Travebrücke mit Blick aufs Mühlenwehr sitzen. Die Fußgängerzone bietet darüber hinaus für jeden Geschmack etwas: Döner, Hausmannskost, Pizza, Steaks, asiatisch ...

7. Tipp: Keiner muss hungern

Wer sich ordentlich abstrampelt, hat es auch verdient, den Kalorienhaushalt im Körper wieder auszugleichen. Dazu bietet die hier vorgestellte Tour gleich mehrere Möglichkeiten. Schachts Gasthof in Rohlfshagen ist eine Institution, die hausgemachten Torten von Veronika Hasselmann (Foto) sind legendär.

 Ebenfalls in Rohlfshagen, allerdings etwas abseits dieser Tour, liegt die traditionsreiche "Kupfermühle". Die Ahnenreihe von Besitzerfamilie Franck lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein fahrradfahrerfreundliches Haus in dem ländliche und regionale Köstlichkeiten aufgetischt werden.

Vermutlich ist die Kupfermühle das einzige Gasthaus mit eigenem Bahnhof. Unter: www.kreis-stormarn.de/freizeit/fahrrad/tour13.html findet sich eine Radtour, in die die "Kupfermühle" eingebunden ist. Direkt an der Strecke, im Oldesloer Stadtteil Rethwischfeld liegt "Mäcki": Rustikales Ambiente, saisonale Angebote und ansonsten eine gute Küche. Im Sommer wird der Biergarten geöffnet.

 
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