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Safer Internet Day in Kiel : Schüler wappnen sich für das Netz

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Abzocke, Datenklau und Mobbing: Die Gefahren im Internet sind vielfältig - genauso wie seine Möglichkeiten. Die Verbraucherzentrale SH führt Schüler, Eltern und Lehrer am Safer Internet Day an den sicheren Umgang mit dem Netz heran.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2014 | 16:36 Uhr

Kiel | Jeder kennt sie, auch die Achtklässler der Max-Planck-Schule in Kiel: Spam-Emails und personalisierte Werbung im Internet. Dass diese nicht nur nerven, sondern durch das Sammeln sensibler und personenbezogener Daten beim Surfen im Internet zustande kommen, mache sich jedoch kaum einer von ihnen bewusst, erklärt Stefan Bock, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Um die Jugendlichen, ihre Eltern und Lehrer für die Gefahren im Netz und sicheres Surfen zu sensibilisieren, informieren heute die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), dem Landespolizeiamt (LPA) und dem Unabhängigen Landesdatenzentrum für Datenschutz (ULD). Einen ganzen Tag hat die Max-Planck-Schule in Kiel am Safer Internet Day Themen rund um die Sicherheit im Internet gewidmet. Unter dem Titel „Medien machen Schule: Mediennutzung sicher und kompetent in Schule und Elternhaus“ sollen Workshops Schüler, Lehrer und Eltern für den Umgang mit Apps, Facebook und Co. besser wappnen.

„100 Prozent der Teenager bewegen sich im Netz, 73 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen dafür ein Smartphone“, fasst Bock zusammen. Zu bedenken dabei: „Der Zugang zum Netz ist 24 Stunden am Tag möglich.“ Die Jugendlichen seien also zwangsläufig mit dem Internet allein. Umso wichtiger sei es, ihnen einen vorsichtigen Umgang mit eigenen und den Daten anderer zu vermitteln und sie für Themen wie Abzocke, Abofallen aber auch Urheberrecht zu sensibilisieren. „Ich habe es mir selbst beigebracht“, erzählt der 14-jährige Jasper Ramthun. Auch Apps lädt er allein herunter. Ein großes Risiko, erklärt Bock. Bei vielen kostenlosen Apps gebe es kostenpflichtige Extras, die im Hintergrund laufen. Denn kostenlos ist nicht gleich kostenlos: „Apple macht 71 Prozent der App-Umsätze mit kostenpflichtigen Anteilen von kostenlosen Apps.“ Dahinter können sich beispielsweise bei Spielen Käufe verstecken, die notwendig sind, um das nächste Level zu erreichen. Das kann richtig ins Geld gehen, weiß Bock: „Da können schnell 3000 Euro während einer Sitzung zusammen kommen.“ Häufig seien diese Kosten auch nicht explizit ausgewiesen.

Doch es geht in Kiel nicht nur um Abzocke und Abo-Fallen. Auch die Auswirkungen der Selbstdarstellung über soziale Netzwerke sind ein Thema, denn häufig führen Aktivitäten in der virtuellen Welt zu ernsthaften Konsequenzen in der realen Welt. So werfen Banken oderkünftige Arbeitgeber immer häufiger einen Blick in die sozialen Netzwerke. Dies kann die Kreditkonditionen oder aber die Vorauswahl der Jobbewerber beeinflussen.

Deshalb sei es wichtig, das eigene Profil stets kritisch zu prüfen, weiß auch Sabine Kannenberg. Die Vorsitzende des Elternbeirates der Max-Planck-Schule ist selbst bei Facebook angemeldet – um ihren Sohn zu schützen. Der Zehntklässler musste vor seinem Austausch in die USA. „Da durfte kein Bild von ihm mit Alkohol in der Hand zu sehen sein, dann hätte er den Austausch nicht machen dürfen.“ Diese Bilder sortierten Mutter und Sohn dann gemeinsam aus. Es gehe ihr nicht um Kontrolle, sagt sie. Doch mit ein wenig Hilfe im Umgang mit einem Medium mit so komplexen Auswirkungen ließe sich Schaden begrenzen. „Wir wollen unsere Kinder zu modernen Menschen erziehen und machen uns unglaubwürdig, wenn wir uns blocken.“ So sieht sie das Internet mit all seinen Risiken nicht nur als Fluch, es sei auch ein Segen: „Die Welt wird etwas kleiner. Onlinespiele wie Quizduell spannen ein virtuelles Band zwischen meinem Sohn und mir.“

Warum ist es gefährlich, Informationen über sich ins Internet zu stellen?

Sind Daten erst einmal im Internet, bleiben sie dort auf unbestimmte Zeit. Diese Daten komplett zu löschen ist sehr schwer. Somit bleibt die Gefahr, dass die Daten missbräuchlich gesammelt, gespeichert und genutzt werden.

Wie kann ich meine Daten schützen?

Am sichersten sind die Daten, die man nicht angibt. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät, die Datenschutzerklärung des Diensteanbieters aufmerksam zu lesen. Hier wird darauf hingewiesen, wie mit persönlichen Daten umgegangen wird. Um nicht zu viel von sich preiszugeben, kann man sich unter einem Pseudonym anmelden. Außerdem sollten die Profileinstellungen so angepasst sein, dass man nicht über Internetsuchmaschinen aufzufinden ist oder die Inhalte für alle Nutzer der Plattform sichtbar sind. Um dies sicherzustellen, sollten diese Einstellungen regelmäßig geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Welche Daten sollte ich schützen?

Allgemein sollte jeder Internetnutzer möglichst wenige Daten von sich preisgeben. Insbesondere mit personenbezogenen Daten – wie Name, Adresse, religiöse Überzeugungen oder Informationen über das Sexualleben – und sensiblen Daten – wie Bankverbindungen, Kreditkarteninformationen – sollte achtsam umgegangen werden.

Wie wichtig ist der Schutz der eigenen Daten in sozialen Netzwerken?

Die Nutzer von sozialen Netzwerken stellen hier häufig nicht nur personenbezogene, sondern auch intime Daten von sich ein. Dazu gehören auch Fotos, die die Betroffenen in teils peinlichen Situationen zeigen. Dies kann sich nicht nur auf die berufliche Karriere auswirken. Zudem kam es bereits zu Fällen von sexueller Belästigung oder Stalking, bei denen sich die Täter Fotos und Informationen aus sozialen Netzwerken beschafften.

Wie kann ich meine Daten speziell in sozialen Netzwerken sichern?

Auch in sozialen Netzwerken gilt das Prinzip der Datensparsamkeit. Zum Anmelden benötigt man jedoch häufig eine Email-Adresse. Möglich ist es, sich eine gesonderte Email-Adresse für soziale Netzwerke zuzulegen, da diese nicht auf allen Plattformen versteckt werden kann. Außerdem sollten die Privatsphäreeinstellungen genau geprüft und angepasst werden. In die Kontaktliste sollten nur Personen aufgenommen werden, die man tatsächlich kennt – Anfragen von Fremden sollten hingegen ignoriert werden.

 
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