Feuerwehren an der Grenze : Schneller, besser, effektiver

Projekt 'Interreg 112': Sebastian Annewanter (links) und Peter Staunstrup checken die Ausstattung der Wehren im Grenzland. Foto: dn
Projekt "Interreg 112": Sebastian Annewanter (links) und Peter Staunstrup checken die Ausstattung der Wehren im Grenzland. Foto: dn

Wenn es in der deutschen Grenzregion brennt, kommt eine deutsche Feuerwehr - selbst wenn eine dänische Truppe schneller vor Ort wäre. Ein neues Projekt soll für mehr Flexibilität sorgen.

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09. November 2011, 10:15 Uhr

Sønderjylland-Schleswig | Die Feuerwehren auf beiden Seiten der Grenze sollen in Zukunft miteinander kooperieren, um im Notfall schneller und mit passender Ausrüstung vor Ort zu sein. Peter Staunstrup aus Odense und Sebastian Annewanter aus Flensburg sind zuständig für das Projekt, das die bürgernahe Gefahrenabwehr im Grenzgebiet optimieren will - Projekt "Interreg 112".
Die Situation heute schildert Sebastian Annewanter: "Wenn es in Deutschland brennt und ein Bürger die 112 ruft, dann kommt eine deutsche Feuerwehr. Selbst dann, wenn eine dänische Einsatztruppe einen wesentlich kürzeren Anfahrtsweg hätte. Auch kann die Wehr nur deutsche Unterstützung anfordern. Das gleiche gilt auf dänischer Seite." Ziel von "Interreg 112" ist es, dieses starre System aufzuweichen und eine flexiblere Reaktion der Rettungsleitstellen zu ermöglichen. Doch bis dahin sei es noch ein weiter Weg.
Ende 2012 soll das Projekt abgeschlossen sein
Der 25-jährige Deutsche - früher bei der Berufsfeuerwehr Flensburg - muss mit seinem 57-jährigen Kollegen aus Odense nun in erster Linie "Ressourcen erfassen". Zu diesem Zweck fahren sie zu den Feuerwehren der sechs beteiligten Partner: den Kommunen Tondern, Apenrade und Sonderburg, dem Kreis Nordfriesland, dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg. Dort machen sie sich ein Bild davon, was in den jeweiligen Feuerwehren an Material überhaupt vorhanden ist, klären also Fragen wie: "Wie sind die Einsatzfahrzeuge ausgestattet? Welche besonderen Materialien gibt es - Schutzanzüge bei Chemieunfällen, oder Rettungsboote?" In einem zweiten Schritt werden sie dann in einer großen Landkarte alle Ressourcen markieren.
Ende 2012 soll das Projekt abgeschlossen sein. Wenn Annewanters und Staunstrups Vorschläge und Ideen danach verwirklicht werden, dann soll die Alarmierung bei einem Anruf unter der Notfallnummer so funktionieren: "Der Notruf wird in Dänemark oder Deutschland unter der 112, wie gewohnt, abgesetzt. Derjenige aus der Rettungsleitstelle, der den Anruf entgegennimmt, kann aber prüfen, welche Feuerwehr am sinnvollsten für diesen Einsatz ist und schickt diese dann ungeachtet der Grenze raus", beschreibt Annewanter.
"Die Sprache ist der Schlüssel für alles"
Er und sein Kollege wurden von den sechs Projektpartnern gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Sebastian Annewanter ist Rettungsingenieur und Rettungsassistent, Peter Staunstrup war Feuerwehrchef in Odense. Nun sehen sich die beiden auch oft bei trockener Schreibtischarbeit, die, wie sie versichern, auch spannend sei. "Wir müssen uns auch über juristische und versicherungstechnische Fragen Gedanken machen. Beispiel: Was passiert, wenn ein deutscher Kollege in einem dänischen Haus einen Fehler macht und jemand zu Schaden kommt? Wer bezahlt dann? Oder wenn ein dänischer Feuerwehrmann auf deutschen Boden beim Einsatz selbst einen Unfall hat? Wer ist dann zuständig?"
Bisher steht "Interreg 112" noch in der Anfangsphase, doch Annewanter kann sich vorstellen, dass er im äußersten Fall sogar für eine Gesetzesänderung plädieren würde, damit sein Projekt realisiert werden kann. "Alles andere wäre inkonsequent."
Das Projekt "Interreg112" wird mit 900.000 Kronen (rund 121.100 Euro) von der EU und mit jeweils 70.000 Kronen (rund 9500 Euro) von jedem der sechs Partner finanziert. Die Gelder sind nicht nur für Personal, sondern auch für Sprachkurse auf beiden Seiten und für gegenseitige Besuche gedacht. "Die Sprache ist der Schlüssel für alles. Wenn ein Kommandant vor Ort Anweisungen gibt, darf es keine Rolle spielen, ob er mit einer deutschen oder dänischen Truppe kooperiert."

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