Prognose zur Bundestagswahl : Schulz-Effekt erreicht Schleswig-Holstein

Der neue starke Mann der SPD will auch in Schleswig-Holstein punkten. In den vergangenen Wochen war Martin Schulz mehrmals im nördlichsten Bundesland.
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Der neue starke Mann der SPD will auch in Schleswig-Holstein punkten. In den vergangenen Wochen war Martin Schulz mehrmals im nördlichsten Bundesland.

Eine neue Prognose zur Bundestagswahl sieht die SPD plötzlich in fast allen Wahlkreisen des Landes vor der CDU – wenn auch nur knapp.

shz.de von
07. März 2017, 19:03 Uhr

Kiel/Berlin | Nach den letzten beiden Bundestagswahlen ergab sich jeweils das gleiche Bild auf der politischen Landkarte Schleswig-Holsteins: Die CDU hatte neun der elf Wahlkreise im Land gewonnen, die SPD nur in den zwei Großstädten Kiel und Lübeck. Noch bis Anfang dieses Monats sah es in den Wahlkreisprognosen des Hamburger Forschungsinstituts election.de so aus, als werde sich diese Verteilung auch dieses Jahr bei der Abstimmung am 24. September wiederholen. Doch nun haben die Wahlforscher aus der Hansestadt eine neue Vorhersage veröffentlicht – und plötzlich ist alles ganz anders: Auf einmal liegt die SPD in zehn der elf Wahlkreise vorn. Einzig in Nordfriesland ist die CDU weiterhin stärker.

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Verantwortlich für den Umschwung in den Wahlkreisen im Norden ist nach Ansicht der Wahlforscher vor allem der neue SPD-Hoffnungsträger und Kanzlerkandidat Martin Schulz. „Das Erstarken der SPD hat sicher mit einem Schulz-Effekt zu tun“, sagt Matthias Moehl, Leiter von election.de. Zudem werde die Trendwende dadurch begünstigt, dass viele Bundestagswahlkreise in Schleswig-Holstein ohnehin meist hart umkämpft gewesen seien und daher leicht kippen könnten. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Prognose wider: Fast überall ist der Vorsprung der SPD nur knapp – lediglich in Kiel und Lübeck können sich die Genossen ihres Sieges recht sicher sein. „Das Rennen wird in Schleswig-Holstein bis zur Bundestagswahl eng bleiben“, prophezeit Moehl.

Auch SPD-Landeschef und Bundesvize Ralf Stegner warnt vor zu viel Siegesgewissheit. „Natürlich freuen wir uns über die neuesten Ergebnisse“, sagt er. Jedoch habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt, „wie schnell sich Umfragen drehen können.“ Entscheidend sei das Resultat am Wahlabend. „Und bis dahin werben wir um jede Stimme“, kündigt Stegner an. Auch er schreibt Schulz einen großen Anteil am Aufschwung der SPD im Land zu: „Mit seiner ehrlichen und bodenständigen Art kommt er bei den Menschen gut an.“ In Schleswig-Holstein könne Schulz zudem besonders „engagiert und authentisch“ auftreten, weil die Nord-SPD ihrerseits schon vor zwei Jahren Schulz’ Hauptthema soziale Gerechtigkeit aufgegriffen und vorangetrieben habe.

CDU-Landeschef Daniel Günther zeigt sich dagegen unbeeindruckt vom neuen SPD-Liebling Schulz. Die Projektion von election.de sei „mit Sicherheit schon wieder veraltet“, sagt Günther. Denn in dieser Woche habe Schulz „das erste Mal inhaltlich Farbe bekennen müssen und die Menschen damit enttäuscht“. Günther mahnt allerdings ebenfalls seine Partei, um jede Stimme zu kämpfen. „Alle wissen jetzt: Die SPD setzt auf Rot-rot-grün“, erklärt er. Sicherheit, Arbeitsplätze und solide Finanzen gebe es aber „nur mit der CDU“.

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Die Prognosen von election.de beruhen nicht auf eigenen Befragungen, sondern auf Auswertungen aller aktuellen Umfragen sowie der langfristigen Wählerpotenziale, die in den Ergebnissen der zurückliegenden Wahlen zum Ausdruck kommen. Zudem berücksichtigen die Vorhersagen mögliches taktisches Stimmverhalten. Bei der letzten Bundestagswahl sagte election.de das Ergebnis in 279 der 299 Wahlkreise richtig voraus – eine Trefferquote von 93 Prozent. Auch für Landtagswahlen erstellt das Institut Prognosen.

Für die Wahl in Schleswig-Holstein am 7. Mai sehen die Forscher dabei ebenfalls ein Erstarken der SPD – doch fällt das schwächer aus als bei der Bundestagswahl: Laut neuer Vorhersage gewinnt die CDU zwar nicht mehr 25 der 35 Wahlkreise wie bei der Prognose im Februar, aber immerhin noch 21. Die SPD liegt 14-mal vorn. Allerdings leidet die Genauigkeit dieser Prognose darunter, dass es nach der Nominierung von Schulz als Kanzlerkandidat noch keine Umfrage zur Landtagswahl gab, auf die election.de weitere Projektionen auf bauen konnte.


 
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