Ländervergleich Bildungswesen : Schleswig-Holstein klettert im Bildungsranking höher

Ein Schüler der 5. Klasse meldet sich am in einem Gymnasium im Englischunterricht.

Ein Schüler der 5. Klasse meldet sich am in einem Gymnasium im Englischunterricht. /Archiv

Schleswig-Holstein rückt im „Bildungsmonitor“ auf Platz zehn in Deutschland vor. Doch es gibt weiterhin klare Defizite.

shz.de von
15. August 2018, 16:50 Uhr

Köln/Kiel | Es geht aufwärts mit der Bildung im Norden – sagt zumindest die jüngste Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Schleswig-Holstein hat im Bildungswesen im Ländervergleich den Tabellenkeller verlassen. In dem am Mittwoch veröffentlichten Bildungsmonitor 2018 des unternehmernahen Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kletterte das nördlichste Bundesland im vergangenen Jahr von Platz 13 auf Rang zehn.

Stärken gebe es bei den Kriterien Zeiteffizienz und Bildungsarmut. Das heißt, nur wenige Kinder werden verspätet eingeschult oder wiederholen eine Klasse. Und: Nur ein geringer Anteil der Schüler erreicht nicht die Mindeststandards im Lesen.

Wenige Hochschulabsolventen, Ganztags-Kinder und internationale Studierende

Zu den Schwächen sagt der „Monitor“, es gebe nur wenige Hochschulabsolventen, an den Hochschulen sei die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Fächer gering und nur wenige Kinder an Kitas und Schulen besuchten Ganztagseinrichtungen. Zudem studierten im Land nur wenige Ausländer.

Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist in Schleswig-Holstein besonders unausgeglichen. Vor allem in Sekundarstufe II müsse ein Lehrer vergleichsweise viele Schüler betreuen. 2016 waren es rechnerisch im Schnitt 15,4 Schüler – der schlechteste Wert aller Bundesländer (Durchschnitt: 12,0). Auch an den Hochschulen war das Verhältnis zwischen Lehrkraft und Studenten deutlich unterdurchschnittlich.

An der Spitze des Rankings steht mit großem Abstand Sachsen mit 69,2 Punkten, gefolgt von Thüringen und Bayern. Schleswig-Holstein kommt auf 48,0. Ganz unten rangieren Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schlusslicht Bremen mit 42,5 Punkten.

Digitalisierung in Schulen in Schleswig-Holstein unterdurchschnittlich, aber auf dem Weg

Das IW hatte im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) 93 Indikatoren in zwölf Handlungsfeldern bewertet. Erstmals wurde die Digitalisierung analysiert, zum Beispiel die IT-Ausstattung der Schulen, die Kompetenzen der Lehrer, die Förderung von IT-Kompetenzen der Schüler und die Nutzung von Computern im Unterricht.

Hier schneidet der Norden unterdurchschnittlich ab. „Die gute Nachricht ist, dass Schleswig-Holstein einen Schritt nach vorn gemacht hat“, kommentierte Bildungsministerin Karin Prien.

Aufgaben, die der Bildungsmonitor beschreibt, habe die Landesregierung bereits angepackt, sagte die CDU-Politikerin. „So erhöhen wir die Qualität beim Erlernen der Basiskenntnisse Lesen, Schreiben und Rechnen in der Grundschule.“

Auch mit dem Digitalpaket des Landes und den digitalen Modellschulen seien die Weichen richtig gestellt. „Wir sehen zudem die Herausforderungen – zum Beispiel in den Bereichen MINT (Naturwissenschaften/Mathematik), Internationalisierung und Ganztag.“

SPD fühlt sich in Bildungspolitik bestätigt

Bestätigt in ihrer Bildungspolitik fühlte sich aber auch die bis 2017 im Norden regierende SPD. Die Zahlen zeigten, dass die Schulpolitik von Ex-Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) „so falsch nicht gewesen sein kann“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Die erreichten Erfolge würden durch die Bildungspolitik der Jamaika-Koalition allerdings in Frage gestellt.

Lob für die jüngste Gesamtentwicklung im Norden kam aus der Wirtschaft. „Die Versuche der vergangenen Jahre, die Qualität des Unterrichts zu verbessern, tragen endlich Früchte“, sagte der Geschäftsführer für Bildung bei den Arbeitgeberverbänden der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie, Peter Golinski.

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