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Landesweites Konzept : Schleswig-Holstein will NS-Gedenkstätten ausbauen

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Die Zeitzeugen verstummen: Um die Erinnerung an die Schrecken der Nazi-Zeit in Schleswig-Holstein nicht verblassen zu lassen, will Kulturministerin Spoorendonk mehr Geld für die Gedenkstätten und ein landesweites Konzept erarbeiten.

Kiel | Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung will Schleswig-Holstein die bislang überwiegend ehrenamtliche Arbeit der Gedenkstätten zur Nazi-Diktatur stärker unterstützen und professionalisieren. So soll die aus der Nazizeit stammende Neulandhalle bei Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen zu einem Museum - einem historischen Lernort - ausgebaut werden, um die Mechanismen völkischer NS-Propaganda und ideologischer Verführbarkeit heutigen Generationen zu vermitteln, erläuterte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) heute in Kiel. Der Ausbau der Halle soll vier Millionen Euro Kosten, zwei Millionen soll der Bund übernehmen. Dabei setzt Spoorendonk auf eine wissenschaftliche Begleitung der Universitäten Kiel und Flensburg.

„Es geht darum zu erklären, wie die Zustimmungsdiktatur der Nazis funktioniert hat.“ Eingebettet in den 1933 von seinem Namensgeber eingeweihten „Adolf-Hitler-Koog“ entstand die Neulandhalle. „Als Stätte einer ideologisch aufgeladenen, baulich und programmatisch ausgedrückten Manifestation der Volksgemeinschaft sowie des Lebensraumprogramms inszenierte hier das NS-Regime seine publikumswirksamen Schauseiten“, heißt es in einem Text zum Museumsprojekt, das am Freitag (6. September) in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung Berlin vorgestellt wird.

Als zweites Projekt soll die NS-Gedenkstätte Ladelund nahe der dänischen Grenze für 500.000 Euro eine neue Ausstellung erhalten, die bisherige ist 28 Jahre alt und entspreche nicht mehr modernen Anforderungen. Im KZ Ladelund kamen 1944 über 300 Jungen und Männer ums Leben. Den Antrag für die Bundesmittel will Schleswig-Holstein am 6. September bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) beantragen. Sowohl Neuland als auch Ladelund gehören der Kirche. Die Trägerschaft soll künftig auf eine breitere Basis gestellt werden.

„Wir stehen vor einem Generationenwechsel, die Zeitzeugen verstummen“, begründete Spoorendonk ihren Vorstoß. Dass Schleswig-Holstein nach dem Zweiten Weltkrieg lange die Gedenkstättenarbeit vernachlässigt habe, liegt nach Ansicht der Ministerin auch an einer „zweiten braunen Vergangenheit“ im Norden nach dem Krieg. Und die 2002 gegründete „Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten“ habe die Erwartungen nicht erfüllen können. Ein landesweites Gedenkstättenkonzept, wie es im Koalitionsvertrag der SPD-Grünen-SSW-Landesregierung gefordert wird, sei überfällig. Bis 2017 sollen die Projekte Neulandhalle und Ladelund realisiert werden.

„Erbärmlich“ sind laut Spoorendonk in der Vergangenheit die Mittel für die Gedenkstättenarbeit gewesen. Erst 1996 habe das Land hierfür überhaupt einen Haushaltstitel im Landesetat eingeführt. Die Mittel seien zuletzt von 60.000 auf 120.000 Euro im Jahr aufgestockt worden. Sie wolle sich dafür einsetzen, die Mittel weiter zu erhöhen, sagte Spoorendonk.

Für Schüler sollte es nach ihren Vorstellungen Pflicht werden, eine Gedenkstätte zu besuchen. Sie sei mit Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) darüber im Gespräch, dass die Lehrpläne für die Schulen in Schleswig-Holstein dies künftig verbindlich vorsehen wie es in anderen Bundesländern üblich sei.

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erstellt am 02.Sep.2013 | 15:34 Uhr

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