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Verkehrsabhängige Regelungen : SH prüft mehr Überholverbote für Lastwagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landespolitik und Verkehrsexperten wollen die Freiheit für Lastwagen einschränken - aber kein generelles Überholverbot.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 12:46 Uhr

Kiel | Mit seiner Forderung nach einem durchgängigen Überholverbot für Lkw auf der A7 nördlich des Bordesholmer Dreiecks stößt der SSW zwar auf Ablehnung. Dennoch könnte seine Initiative dazu im Landtag Folgen haben: Eine vom Parlament veranlasste Experten-Anhörung offenbart eine breite Unterstützung für elektronische Verkehrsleitsysteme, die an zweispurigen Autobahnen auf Leuchttafeln zumindest zeitlich und örtlich begrenzte Überholverbote für Lastwagen anordnen.

ADAC-Landesvorsitzender Gerhard Hillebrand sieht darin „eine Möglichkeit, den Verkehrsfluss dauerhaft zu verbessern“. Grundsätzlich befürwortet der Automobilclub daher „eine sinnvolle Anordnung streckenbezogener Lkw-Überholverbote, wo erforderlich auch über längere Strecken“. Sie sollten im Idealfall verkehrsabhängig erlassen und daher über „Wechselverkehrszeichen“ angezeigt werden. Der ADAC verweist auf Beispiele aus Nordrhein-Westfalen.

„Eine Einrichtung derartiger Systeme an den zweispurigen Autobahnabschnitten würden wir begrüßen“, äußert die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht, Elisabeth Pier. Unter anderem bringt sie dafür in den Sommermonaten von 6 bis 20 Uhr die A7 zwischen Bordesholmer Dreieck und Büdelsdorf und den Bereich rund um Flensburg ins Gespräch. „Der Verkehr für Berufspendler dürfte dann wesentlich flüssiger ablaufen“, meint Pier. Zudem könnten die elektronischen Tafeln am Straßenrand bei Bedarf auch Tempolimits oder Warnhinweise anzeigen.

Selbst der Unternehmensverband Logistik (UVL) will sich den Rufen nicht verschließen: Mit Blick auf die Verkehrssicherheit „unterstützt der UVL in begründeten Ausnahmefällen strecken- und/oder zeitabhängige Lkw-Überholverbote“, gibt UVL-Geschäftsführer Thomas Rackow bei der Anhörung zu Protokoll. Kontraproduktiv sei dagegen ein generelles Verbot auch in verkehrsschwachen Zeiten. Das führe dazu, dass das langsamste Fahrzeug das Tempo der rechten Fahrspur bestimme und Pkw zu frühzeitigem Linksfahren veranlasse. „In der Folge fällt die Geschwindigkeit auf der linken Spur stark ab, und es bilden sich am Ende, bedingt durch die jeweils langsamsten Fahrzeuge, lange Kolonnen auf beiden Fahrspuren mit durchgängigen Staus“, warnt Rackow.

Auch politisch zeichnet sich eine Mehrheit für stellenweise, zeitlich begrenzte Lkw-Überholverbote per Elektro-Anzeige auf zweispurigen Autobahnen ab. Genau mit diesem Inhalt hat die SPD einen Änderungsantrag zur einstigen SSW-Initiative eingebracht. Und das Regierungslager zeigt sich aufgeschlossen: „Gar nicht schlecht, darüber kann man reden“, sagt CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp über den SPD-Antrag. Sein FDP-Kollege Christopher Vogt zeigt sich „auf jeden Fall offen für flexible Lösungen, die den Verkehrsfluss auf der A7 in besonders kritischen Zeiten verbessern können“. Grünen-Verkehrspolitiker Andreas Tietze findet eine „elektronische Verkehrsbeeinflussung hilfreich“. Der Bund hat die Anordnung von Lkw-Überholverboten durch die Länder unlängst erleichtert. Voraussetzung ist, dass häufige Überholvorgänge von Lkw bei hohem Verkehrsaufkommen den Verkehrsfluss stark stören.
 

Stop-Signal für den Lkw-Verkehr - ein Kommentar von Jürgen Muhl

Auf der A7 wird es von Tag zu Tag gefährlicher. Autofahren entwickelt sich zur Glückssache. Wer im dichten Verkehr in den Baustellenbereichen schadlos bleiben will, braucht Beistand von oben. Häufig sind es nur Zentimeter, die zwischen Unfall oder Weiterfahrt den Ausschlag geben. Die A7 zwischen Hamburg und dem Rendsburger Kreuz mag derzeit der unsicherste Straßenabschnitt im deutschen Verkehrswegenetz sein. Mit einer geradezu permanent hohen Unfallgefahr. Weil es in den Baustellen zu eng ist, weil ein Großteil der Lkw-Fahrer trotzdem aufs Gaspedal drückt und das gegenseitige Überholen der Brummis zu lebensgefährlichen Situationen führt. Weil der  Lkw-Anteil  offenbar täglich zunimmt. Hinzu kommen  zu schnell fahrende Pkw, insbesondere von Autofahrern aus skandinavischen Ländern,  die teilweise deutsche Verkehrsregeln im Grundsatz ignorieren. Belegt wird all dies durch eine besorgniserregende Zahl von Unfällen mit Schwerverletzten und auch  Toten  in den letzten Monaten. Längst hätte die Politik eingreifen müssen. Unter anderem mit Stop-Signalen wie ein grundsätzliches Überholverbot für den Lastwagenverkehr  auf diesen Abschnitten. Am besten von Hamburg bis Flensburg.

Neue Tempo-30-Zonen werden im Stundentakt bürokratisch umgesetzt, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Kreis- oder Landstraßen per Wimpernschlag angewiesen. Quasi über Nacht stehen die Verkehrsschilder. Möglichst mit der Gleichschaltung eines Blitzgerätes, versteckt im Gras nebenan. Diese Geldmaschine funktioniert auf Knopfdruck. Was ja auch einfacher ist als im Autobahntrubel

Lkw-Sünder zu überführen. Ein grundsätzliches Überholverbot für Lkw zwischen Hamburg und Rendsburg ist erforderlich und das bitte möglichst sofort. Nicht nur „in kritischen Zeiten“, wie der FDP-Landespolitiker Christopher Vogt empfiehlt. Kritische Zeiten haben wir derzeit an jedem Tag. Von morgens bis abends und in der Nacht.  Die Politik sollte handeln. Sofort.

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