SG Flensburg-Handwitt : Schmäschke: „Wir müssen realistisch bleiben“

Glückseliger Geschäftsführer: Dierk Schmäschke balanciert bei der Feier ein „Flens“ auf dem Kopf.
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Glückseliger Geschäftsführer: Dierk Schmäschke balanciert bei der Feier ein „Flens“ auf dem Kopf.

Für Geschäftsführer Dierk Schmäschke bleiben der FC Barcelona oder der THW Kiel in finanzieller Hinsicht unerreichbar.

shz.de von
03. Juni 2014, 06:51 Uhr

Flensburg/Handewitt | Der Titel in der Champions League ist im wahrsten Sinne des Wortes die Krönung für die SG Flensburg-Handewitt. „Jetzt haben wir jeden großen Titel in Deutschland und Europa mindestens einmal gewonnen, darauf können wir stolz sein“, sagte Dierk Schmäschke im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Hans-Werner Klünner am Tag nach dem Triumph von Köln. Der Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt warnte aber gleichzeitig davor, jetzt kontinuierlich Titel zu erwarten. „Wir müssen realistisch bleiben, wir haben nun einmal nicht die finanziellen Möglichkeiten wie Barcelona oder Kiel.“

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn in der Königsklasse, Herr Schmäschke. Welche Bedeutung hat diese Trophäe für das Image und die Vermarktungsmöglichkeiten der SG?

Dieser Titelgewinn ist ein riesiger Imagegewinn für unseren Club, und er öffnet Türen bei potenziellen Sponsoren. Aber wir müssen vernünftig damit umgehen. Entscheidend wird sein, wie wir diesen Titelgewinn nach außen transportieren. Über 240 Millionen Menschen haben das Finale weltweit am Fernseher verfolgt, selbst in zehn Jahren werden noch Bilder von diesem Turnier gezeigt werden. Das werden viele nie vergessen. In dieser Region haben alle verstanden, welche Marke die SG ist. Überregional müssen wir weiter daran arbeiten, da wollen wir den nächsten Schritt tun. Wir haben jeden großen Titel in Deutschland und Europa mindestens einmal gewonnen, darauf können wir stolz sein.

Zwischen den einzelnen Titeln lagen teilweise lange Jahre des Wartens. Besteht nicht die Gefahr, dass nach so einem Triumph jetzt aus dem Umfeld mehr Kontinuität in dieser Hinsicht gefordert wird – nach dem Motto: Möglichst jedes Jahr ein Titel?

Was heißt hier mehr Kontinuität? Wir spielen seit 20 Jahren durchgehend international, waren in der Vergangenheit in der Bundesliga etliche Male Zweiter, in dieser Saison trotz der vielen Verletzungen Dritter. Und wir haben vier Mal in Folge das Final Four im DHB-Pokal erreicht. Ich finde, mehr Kontinuität geht nicht. Wir waren am Wochenende in Köln die Besten, das können wir mit Stolz sagen. Aber wir müssen auch realistisch bleiben. Wir haben den FC Barcelona und den THW Kiel bezwungen, aber wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten wie diese beiden Vereine oder die Rhein-Neckar Löwen. Wenn jemand jetzt die Erwartungen in die Höhe schraubt, hat er das Konzept der SG nicht verstanden. Wir versuchen mit all unseren Möglichkeiten, uns zu verbessern. Und natürlich ist es unser Bestreben, den Etat von Jahr zu Jahr zu vergrößern. Aber ich werde jetzt nicht öffentlich über einen Etat von acht Millionen Euro nachdenken, wenn wir gerade daran arbeiten, uns sicher im Bereich von sechs oder 6,5 Millionen zu bewegen. Das wäre fahrlässig.

Der Triumph in der Champions League spült viel Geld in die SG-Kasse. Bei der Club-WM Ende August in Katar sind weitere Einnahmen zu erwarten ...

Wenn dieses Turnier terminlich in die Vorbereitung passt, werden wir die Club-WM sicherlich mitnehmen. Das werden wir mit Ljubomir Vranjes besprechen. Der Wettbewerb ist lukrativ, aber es muss passen. Die Einnahmen daraus planen wir nicht in unser Budget ein so wie der HSV Hamburg in der vergangenen Saison. So etwas machen wir nicht.

Werden die Einnahmen ins Team reinvestiert?

Alles, was wir in der Königsklasse erwirtschaftet haben, wird in die Mannschaft gehen. Auch mit ihr wollen wir den nächsten Schritt gehen.

Heißt das, die SG wird noch einmal auf dem Transfermarkt tätig, obwohl bereits vier junge Leute unter Vertrag genommen worden sind? Ljubomir Vranjes wünscht sich ja schon länger einen gestandenen Halblinken.

Wir werden handeln. Es gibt aber nicht viele Halblinke mit internationalem Format auf dem Markt. Ein Spieler von der Qualität eines Joan Canellas ist für uns zum Beispiel unbezahlbar. Wir werden uns umschauen, aber der Spieler muss zu uns passen.

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