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Schleswig-Holstein

21. August 2017 | 18:38 Uhr

Schleswig-Holsteins Fuhrpark wächst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Habeck fordert „Verkehrswende“ und setzt auf E-Mobilität im Land / Experte für Aus von Pendlerpauschale

Trotz Stau-Alarm, maroder Straßen und Klimawandel: Die Schleswig-Holsteiner setzen auf das Automobil – und zwar zunehmend. Rechnerisch wächst der Fuhrpark im Land jeden Tag um 59 Fahrzeuge. Auch bundesweit schnellen die Zahlen in die Höhe; und lassen Treibhausgas-Emissionen steigen.

Allein zwischen 2009 und 2016 nahm die Autodichte zwischen Nord- und Ostsee nach Zahlen des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) um 10,7 Prozent zu. Nur in den Hochburgen der Automobilindustrie – in Niedersachsen, Saarland, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen – fiel das Plus noch größer aus. Auf 1000 Einwohner kommen hierzulande inzwischen 559 Pkw. In absoluten Zahlen ist der Fahrzeug-Bestand binnen sechs Jahren um mehr als 150  000 auf 1,58 Millionen angewachsen.

Für Daniel Moser, Verkehrsexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, rächen sich dabei falsche Prioritäten in der Verkehrspolitik. „Man weiß seit Jahren, dass mehr Straßen mehr Autos und auch mehr Staus produzieren“, sagt Moser. Und vor allem in die Straße habe die Bundesregierung in der Vergangenheit investiert.

Im Kampf gegen den Klimawandel hilft das nicht. Im Gegenteil. Das zeigen Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA). Bei der Stromproduktion sind die Treibhausgas-Emissionen demnach zwar rückläufig – erneuerbaren Energien sei Dank. Doch dafür wurden im Straßenverkehr vergangenes Jahr rund 4,3 Millionen Tonnen mehr klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt als zwei Jahre zuvor.

Die Landesregierung in Kiel sieht Handlungsbedarf. „Wir brauchen eine Verkehrswende, um die Abgase zu reduzieren und das Klima effektiv zu schützen“, sagt Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck. Die Bundesregierung hinke beim Thema gnadenlos hinterher. „Beim derzeitigen Ausbautempo der E-Mobilität in Deutschland wird die von der Bundesregierung angestrebte Zielmarke von einer Million E-Mobile im Jahr 2020 weit verfehlt werden“, warnt der Grünen-Politiker. Zuletzt waren im Norden nur gut 500 E-Mobile zugelassen, bundesweit ein paar tausend.

Um die Elektromobilität in Schleswig-Holstein und auch bundesweit voranzubringen, wären nach Einschätzung des Ministers vor allem günstigere Preise und ein zügiger Ausbau der Lade-Infrastruktur notwendig. So unterstützt die Landesregierung unter anderem „Great“ – ein EU-Projekt zur Erprobung alternativer Treibstoffe zwischen Hamburg, Oslo und Stockholm. Insgesamt hat allein das Umweltministerium nach eigenen Angaben zuletzt rund eine Million Euro für „Unterstützung und Ausbau der Elektromobilität“ eingesetzt. Daneben sieht Habeck noch weitere Möglichkeiten, um der Belastung durch den Verkehr Einhalt zu gebieten. „Auch eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs ist wichtig, der Verkehr muss verlagert werden. Insgesamt müssen wir Mobilität neu denken“, sagt er.

Darin sieht auch Greenpeace-Experte Moser Chancen. Daneben plädiert dieser aber auch vehement dafür, Anreize für weite Pkw-Fahrten zu unterbinden. „Die Pendler-Pauschale muss abgeschafft werden“, sagt er – und auch die Subventionierung des Diesels gehört aus seiner Sicht gestrichen.

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erstellt am 29.Mär.2016 | 19:21 Uhr

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