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Schlimmer als die Bahn: Jedes zweite Schiff verspätet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pünktlichkeitsstatistiken sind bisher vor allem von der Bahn bekannt – doch jetzt gibt es auch eine für den Nord-Ostsee-Kanal: Die Initiative „Kiel Canal“ hat 2014 erstmals erfasst, wie pünktlich die Feederschiffe der großen Reedereien durch den Kanal gekommen sind. Gestern veröffentlichte sie das Ergebnis: Gut 45 Prozent der Schiffe waren unpünktlich.

„Das ist ein erschreckendes Ergebnis und zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf am Kanal ist“, kritisierte Jens Broder Knudsen, Vorsitzender der von Wirtschaft und Verbänden getragenen Initiative. Zum Vergleich: Bei der Bahn kam nur knapp ein Viertel der Fernzüge zu spät. Dabei gilt bei Schiffen auf dem Nord-Ostsee-Kanal natürlich anders als bei der Bahn nicht schon eine Verspätung von sechs Minuten als unpünktlich. „Ab 45 Minuten wird es in den eng getakteten Fahrplänen der Feederschiffe problematisch“, erklärte Knudsen. Die durchschnittliche Verspätung lag sogar bei fast drei Stunden. „Das geht gar nicht“, schimpfte Knudsen. Einzelne Kunden hätten daher insgesamt mehr als 100  000 Verspätungsminuten in Kauf nehmen müssen. Feederschiffe liefern Fracht für große Containerriesen zu oder verteilen sie weiter. Mit rund 10  000 Passagen im Jahr sind sie die wichtigste Schiffsgruppe auf dem Kanal.

Grund für die hohe Verspätungsquote ist laut „Kiel Canal“ der schlechte Zustand der Schleusen – besonders in Brunsbüttel. Allein die großen Kammern dort hätten übers Jahr nur drei Viertel der Zeit zur Verfügung gestanden. „Ein Viertel der vorgesehenen Betriebszeit ist Reparaturarbeiten zum Opfer gefallen.“ Die Große Nordschleuse sei nur zu 56 Prozent nutzbar gewesen.

Claudia Thoma von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes räumte ein, dass es auch dieses Jahr wegen weiterer Reparaturen zu Wartezeiten am Kanal kommen werde. „Nächstes Jahr ist die Durststrecke dann hoffentlich überwunden“, sagte sie.  

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erstellt am 12.Feb.2015 | 16:23 Uhr

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