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Handys im Unterricht : Schulleiterin aus Neumünster erklärt: So funktioniert das digitale Klassenzimmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Befürchtungen sind groß: Handys lenken Schüler doch nur ab. Ist das wirklich so?

Neumünster | Mit einer neuen Digitalstrategie wollen die Kultusminister dafür sorgen, dass Schüler künftig einheitliche Computer, Internet- und Medien-Kenntnisse erlernen.

Frau Schubert, Handys im Unterricht sind an Ihrer Schule normal – sind die Schüler dort nicht permanent abgelenkt?

Genau das war die Befürchtung vieler Eltern als die Schüler auf einer Schulkonferenz im vergangenen Jahr den Antrag auf Zulassung der Smartphones an der Schule gestellt haben. Und natürlich war auch die Idee der Schüler, dass sie die Geräte zur Unterhaltung nutzen.

Aber das ist nicht passiert?

Um das zu umgehen, haben wir den Prozess von Wissenschaftlern der Uni Flensburg begleiten lassen, die geschaut haben, ob die Ablenkung zunimmt oder es mehr Fälle von Cybermobbing gibt. Das ist nicht der Fall. Klar sind Schüler manchmal immer noch abgelenkt, aber das waren sie auch schon, als sie noch kein Smartphone benutzen durften. Es ist unsere Aufgabe als Lehrer, das zu verhindern.

Hat sich das Nutzungsverhalten der Schüler verändert?

Nachdem wir dafür gesorgt haben, dass die Schüler die Smartphones und Tablets als Lernmittel benutzen, gab es erstmal einen Monat lang einen Hype. Aber mittlerweile arbeitet etwa die Hälfte der Schüler auch analog, bei uns wird keiner gezwungen, Tablet oder Smartphone zu nutzen.

Welche Vorteile bietet die Digitalisierung?

Wir haben Lernmaterialien digitalisiert, auch die Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern läuft in weiten Teilen digital. Das vereinfacht viele Prozesse und wir vermeiden auch Verschwendung von Papier.

Wie sieht das konkret bei Ihnen aus?

Jedes Team der Schule hat einen Bereich, in dem es Dokumente, Protokolle oder Dateien für die Zusammenarbeit hochladen kann. Dazu gibt es Foren, in denen Mitglieder Absprachen diskutieren. Da die Einträge nach Themen sortiert sind und nicht gelöscht werden, entsteht eine Historie, die für die Dokumentation genutzt werden kann. Und für digitale Konferenzen wird der Chat genutzt.

Was funktioniert denn nicht digital?

Das direkte Gespräch mit dem Schüler ist durch nichts zu ersetzen. Aber gerade durch die Digitalisierung haben Lehrer dafür mehr Zeit – und werden deshalb nie überflüssig werden.

Was raten Sie Schulen, die bei der Digitalisierung noch am Anfang stehen?

Sie sollten nicht nur auf die Ausstattung achten. Man kann auch ohne schnelles Internet viel machen. Und die meisten Schüler haben mobile Endgeräte, die sie nutzen. Die Aufgabe der Schule ist es, ihnen beizubringen, dass sie sie sinnvoll nutzen.

Viele Eltern dürften da skeptisch sein, weil sie fürchten, dass ihre Kinder zu viel Medienkonsum ausgesetzt sind.

Das war bei unseren Eltern zu Anfang auch so. Aber wir als Schule müssen entscheiden , wie unsere Kinder in der digitalen Welt zurechtkommen, sonst entscheiden das andere für uns. Und ich möchte ungern, dass die digitale Revolution einfach über uns hinwegrollt.

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erstellt am 09.Dez.2016 | 07:29 Uhr

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