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Wettbewerb für Landwirte in SH : Schleswig-Holstein sucht den Super-Knick

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Die Bewerbungsfrist ist vorbei. Jetzt wählt die Jury nach spezifischen Kriterien aus, welche Wallhecke die schönste ist.

Kiel | Wer hat den schönsten und bestgepflegtesten Knick in Schleswig-Holstein? Dieser Frage gehen der Bauernverband Schleswig-Holstein, der Landesverband der Lohnunternehmer in Land- und Forstwirtschaft und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund nach. Dafür starteten sie einen Wettbewerb, bei dem sich Landwirte mit zwei für ihren Betrieb repräsentativen Knicks bewerben sollten. Die Frist dafür endete am Montag. Gut zehn Landwirte haben sich beworben.

Segen und Fluch: Einige Knick-Besitzer haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Grün. Grund ist der so genannte Knick-Erlass von 2013. Darin schreibt die Regierung den Bauern etwa vor, dass sie das Land bis zu einer Entfernung von 50 Zentimetern zum Knickfuß bearbeiten dürfen. Wer sich jetzt daran hält und darüber hinaus seinen Knick pflegt wird beim Wettbewerb gewürdigt.

Wie es die alternative Bezeichnung „Wallhecke“ zutreffend ausdrückt, besteht ein Knick aus einem ungefähr 0,8 bis ein Meter hohen Erdwall, dessen abgeflachte Oberseite dicht mit strauchartig wachsenden Gehölzen bewachsen ist. Auf dem Randstreifen des Knicks wächst eine typische Begleitflora. Die Knicks wurden auf der Geest und im östlichen Hügelland meist bereits vor 200 Jahren angelegt, um landwirtschaftliche Flurstücke voneinander abzutrennen. Heute sind sie geschützter Naturraum.

Was macht einen gepflegten Knick aus?

Die Sieger werden nach festen Kriterien ausgewählt. Die angemeldeten Acker- oder Grünlandknicks sollten grundlegen einen guten Pflege- und Erhaltungszustand haben. Das bedeutet: Lage außerhalb geschlossender Ortschaften, deutlich ausgeprägter Wall, dichter Gehölzbestand und ein weitgehend durchgängiger Erdhügel ohne häufige Unterbrechungen wie Hecklöcher oder Trassen. „Wie ein gut gepflegter Knick aussieht, ist im Landesnaturschutzgesetz festgelegt“, so Jörg Bargmann, Jury-Mitglied und Koordinator des Wettbewerbs.

Darin heißt es zum Beispiel: „Zulässig ist das seitliche Einkürzen der Knickgehölze senkrecht in einer Entfernung von einem Meter vom Knickwallfuß bis zu einer Höhe von vier Metern. Bei ebenerdigen Pflanzungen ist ferner das Einkürzen oder Aufputzen unter Beachtung eines Mindestabstands von einem Meter vom Wurzelhals der am Rand der Gehölzstreifen angepflanzten Gehölze zulässig.“ Wer sich genau daran gehalten hat, hat bereits den ersten Schritt in Richtung Wettbewerbsgewinn gemacht.

Wie wird der Gewinner gefunden?

„Favoriten gibt es in diesem Jahr noch nicht“, das liege aber daran, dass die Auswertung grundsätzlich nach dem Ende der Bewerbungsfrist beginnt. „Wir prüfen erst, ob die grundlegenden Formalien erfüllt wurden. Dann rücken die für den jeweiligen Bereich, in dem der beworben Knick steht, zuständigen Jury-Mitglieder aus, um eine Vorauswahl zu treffen.“ Die favorisierten Knicks werden dann nocheinmal von der gesamten Jury begutachtet. Die Prämierung erfolgt im Oktober.

Besonders gute Chancen habe der Knick-Besitzer, der etwas über das Landesnaturschutzgesetz hinaus für seinen Wall tut. „Zum Beispiel ein extra breiter Schutzstreifen gibt Bonuspunkte“, schilderte Jörg Bargmann. Die Bepflanzung des Ackers darf laut Vorschrift erst 50 Zentimeter vom Knick entfernt beginnen. Wenn das Grüne sich zu den Seiten des Walls frei entfalten kann, spreche das auch für die Wallhecke.

Warum gibt es zwei Knick-Kategorien?

Die Bewerber werden in den Kategorien Grünland- und Ackerlandknick bewertet. Erstere liegen zwischen Wiesen und Weiden. Ihnen können die Landwirte meist mehr Platz zum Wuchern und Blühen einräumen. Die Ackerlandknicks halten sie in der Regel sehr schmal, also am Minimum des Erlaubten. Damit die Äste die Trecker nicht beschädigen.

Pro Knick hat jeder Bewerber zwei Bilder und damit zwei Teile des Knicks einzureichen. Der eine zeigt einen Knick in voller Blüte, der andere einen der auf den Stock gesetzt wurde. Bei letzteren kann die Jury besonders gut erkennen, ob das Runterschneiden sorgfältig gemacht wurde. Wenn nicht und die Äste ausgefranst sind, läuft das Gehölz Gefahr voller Wasser zu laufen und von schädlichen Pilzen befallen zu werden.

Wie sieht ein Sieger-Knick in der Praxis aus?

Beim vergangenen Knick-Wettbewerb 2009 gab es insgesamt 15 Bewerber mit 26 Knicks. Gewonnen hatte Willi Rüsch aus Schalkholz in der Kategorie Grünland. Sein Knick zeichnet sich durch sein dichtes Gehölz aus:

Der Knick von Willi Rüsch aus Schalkholz.

Der Knick von Willi Rüsch aus Schalkholz.

Foto: Holger Gerth

Den zweiten Platz belegte Reimer Mohr aus Rathlau:

Der Knick von Reimer Mohr aus Rathlau.

Der Knick von Reimer Mohr aus Rathlau.

Foto: Holger Gerth

In der Kategorie Ackerland lag 2009 der Knick vom Lämmerhof „Hack & Brüggemann“ in Panten vorne. Sein Grün ist prächtig:

Der Knick vom Lämmerhof „Hack & Brüggemann“ in Panten.

Der Knick vom Lämmerhof „Hack & Brüggemann“ in Panten.

Foto: Holger Gerth

Der zweitgepflegteste Knick am Acker war der von Claus Röschmann aus Tröndel. Er gehört zu den Bewerbern, die sich auch 2017 wieder den kritischen Augen der Jury stellen und auf die Auszeichnung hoffen.

Der Knick von Claus Röschmann aus Tröndel.

Der Knick von Claus Röschmann aus Tröndel.

Foto: Holger Gerth
 

Und warum überhaupt so viel Aufsehen um die Knicks?

„Knicks prägen seit rund 250 Jahren unser Land“, teilt der Schleswig-Holsteinische Heimatbund dazu mit. Die Wälle, die sich durch Schleswig-Holstein ziehen, haben eine Gesamtlänge von 68.000 Kilometern. Das ist eineinhalb mal um die Welt.

Zudem leben in den Knicks, , nach Angaben des Naturschutzbundes, rund 7000 Tierarten. Besonders für viele Vögel ist es eine wichtige Brutstätte in der Kulturlandschaft. Da die Wälle ein landschaftsprägendes Naturelement sind und aufgrund des Umweltschutzes, sollen besonders gut gepflegte Exemplare durch den Wettbewerb besonders gewürdigt werden.

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erstellt am 31.Jul.2017 | 19:51 Uhr

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