Lage in Polen außer Kontrolle : Schweinepest-Gefahr in Schleswig-Holstein steigt

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Der grüne Umweltminister Robert Habeck.

Der grüne Umweltminister Robert Habeck.

Das Virus ist für Wild- und Hausschweine eine tödliche Gefahr. Schleswig-Holstein ergreift weitere Vorsichtsmaßnahmen.

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Kay Müller von
09. März 2018, 09:35 Uhr

Kiel | Als Robert Habeck am Donnerstag auf die Zettel sieht, die er vor sich liegen hat, bildet sich auf seiner Stirn eine Falte. Denn auf den Grafiken ist markiert, wie sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Polen mittlerweile ausgebreitet hat. Das Virus ist für Menschen und die meisten Tiere zwar nicht gefährlich, allerdings sterben Wild- und Hausschweine einen schnellen und qualvollen Tod – einen Impfstoff gibt es bislang nicht.

„Die Gefahr eines Ausbruchs der Schweinepest in Schleswig-Holstein ist deutlich größer geworden, dadurch dass das Virus in Polen so krass grassiert“, sagt der grüne Umwelt- und Landwirtschaftsminister. Deshalb hat er sich auf dem zweiten so genannten Schweinepest-Gipfel mit Vertretern der Landwirtschaft, des Handels, der Transporteure und der Schlachtbetriebe getroffen, um über Vorsichtsmaßnahmen zu sprechen – und mögliche Konsequenzen, sollte die Epidemie in Deutschland ausbrechen.

Lage in Polen außer Kontrolle

In Polen ist die Lage laut Habeck außer Kontrolle geraten. Noch sei die Pest nicht weiter nach Westen vorgerückt, allerdings gebe es zunehmend Gebiete, in denen Schweine massenhaft an dem Virus zugrunde gehen. Deswegen sei es umso wichtiger, dass Menschen, die aus Osteuropa kommen, auf Hygiene achten, dass Viehtransporter desinfiziert und tierische Lebensmittel nicht achtlos weggeworfen werden, weil sie von heimischen Wildschweinen gefressen werden könnten. Denn das Virus überlebt auch über längere Zeiträume in der Wurst.

Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest im Baltikum.
fli.de
Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest im Baltikum.
 

Nach dem Gipfel ist Habeck erleichtert. „Es war ein konstruktives Gespräch, aus dem ich das Signal mitgenommen habe, dass grundsätzlich Bereitschaft besteht, eine Kostenbeteiligung zu prüfen. Das stimmt optimistisch.“ In welcher Größenordnung sich die Wirtschaft beteiligen will, ist laut Habeck offen. Noch sei nicht absehbar, wie hoch die Kosten sind, die die ASP verursachen wird, sagt Habeck. „Das ist nach oben offen.“ Dabei geht es vor allem um Schutzzäune, Sammelstellen, Container. Darüber hinaus prüfe das Land, ob es Jäger und Kreise von Kosten für die Laboruntersuchung erschossener Wildschweine entlasten könne oder ob diese Gebühren von der Wirtschaft übernommen werden.

Zum Schluss warnt Habeck noch einmal: „Sollte die Tierseuche nach Deutschland kommen, werden in weiten Teilen Wirtschaftskreisläufe zusammenbrechen.“ In einer Region mit einem ASP-Fall, dürfe dort kein Tier hinein oder heraus. Doch noch hofft Habeck: „Es gibt noch eine Chance, das Virus draußen zu halten, wir müssen nur gut genug sein.“

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