Konkurrenz für Stegner : Serpil Midyatli will SPD-Landeschefin in SH werden

Serpil Midyatli möchte den Reformprozess in der Nord-SPD vorantreiben.

Serpil Midyatli möchte den Reformprozess in der Nord-SPD vorantreiben.

Bei der Wahl zum neuen SPD-Landeschef in Schleswig-Holstein könnte es auf eine Kampfkandidatur hinauslaufen.

shz.de von
25. August 2018, 16:00 Uhr

Neumünster | An der Spitze der Nord-SPD könnte es Ende März einen Wechsel geben. Dann wollen die Sozialdemokraten ihren Vorstand neu wählen. Die stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion, Serpil Midyatli, kündigte nun als erste ihre Kandidatur für den Landesvorsitz an. Das habe sie am Samstag bei einer Sitzung des Landesparteirats in Neumünster getan, sagte Midyatli. „Ich habe auch schon einige Unterstützungsangebote bekommen.“ Es habe bei der Sitzung auch Applaus gegeben.

Der amtierende Parteichef und SPD-Bundesvize Ralf Stegner hat sich dagegen noch nicht geäußert, ob er auf dem Landesparteitag noch einmal kandidiert. „Ich habe heute vor dem Parteirat selbst gesagt, dass ich mit baldigen Ankündigungen von guten und auch jüngeren Kandidaturen für die verschiedenen Positionen im Landesvorstand rechne“, sagte Stegner. Weitere Personalvorschläge würden sicher folgen.

Kommt es Ende März zu einer Kampfkandidatur? Stegner führt die Nord-SPD seit elf Jahren. Er hat bislang nur angekündigt, sich im Herbst zu seiner politischen Zukunft im Landesverband zu äußern. Der 58-Jährige war zuletzt abermals in die Kritik geraten, weil die SPD bei der Kommunalwahl im Frühjahr bereits die dritte Niederlage nach der Landtagswahl im Mai 2017 und der Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres in Folge einstecken musste. Die Sozialdemokraten rutschten im Mai landesweit um 6,5 Punkte auf 23,3 Prozent ab und landeten damit weit hinter der CDU (35,1).

Mit Midyatli hat nun die erste Sozialdemokratin offiziell Ansprüche auf die Nachfolge Stegners als Landeschef angemeldet. Die 43-Jährige ist in der Partei beliebt. Sie gehört seit 2009 dem Landtag an, dem Landesvorstand bereits seit zehn Jahren. Seit Dezember 2017 ist sie außerdem Beisitzerin im Bundesvorstand der SPD.

 

Midyatli: SPD ist in der Rolle der Opposition angekommen

Midyatli begründet ihre Kandidatur mit einer neuen Dynamik in der Partei. „Aktuell läuft ein äußert erfolgreicher Reformprozess, den wir im letzten November begonnen haben“, sagte sie. Es sei eine spannende Zeit in der Nord-SPD. „Diesen Prozess möchte ich als SPD-Landesvorsitzende weiter vorantreiben.“ Die notwendigen Veränderungen würden aber nur als glaubwürdig wahrgenommen werden, wenn sich die Partei auch personell neu aufstelle, sagte die Mutter von zwei Kindern. „Für mich ist die wichtigste Aufgabe der Sozialdemokratie, gesellschaftliche Solidarität zu organisieren.“ Die SPD sei in der Rolle der Opposition angekommen.

Als weitere Kandidatin für eine Kandidatur um den Parteivorsitz gilt Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange. Sie hatte mit ihrer Kandidatur um den SPD-Bundesvorsitz bundesweite Bekanntheit erlangt.

Im April war sie dabei der neuen SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles zwar unterlegen, hatte mit 27,6 Prozent der Stimmen aber einen überraschenden Achtungserfolg erzielt.

Stegner sagte, „eine starke und lebendige Partei lebt davon, dass es bei Wahlen mehrere fähige Kandidatinnen und Kandidaten gibt“. Es bleibe bei der Vereinbarung der Führungsgremien der Nord SPD, „dass alle amtierenden Vorstandsmitglieder – auch ich selbst – spätestens im Oktober erklären werden, ob sie beim Landesparteitag am 30./31. März in Norderstedt wieder kandidieren oder nicht“.

Zur Person Serpil Midyatli:

Beruf und Familie

Midyatli ist Kind türkischer Einwanderer. Geboren in Kiel, wuchs sie zunächst im Stadtteil Mettenhof, dann in Gaarden auf. „Wir zogen von einem Brennpunkt in den nächsten.“ Ja, sie habe eine muslimische Grundeinstellung. „Ich wurde aber nicht streng erzogen, musste nie ein Kopftuch tragen“, sagte sie der SPD-Geschichtswerkstatt zu ihrer Person. Zur Schule ging sie in Mettenhof und auf das Fachgymnasium am Ravensberg in Kiel.

Von 1994 bis 2003 leitete sie ein Restaurant. 2004 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Atilla Midyatli einen Kultur- und Veranstaltungsservice. Dazu kam zwischen 2007 und 2009 ein Catering-Service. Seit 2013 wohnt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Gettorf.

Als erste Frau mit türkischen Wurzeln wurde sie 2015 zur stellvertretenden Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes gewählt.

Parteiämter

Sie ist seit 2017 Mitglied des SPD-Landesvorstandes. Auf dem Bundesparteitag 2017 wurde sie in den Parteivorstand gewählt.

Landtag

In der Landtagswahl 2017 unterlag sie in ihrem Wahlkreis Eckernförde dem Spitzenkandidaten der CDU mit 26,7 Prozent der Erststimmen und zog vom Listenplatz zwei aus über die Landesliste in den Landtag ein. Sie ist Sprecherin für Integration, Migration, Familien, Gleichstellung und Kindertagesstätten, gehört dem Sozialausschuss an und vertritt die Fraktion im Gremium für Fragen der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

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