Serie Ausflüge im Norden : Mit Wattführerin Anke Dethlefsen unterwegs: „Alle nehmen was mit“

Aushub auf dem Ausflug: Wattführerin Anke Dethlefsen zeigt ihren Gästen die Besonderheiten des Watts.  Fotos: Marcus Dewanger
Aushub auf dem Ausflug: Wattführerin Anke Dethlefsen zeigt ihren Gästen die Besonderheiten des Watts.

Wattwanderungen sind seit Montag wieder erlaubt. Und selbst auf einer kurzen Tour können Einheimische und Touristen ganz besondere Dinge entdecken.

Kay Müller von
25. Mai 2020, 20:13 Uhr

Dagebüll | Wenn Anke Dethlefsen über den Deich von Dagebüll (Kreis Nordfriesland) geht, dann lässt sie als erstes den Blick schweifen. „Das mag ich so am Watt“, sagt die 53-Jährige. „Diese Weite – das gibt es nirgendwo sonst.“

Die Wattführerin, die seit acht Jahren Touren in das Weltnaturerbe anbietet, kann ihre Gäste schon nach wenigen Schritten auf dem schlickigen Boden mit ihrer Faszination für diesen Naturraum anstecken – selbst an stürmischen und kalten Tagen wie diesem. „Ich gehe am liebsten barfuß ins Watt, da spürt man die Natur noch unmittelbarer.“ Deswegen führt sie Besuchergruppen meist zwischen Pfingsten und den Herbstferien ins Watt.

Viele Muscheln...
Marcus Dewanger
Viele Muscheln im Watt.

„Aber immer mehr Leute finden auch im Winter Gefallen am Watt“, sagt Dethlefsen, die heute die Gummistiefel angezogen hat.

Das hat auch was, bei Wind und Wetter sechs Kilometer von Dagebüll zur Hallig Oland zu laufen, sich da beim Grünkohl aufzuwärmen und mit dem Schiff zurückzufahren. Anke Dethlefsen

Anfängern empfiehlt Dethlefsen allerdings Watterkundungen, bei denen man nur rund eine Stunde geht. Profis dürfen hingegen mit auf die „schwarze Strecke“, wie sie in Anlehnung an die Begriffe der Skifahrer die Tour nach Nordstrandischmoor nennt. „Da ist es zum Teil sehr schlickig und die Strecke ist sehr anspruchsvoll.“ Nie sollte man ohne Führer ins Watt – zu gefährlich sind die Gezeiten. Und nach den Corona-Lockerungen sind Wattführungen auch unter Auflagen wieder möglich.

...Seepocken und...
Marcus Dewanger
Seepocken.

Auf der Suche nach den „small five“

Dethlefsen ist eine der vielen vom Nationalpark zertifizierten Wattführerinnen, die an der Küste verschiedene Touren für jede Altersklasse anbieten. Rund 30 Touren schafft sie pro Saison – wenn es die Büroarbeit in der Tischlerei zulässt, die sie mit ihrem Mann betreibt. Schon lange ist Anke Dethlefsen fasziniert vom Watt, dabei stammt sie von der Ostseeküste, wuchs in der Nähe von Kiel auf. Erst die Liebe trieb sie an die Westküste, wo sie von einheimischen Wattführern lernte, wie man Touristen sicher durchs Watt bringt.

Wattwanderungen sind unter einigen Corona-Auflagen wie Abstands- und Hygieneregeln wieder erlaubt. Das gab am Montag die Nationalparkverwaltung in Tönning bekannt. Dazu passt der erste Teil unserer Serie über Ausflugstipps in Schleswig-Holstein.

Die Nachfrage ist ungebrochen stark: 2019 nahmen rund 151.000 Menschen an den zahlreichen Veranstaltungen im Watt statt. „Das Wattenmeer ist zu einer Marke geworden. Deswegen kommen die Leute zu uns“, sagt Anke Dethlefsen als sie an einem kleinen Sandhaufen stehen bleibt. „Mal sehen, ob wir einen finden“, sagt sie und rammt ihre Forke in den schlickigen Boden.

...Wattwürmer gibt es zu sehen.
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Wattwürmer gibt es zu sehen.

Im Schlick ist ein Gang zu sehen und ein bisschen tiefer wird die Wattführerin schließlich fündig. „Ein schöner Wattwurm.“ Der gehört mit Herzmuschel, Strandkrabbe, Wattschnecke und Nordseegarnele zu den so genannten „small five“ – den besonderen Lebewesen, die das Watt auszeichnen. „Und die wollen wir möglichst allen Besuchern zeigen“, sagt Dethlefsen.

Kinder lieben den Schlick

Die meisten Gäste wüssten schon etwas übers Watt, aber: „Vielen muss man immer noch sagen, dass sie sich richtig anziehen sollen“, sagt die Wattführerin. Und der Schlick sei auch nicht Jedermanns Sache. „Die Kinder lieben ihn“, sagt Dethlefsen. „Nur wenn sie bei Oma und Opa an der Hand sind, wirkt das wie eine Bremse.“ Dabei berge gerade dieses Watt viele Schätze: „Je schlickiger es ist, desto schwerer ist es zu laufen. Aber desto mehr kann man auch finden.“

Dethlefesen ist an diesem windigen Tag fast fertig mit ihrer Tour durchs Watt. In einigen hundert Metern Entfernung kommt gerade eine Fähre von Föhr angefahren. „Das begeistert viele Gäste – dass sie auf Land gehen und gleich dahinter ein Schiff fährt.“ Und das Watt biete immer etwas anderes, weil es sich immer verändert. Und von der Faszination des Zusammenspiels der Elemente, von den Farben, dem Wind und den Wellen ließen sich viele Touristen und auch Einheimische begeistern.

Die Führerin ermuntert die Gäste, die Erinnerung daran wachzuhalten. „Alle nehmen was mit.“ Bei viele sind es Muscheln, bei anderen wie Anke Dethlefsen reicht auch nach vielen Jahren der Blick auf das einzigartige Watt.

Kay Müller ist Redakteur unserer Zeitung. Als weitere Touren empfiehlt er die 14 Kilometer lange Wanderung von Nordstrand zur Hallig Südfall, die literarische Entdeckungstour ins Watt vor Friedrichskoog und eine FamilienWattwanderung in St. Peter-Ording. Der nächste Ausflugstipp erscheint am 28. Mai: das Pilgern.

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