Wasserqualität : Seen in SH sind in schlechtem ökologischen Zustand

„Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden“, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke.
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„Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden“, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke.

Nur ein See in SH mit guten Werten. Umweltministerium nennt zu hohe Phosphoreinträge durch die Landwirtschaft als Grund.

shz.de von
13. April 2018, 19:16 Uhr

Berlin/Kiel | Den Seen in Schleswig-Holstein geht es schlecht. Zumindest ökologisch gesehen. Nur der Selenter See schneidet nach EU-Kriterien mit einer guten Note ab, das ergab am Freitag eine Nachfrage der Deutschen Presseagentur beim Umweltministerium in Kiel. Um die Situation zu verbessern, sollen strengere Auflagen an die Landwirtschaft gestellt werden.

Insgesamt waren 62 natürliche Seen Schleswig-Holsteins untersucht worden. Von ihnen befand sich ein Drittel in einem mäßigen Zustand, die Hälfte fiel mit einem unbefriedigend durch. Bei 18 Prozent wurde die ökologische Qualität sogar als schlecht eingestuft. Grund für die negativen Werte: zu hohe Phosphoreinträge. Laut dem Ministerium würden diese aus der Landwirtschaft stammen.

Auch bundesweit sieht es nicht besser aus. Auf ganz Deutschland gesehen ist nur jeder vierte See ökologisch in einem guten Zustand. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke hervor, über die die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Freitag berichteten. Den Seen in Deutschland gehe es schlecht, erklärte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lemke. „Fische und Pflanzen, die hier typischerweise vorkommen, finden in diesen Seen keinen Lebensraum mehr.“ Diese Gewässer litten unter einer Vergüllung durch die Landwirtschaft. „Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden.“

Die Beurteilung der ökologischen Qualität erfolgt anhand von Messwerten, die zum Beispiel die Belastung mit Chemikalien, Pflanzenschutzmitteln und mit Nährstoffen wiedergeben. Demnach erreichen nur 24 Prozent der Gewässer Werte, die nach EU-Kriterien als gut gelten. Fast drei Viertel der Seen sind nach Ansicht der Experten in einem mittelmäßigen bis schlechten Zustand. Nur 2,3 Prozent könnten als sehr gut bewertet werden.

Die schlechten Ergebnisse in Schleswig-Holstein waren für das Kieler Umweltministerium Anlass, über strengere Auflagen an die Landwirtschaft zu diskutieren, durch die die Phosphorbelastung gesenkt werden soll. Der Verordnungsentwurf ist zurzeit in der Anhörung. Zur Entscheidung kommt außerdem die EU-Wasserrahmenrichtlinie hinzu, die alle Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, ihre Gewässer bis spätestens 2027 in einen guten Zustand zu bringen. Zusätzlich zu den Auflagen für die Landwirtschaft sollen deshalb an Seen, die bereits ökologisch wertvoll sind, breite Gewässerrandstreifen am Ufer eingerichtet werden.

Trotz des ökologisch bedenklichen Zustands der Seen ist die Badegewässer-Qualität in Deutschland hoch. Nach dem jüngsten Bericht der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency/EEA), der im Mai 2017 vorgestellt wurde, erfüllen 97,8 Prozent der knapp 2300 untersuchten deutschen Badestellen die EU-Mindeststandards. An fast 91 Prozent bescheinigt der jährlich erscheinende Bericht den Badegewässern sogar eine ausgezeichnete Qualität (excellent quality).

Die unterschiedlichen Ergebnisse gehen auf verschiedene Messwerte zurück. Für den Bericht über die Badewasserqualität wird – anders als bei der ökologischen Qualität – die Belastung der Gewässer mit Bakterien untersucht, die beim Menschen Krankheiten verursachen können.

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