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Schleswig-Holstein

12. Dezember 2017 | 02:31 Uhr

Schwarz-Rot-Geld

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flaggen sollen Grundwerte symbolisieren, die ständig verraten und verkauft werden

<p>Anna-Kathrin Gellner</p> von
erstellt am 22.Mär.2016 | 07:14 Uhr

So, so, die Hamburger CDU möchte also, dass vor den Schulen der Stadt demnächst Deutschland- und Europaflaggen wehen. Als „Beitrag zur Identifikation mit den Werten des Grundgesetzes“. Schließlich sollen den vielen Flüchtlingen schon im Kindesalter „deutsche und europäische Grundwerte“ vermittelt werden. Da seien die Flaggen „ein wichtiger und positiver Beitrag“ zur Integration.

Das kann man machen. Man kann es aber auch lassen. Denn ob eine Flagge vor der Schule auch nur ein Mädchen, einen Jungen oder sonst irgendjemanden irgendwie für einen „gesunden demokratischen Patriotismus“ (Originalton CDU) begeistern kann, ist doch mehr als fraglich. Und welche Grundwerte sind da eigentlich gemeint? Schweinefleischpflicht in der Kita?

Auch so ein Symbol-Vorschlag der Union, der an dem grundsätzlichen Problem vorbeigeht: Wer Werte vermitteln will, sollte sie zuallererst einmal selbst vorleben. Aber da läuft durchaus eine Menge schief. „Eigentum verpflichtet“ steht im Grundgesetz. Dummerweise hat die Bundesbank gerade erst gestern festgestellt, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Demokratie? Meinungsfreiheit? Menschenrechte? Das Trio wird oft und gern ganz weit in den Hintergrund gedrückt, wenn es um fette Auslands-Geschäfte der deutschen Industrie geht. Ist das der „gesunde deutsche Patriotismus“, von dem die Flaggen-Fans der CDU da sprechen?

Und dass nach Artikel 16a des Grundgesetzes politisch Verfolgte Asyl genießen, gilt auch nur, wenn es nicht zu viele sind, die darauf Anspruch erheben. Dann werden rasch dubiose Staaten zu sicheren Herkunftsländern erklärt oder ein autokratischer Herrscher wie Recep Tayyip Erdogan als verlässlicher Partner in der Flüchtlingskrise gelobt. Ein schmutziger Milliarden-Deal, aber ging halt nicht anders – denn leider haben fast alle anderen europäischen Staaten mit ihrer Verweigerungshaltung die „gemeinsamen Grundwerte“ verraten. Nicht ohne zuvor die deutsche Kanzlerin zu beschimpfen, die mit der Grenzöffnung für syrische Flüchtlinge eine sicher problematische, aber zutiefst menschliche Entscheidung getroffen hat.

Grundwerte haben es derzeit schwer – Flaggen werden daran nichts ändern.

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