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Nach Pumpenausfall in Wedel : Schöpfwerke veraltet – Niederungen in SH in Gefahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Wasser- und Bodenverband warnt: Die Schöpfwerke in Schleswig-Holstein müssen dringend saniert werden.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 16:07 Uhr

Aufatmen in Wedel (Kreis Pinneberg): Die defekten Pumpen am Sperrwerk laufen seit Montag wieder. Weil sich die Sperrwerkstore wegen Sanierungsarbeiten nicht öffnen lassen, hatte es zuvor im Hinterland eine Überschwemmung gegeben. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren fast drei Tage lang im Einsatz.

Gegen die Binnenflut: In Wedel wird nach dem Ausfall am Sperrwerk das Wasser von Einsatzkräften der Feuerwehr und des Technisches Hilfswerks über den Deich gepumpt.
Gegen die Binnenflut: In Wedel wird nach dem Ausfall am Sperrwerk das Wasser von Einsatzkräften der Feuerwehr und des Technisches Hilfswerks über den Deich gepumpt. Foto: dpa

Der Fall zeigt exemplarisch, wie gefährdet die Niederungen von Schleswig-Holstein sind. Ohne Sperr- und Schöpfwerke würde ein Drittel des Landes unter Wasser stehen, und das nicht nur nach Starkregen. Momentan machen die Schöpfwerke den verantwortlichen Wasser- und Bodenverbänden allerdings große Sorgen, denn die meisten der 342 Bauwerke sind in die Jahre gekommen. „Sie stammen aus der Nachkriegszeit und so alt ist die Technik teilweise auch“, sagt Mathias Rohde, Geschäftsführer des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände. Matthias Reimers vom Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen warnt: „Es herrscht ein gewaltiger Sanierungsstau, wir schätzten die Kosten auf zwei bis drei Milliarden Euro.“

Dringlich wird die Lage zudem durch den Klimawandel: Werden die Niederschläge intensiver, müssen größere Wassermengen abgeleitet werden. Die betagten Schöpfwerke laufen also häufiger. Experten rechnen ferner mit einem steigenden Meeresspiegel, was die Entwässerung erschwert, weil das Zeitfenster schrumpft, in dem Siele und Sperrwerke geöffnet werden können. Und nicht nur der Meeresspiegel steigt, auch das Niveau der Wattoberfläche. In Dithmarschen schwemmt die Nordsee Sedimente an, und die Tideflüsse wie Elbe, Eider, Stör, Krückau verschlicken.

Bei Ebbe Sperrwerk auf, Wasser raus. Das wäre der Idealzustand. „Heute haben wir in Dithmarschen noch zu 50 Prozent eine solche freie Entwässerung“, sagt Reimers. „Doch die wird es so bald nicht mehr geben.“ In einem 139 Seiten langen Strategiepapier hat die Arbeitsgruppe „Niederungen 2050“ berechnet, dass im Jahr 2070 fast achtzig Prozent der Flächen mit Hilfe von Schöpfwerken entwässert werden müssen. Belaufen sich deren Betriebskosten heute auf vier Millionen Euro, sind es dann fast 15 Millionen. Nicht eingerechnet sind die Investitionen für die notwendigen neuen Schöpfwerke.

Wer trägt die Kosten? Werden die Grundstückseigentümer in Schleswig-Holstein mit höheren Beiträgen für die knapp 500 Wasser- und Bodenverbände zur Kasse gebeten? Im Umweltausschuss des Landtags haben Vertreter der Wasser- und Bodenverbände vergangene Woche Druck gemacht. „Wir bekommen vom Land seit 17 Jahren fünf Millionen Euro als Zuschuss“, sagt Mathias Rohde. „Damit sind die vielen Herausforderungen, die wir künftig bewältigen müssen, aber nicht zu leisten.“ Die Forderung: Das Land soll künftig jährlich zehn Millionen auf den Tisch legen. Bislang hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) die Aufstockung jedoch abgelehnt.

Die Panne in Wedel ist mittlerweile rekonstruiert worden. Weil während der zwei Millionen Euro teuren Sanierung bis zum Frühjahr die Sperrwerkstore nicht geöffnet werden können, muss die Baufirma zwei mobile Hochleistungspumpen (schaffen 3,6 Millionen Liter pro Stunde) vorhalten. „Beide Pumpen sind ausgefallen“, sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Umweltministeriums. Bei der ersten Pumpe riss ein Kabel innerhalb des Pumpengehäuses, und als die Ersatzpumpe anlaufen sollte, gab ihr Motor ebenfalls seinen Geist auf. Kabel: „Der Ausfall zweier Pumpen zum gleichen Zeitpunkt ist ein ganz ungewöhnlicher Zufall. Die Verantwortung dafür ist der beauftragten Baufirma zuzurechnen.“

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