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TV-Kritik zum „Tatort“ : Schnörkelloses Jugenddrama aus Stuttgart

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine anrührende Story, authentische Charaktere und genaue Milieu-Bilder: Der neue Stuttgart-„Tatort“ ist durchaus sehenswert, findet unser TV-Kritiker Frank Kober.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2013 | 14:11 Uhr

„Tatort“ Stuttgart? Lannert und Bootz? Klar, das muss wieder wehtun. So viel haben wir bisher gelernt: Unsere Hauptkommissare (Richy Müller, Felix Klare) ermitteln lieber an sozialen Brennpunkten als in der Glamour-Welt von Politik, Wirtschaft oder Mafia. Dafür wird gern das private Glück oder Unglück eingeblendet, um die Empathie unserer Cops zu verklickern. Ganz wie beim Altvorderen Bienzle mit seiner Hannelore. Motto: Gemenschelt wird immer – im Ländle.

Also geht es heute in die nächste Stuttgarter Schmuddelecke. In ein Jugendhaus diesmal, mit Spielzimmern, Billardtisch und Bar. Dahin, wo Kinder und Jugendliche wenigstens zeitweise ein Zuhause finden, weil ihre Eltern sie vernachlässigen, weil daheim nur Prügel droht oder weil einer aus der Familie mal wieder im Knast sitzt und sich nicht kümmern kann.

Genau hier wird der Sozialarbeiter Andreas Haber erschlagen und vieles deutet darauf hin, dass die 13-jährige Sarah die Täterin ist (magisch: Ruby O. Fee). Ein widerspenstiges Mädchen, das ebenso frühreif wie verloren wirkt und das keinem Menschen auf dieser Welt mehr vertraut. Weder ihren Knacki-Eltern noch ihrer Schwester samt Brutalo-Lover (Britta Hammelstein und „Tatort“-Pöbel-Glatze vom Dienst: Antonio Wannek).

Nicht einmal dem Jugendhausleiter (Tobias Oertel) oder dem Kunsthändler und edlen Sponsor des Jugendhauses (Patrick von Blume) traut Sarah wirklich. So müssen Lannert und Bootz ihr erst das Leben retten, bevor sie wieder auf Tuchfühlung mit Fremden gehen kann. Doch bis dahin nimmt dieser Mordfall eine dramatische Wende.

Nicht schlecht, was Wolfgang Stauch (Buch) und Oliver Kienle (Regie) unseren Kripo-Helden diesmal auf den Leib getackert haben. Eine anrührende Story, authentische Charaktere, genaue Milieubilder. Und endlich dürfen Müller und Klare ihre Rollen auch mal ganz ohne Arabesken durchdeklinieren. Den coolen und den grübelnden Bullen, den einsamen Wolf und den hoffnungslos überforderten Familienmenschen. Weiter so – dann ist Stuttgart ja doch noch nicht verloren.

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