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Fahrrad Fahren : Schleswig-Holstein ist das Radland Nummer eins

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nirgends gibt es so viele Fahrradwege – die Qualität lässt allerdings oft zu wünschen übrig .

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 06:23 Uhr

Berlin | Blauer Himmel, langes Wochenende – in diesen Tagen schwingen sich viele Ausflügler für lange Touren aufs Fahrrad. Dass das nirgends besser als in Schleswig-Holstein geht, legt eine aktuelle Statistik von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nahe: 56 Prozent der überörtlichen Straßen haben im nördlichsten Bundesland einen eigenen Radweg – so viele wie in keinem anderen Flächenland. „Schleswig-Holstein ist Fahrradland Nummer eins“, freut sich der für die Verwaltung der Bundes- und Landesstraßen zuständige Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer.

Fahrradwege in Schleswig-Holstein gehören zu den beliebtesten im ganzen Bundesgebiet. Radfahrer sind eine wichtige Zielgruppe für den Tourismus in Schleswig-Holstein.

 

Vor allem an den Bundesstraßen ist das Netz im Norden gut ausgebaut: 80 Prozent der Strecken haben hier einen Radweg – einsame Spitze. An Landesstraßen sind es gut 60 Prozent, an Kreisstraßen 40. Auch das sind Topwerte. Gab es im Land vor 25 Jahren gerade mal 1000 Kilometer Radwege an den überörtlichen Straßen inklusive Ortsdurchfahrten, sind es heute 5240. Hinzukommen 10.000 Kilometer geeignete, Feld-, Forst- oder Küstenwege. Meyer hält den Ausbau des Netzes im Land daher für nahezu abgeschlossen: „Straßen, die noch keinen Radweg haben, brauchen wegen der geringen Verkehrsbedeutung meist auch keinen“, sagt er. Stattdessen gelte für Radwege seit ein paar Jahren dasselbe wie für Autostraßen: „Schwerpunkt ist die Erhaltung des Bestandsnetzes.“

Der ADFC übt Kritik

Das ist allerdings auch dringend nötig, damit Schleswig-Holstein wirklich Fahrradland Nummer eins werden kann, kritisiert der Fahrradclub ADFC. „Das durchschnittliche Alter eines Radwegs an einer Bundesstraße ist hierzulande höher als 50 Jahre“, sagt Schleswig-Holsteins ADFC-Vizelandeschef Reiner Hinsch und warnt: „Auf solchen Wegen zu fahren, ist mit Vorsicht zu genießen.“ Selbst auf dem touristischen Vorzeigeradweg an der Ostseeküste gebe es kritische Stellen.

Hinschs Kollege und ADFC-Landeschef Thomas Möller nennt die häufigsten Probleme auf den Radwegen im Land: „Sie haben Risse, Schlaglöcher und wuchern von den Seiten zu.“ In Städten seien sie oft ein Sicherheitsrisiko, weil sie an Kreuzungen unübersichtlich geführt würden. Schließlich seien viele Wege zu schmal, um gut überholen zu können. „Das aber wird wegen der steigenden Zahl von Radfahrern und den schnellen Pedelecs immer wichtiger“, sagt Möller.

Minister Meyer räumt ein, dass von den Radwegen an Landesstraßen jeder vierte Kilometer „dringend erhaltungsbedürftig“ ist. Allerdings sei auch die Hälfte in einwandfreiem Zustand. Die Wege an Bundes- und Kreisstraßen sind noch nicht geprüft worden. Bei künftigen Sanierungen von Radwegen will SPD-Politiker Meyer sich von der Frage leiten lassen, welche wichtig für Schüler sind. Allzu viel Geld haben Land, Bund und Kommunen zuletzt allerdings nicht in Radwege investiert: In den vergangenen fünf Jahren waren es nur drei bis sechs Millionen Euro jährlich – im Schnitt der Nullerjahre dagegen elf Millionen.

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