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Herzogtum Lauenburg : Die Elbe immer fest im Blick

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Der Elberadweg ist Deutschlands beliebteste Radlerroute. Startpunkt unserer Tour ist eine der ältesten Kammerschleusen Europas.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 11:48 Uhr

Geesthacht | 840 Kilometer weit immer an der Elbe entlang. Das ist Deutschlands beliebtester Radweg. Der Elberadweg. In Schleswig-Holstein führt er von Lauenburg über Glüsing, Schnakenbek, Tesperhude, Krümmel und Geesthacht bis zur Landesgrenze nach Hamburg-Altengamme. „Auf dem Elberadweg und entlang einiger Routen, die ins Hinterland abzweigen, gibt es jede Menge zu entdecken“, sagt Lena Ebbert, Tourismusmanagerin der Herzogtum Lauenburg Marketing- und Service-Gesellschaft (HLMS) in Geesthacht.

 
Die 18 Kilometer in Kürze

Los geht es an der Palmschleuse in Lauenburg. Mit Blick auf die Schleuse startet die Tour vom Parkplatz aus nach rechts, dann wird gleich der Elbe-Lübeck-Kanal gequert. Dahinter scharf links, die Hafenstraße runter, die nach 2,5 Kilometern rechts in die Bahnhofstraße mündet. Weiter über Elbstraße, nach 800 Metern in den Uferweg (geradeaus) und dann in den Kuhgrund (rechts den Berg rauf) fahren. Wer dem Weg direkt am Ufer entlang folgt, sollte sportliche Touren gewohnt sein. Der Weg mündet in Tesperhude an der Stelle, die man auch in bequemerer Fahrt erreicht, wenn man vom Kuhgrund links in den Glüsinger Weg (B5) oder auf den parallel verlaufenden Elbkamp wechselt. Der Weg führt in das Naturschutzgebiet „Hohes Elbufer“ und verläuft auf dem Geesthang durch waldreiches Gebiet mit gut ausgebauten Wegen. In Schnakenbek wird die Alte Salzstraße (Richtung Sandkrug) gequert und nach der Fahrt durch den Wald und weiter über den Ringweg geht es wieder direkt ans Elbufer am Strandweg in Tesperhude. Von hier aus ist die Elbe auf der weiteren Strecke stets im Blick. 6,4 Kilometer sind es vom Strandweg bis zur Wärderstraße, hier muss links in Richtung Schleusenkanal abgebogen werden.

Ein idealer Ausgangspunkt für die Radtour entlang des Elbufers ist die Palmschleuse in Lauenburg. Autofahrer können hier gut parken und dann starten. Schon der Startpunkt hat es in sich: Die Palmschleuse gilt als eine der ältesten Kammerschleusen Europas. 1398 wurde sie am Stecknitzkanal errichtet. Gleich nebenan wird gerade ein Motorenmuseum in einem historischen Elektrizitätswerk gebaut. Manchmal hat man Glück und kann den Enthusiasten, die hier werkeln, über die Schulter schauen. Vorbei an der modernen Schleuse, die an der Hafenstraße für den Schiffsverkehr die Einfahrt in den Elbe-Lübeck-Kanal bildet, geht es in die Altstadt von Lauenburg. Beidseits der Elbstraße reihen sich hier bis zu 400 Jahre alte schmucke Fachwerkhäuser aneinander, es gibt ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot. Durch kleine Gassen fällt der Blick aus der malerischen Elbstraße ab und zu auf die Elbe. Wer Glück hat, kann sogar auf der Hitzler-Werft zusehen, wie ein neuer Eisbrecher oder ein moderner Doppelhüllentanker vom Stapel läuft.

Wer die Stadt am anderen Ende weiter elbabwärts verlässt, scheint in eine Urwaldlandschaft einzutauchen. Sandige Hänge, mächtige Baumwurzeln und sprudelnde Quellen gibt es hier zu sehen. Aber aufgepasst: Dieses Stück des Weges unterhalb des Lauenburger Sportplatzes ist schwer zu befahren. Alternativ geht es von der Elbstraße die Neustadt rauf in die Grünstraße, weiter entlang an der Bundesstraße 5 bis zum Elbkamp und dort in den Wald. Als alternative Strecke kann man auch den „Kuhgrund“ erklimmen und dort am Sportplatz vorbei in den Elbkamp fahren. Wer noch ein Stück weiter an der B5 fährt, kommt zum „Forsthaus Glüsing“, kann hier Rast einlegen und dann dahinter ins Tal direkt zur Elbe runter radeln.

1. Tipp: Elf spezielle Themen-Touren

Im Kreis Herzogtum Lauenburg ergänzen elf spezielle Themen-Touren das Radwegenetz entlang der Elbe. Das Angebot reicht von einer Mittelaltertour, die entlang von Ringwällen, Turmhügeln und Hünengräbern führt, über eine Tour unter dem Motto "Alleen & Herrenhäuser" bis hin zu Techniktouren (am Pumpspeicherwerk entlang) mit Start in Lauenburg oder Geesthacht. Die Touren sind entlang der Strecke mit markanten Symbolen ausgeschildert und stehen auch als GPS-gestützter Routenverlauf zur Verfügung. www.hlms.de

2. Tipp: Vom Rad auf's Schiff

In Geesthacht und Lauenburg legen verschiedene Ausflugsschiffe ab. Besonders entspannt geht es an Bord des 114 Jahre alten Raddampfers "Kaiser Wilhelm" (www.elbschiffahrtsmuseum.de) zu. Der Dampfer wird noch mit Kohle betrieben und ist in den Sommermonaten oft am Wochenende auf der Elbe von Lauenburg aus unterwegs.

Mindestens genauso schön ist eine Ausfahrt mit dem von der Dampflok "Karoline" gezogenen Museumszug der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn (www.eisenbahn.geesthacht.de), der von Ostern bis Weihnachten mehrfach im Jahr an den Wochenenden nach Hamburg-Bergedorf fährt. Sowohl an Bord des Kaisers wie auch im Museumszug können Fahrräder mitgenommen werden.

3. Tipp: Von wegen finsteres Mittelalter

Das Leben im mittelalterlichen Lauenburg war prall und bunt. Eine Stadtführerin im historischen Gewand führt Besucher zu den schönsten spätmittelalterlichen Gebäuden der historischen Altstadt und erzählt heitere und spannende Episoden aus der Perspektive des 18. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des herrschaftlichen und bürgerlichen Lebens der mehr als 800 Jahre alten Stadt. Zwischen eineinhalb (nur Unterstadt) und Stunden (mit dem Schlossareal) dauern die Touren.  www.lauenburg.de

4. Tipp: Entlang des Elbe-Lübeck-Kanals

Die 100 Kilometer lange Alte Salzstraße verbindet die alten Hansestädte Lüneburg und Lübeck. Wo im Mittelalter auf sandigen Pfaden wertvolles Salz nach Lübeck transportiert wurde, entdecken heute Radfahrer auf dem historischen Handelsweg die Schönheiten des Herzogtums Lauenburg in seiner ganzen Vielfalt. Auf der Spur des weißen Goldes erkunden Radler die Strecke am Elbe-Lübeck-Kanal (Foto) oder Richtung Lüneburg in verschiedenen Etappen. Die Radreise führt entweder zum Schiffshebewerk nach Scharnebeck oder zu historischen Schleusen, Feldsteinkirchen und Klöstern sowie mittelalterlichen Städtchen. Drei Sterne hat der ADFC für die "Alte Salzstraße" vergeben, es ist damit der erste zertifizierte Radfernweg in Schleswig-Holstein.

5. Tipp: Audio-Guide

Um die Besonderheiten der Region noch besser erfahren zu können, wurde ein Handy-Audio-Guide entwickelt. Per Mobiltelefon können Rufnummern angewählt werden, die vor Ort an den Hinweistafeln auf besondere Objekte zu finden sind. Witzige Details, Sagen und Anekdoten können dann direkt abgehört werden. Unter www.hlms.de kann die Tour von zuhause aus im Internet geplant und ausgedruckt werden. Die Hörbeiträge können auf’s Handy oder einen MP3-Player geladen werden.

 
Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ ist 114 Jahre alt.
Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ ist 114 Jahre alt.
 

Als nächste Station wird die alte Querungsstelle der Elbe erreicht, der so genannte Sandkrug in Schnakenbek. Hier verlief früher einer der wichtigsten Handelswege, die Alte Salzstraße. Salz, das aus Lüneburg nach Lübeck transportiert wurde, musste hier über den etwa 300 Meter breiten Fluss gebracht werden. „Heute hat der Biber die Umgebung für sich entdeckt, überall kann man hier seine Spuren sehen“, weiß Lena Ebbert. Entlang des ausgeschilderten Biberpfads kann man die Fährte des Nagers aus nächster Nähe entdecken. Die typischen Fraßspuren an den Bäumen zeugen von seinen Aktivitäten. Übrigens: Der Biber fällt die Bäume, um an frische Triebe und Blätter zu gelangen. Direkt unten am Elbufer ist der Weg unbefestigt und eher für sportlich ambitionierte Radfahrer geeignet. Wer aber vom Sandkrug die Alte Salzstraße hinauf fährt, kann oben an der Sandkrughof-Akademie nach Westen abbiegen und einen der vielen gut ausgebauten Waldwege nutzen.

Das Naturschutzgebiet „Hohes Elbufer“ ist hier Programm, der Blick reicht vom Geesthang bis weit über die Elbe nach Niedersachsen. Endpunkt des Waldweges und des unbefestigten Uferweges ist Tesperhude. Wer mag, kann hier rustikal auf dem Campingplatz zelten oder in einem der Hotels mit Elbblick übernachten. Im „Elbkantinchen“ am Strandweg gibt es kleine Mahlzeiten für die ganze Familie und im „Café Koch“ an der Tesperhuder Straße leckere Torten.

6. Tipp: Elektro-Antrieb

Wer es ganz bequem angehen will, der kann in den Touristen-Informationen in Geesthacht im Krügerschen Haus, Bergedorfer Straße 28,  und Lauenburg, Elbstraße 59, Pedelecs mieten.  Die im Kreis Herzogtum Lauenburg produzierten Fahrräder verfügen über Elektroantriebe, die vor allem an den Steigungen gute Dienste leisten. Bei Pannen am Fahrrad ist man bei "2Rad-Technik" von Piet Pellerito (Tel.: 04152/90797555) an der Geesthachter Straße 142 an der richtigen Adresse. Er hilft kompetent und schnell weiter.

7. Tipp: Klettern statt strampeln

Direkt am Elbe-Radweg befindet sich an der Elbuferstraße der Hochseilgarten Geesthacht (ww.hoga-hochseilgarten.de) am Feldherrnhügel. Ein idealer Platz, um eine Rast einzulegen und sich gesichert durch einen Klettergurt über Drahtseile, Seilbahnen und Plattformen in die Wipfel alter Bäume zu wagen.

8. Tipp: Sightseeing im Lauenburgischen

Lauenburg bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten. Den Schlossturm, den historischen Raddampfer "Kaiser Wilhelm" (Baujahr 1900), die Palmschleuse, die Elbuferpromenade mit dem Aussichtsplatz am "Rufer", das frisch sanierte Elbschifffahrtsmuseum, den Fürstengarten, die 1227 errichtete Maria-Magdalenen-Kirche und vieles mehr.

Abenteuer Hochseilgarten. Foto: Jann
Abenteuer Hochseilgarten. Foto: Jann

Direkt an der Elbe verläuft der gut ausgebaute Radweg dann von Tesperhude weiter gen Westen und macht seinem Namen Elberadweg alle Ehre. Der Ort Krümmel wird passiert, das abgeschaltete Kernkraftwerk Krümmel und Norddeutschlands einziges Pumpspeicherwerk befinden sich hier. Durch die drei dicken grünen Rohre, die die Elbe mit einem künstlich angelegten Speichersee auf dem 96 Meter höheren Geesthang verbinden, könnten theoretisch Autos fahren, so groß sind sie. Der Speichersee lohnt allemal als Ausflugsziel. Über eine steile Treppe und einen Waldweg ist er per Fußmarsch zu erreichen. Ein Aussichtsturm auf dem Deich des 1958 angelegten Sees verspricht einen grandiosen Weitblick und entlohnt für den mühsamen Aufstieg.

Weiter elbabwärts wird dann bald die Stadt Geesthacht erreicht. Unter dem Motto „Geesthacht an die Elbe“ wurde hier in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, um die besondere Lage am Fluss erlebbarer zu gestalten und Teile des alten Stadtkerns zu sanieren. Die Schleuse, die Elbbrücke rüber nach Niedersachsen mit dem Stauwehr und Europas größte Fischtreppe unterhalb der Elbbrücke (Bundesstraße 404) sind auf jeden Fall einen Zwischenstopp wert. Das gilt auch für das Freizeitbad an der Elbuferstraße. Besonders lässig ist es, im Beachclub an der Werftstraße eine Pause bei einem kühlen Bier oder einem erfrischenden Eis einzulegen. Vom Elbe-Radweg sind es auch nur wenige Minuten mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Die 1685 erbaute St.-Salvatoris-Kirche, der große Spielplatz im Hachede-Park an der Bergedorfer Straße, das Heimatmuseum im Krügerschen Haus mit interessanten Sonderausstellungen (Bergedorfer Straße 28) und die Einkaufsstraße mit Geschäften und Cafés sind Ziele.

„Um zum geparkten Auto nach Lauenburg zurück zu kehren, gibt es verschiedene Wege“, sagt Lena Ebbert. Am niedersächsischen Elbdeich entlang kann man den Blick auf den südlichsten Teil des Landes Schleswig-Holstein noch einmal in voller Pracht genießen, man kann eines der Ausflugsschiffe oder einen Bus nutzen – oder die Fahrt per Rad noch einfach weiter elbabwärts fortsetzen. Denn vor den Toren Geesthachts beginnt schon das Hamburger Stadtgebiet mit uneingeschränkten weiteren Möglichkeiten. Und wer noch Lust auf etwas Strandatmosphäre hat, dem sei der feine Sandstrand unterhalb der Geesthachter Elbbrücke empfohlen. Timo Jann

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