Dürre-Sommer 2018 : Schlechteste Ernte seit über 40 Jahren in SH – Bauern bekommen Millionen-Nothilfe

Die lange Dürre sorgte für enorme Ernteausfälle bei den Landwirten in Schleswig-Holsteins.
Die lange Dürre sorgte für enorme Ernteausfälle bei den Landwirten in Schleswig-Holsteins.

Zu heiße Jahre sind keine Einzelfälle mehr. Der Klimawandel erreicht auch Schleswig-Holstein, sagt Minister Habeck.

shz.de von
22. August 2018, 18:40 Uhr

Nordstrand | Die Stimmung unter Schleswig-Holsteins Bauern ist schlecht: Viele werden das dritte Jahr in Folge keine gute Ernte einfahren. Der Klimawandel kommt auch nach Schleswig-Holstein, sagt Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Der Dürresommer 2018 hat den Bauern im Norden extreme Verluste beschert. „Es ist die schlechteste Ernte in Schleswig-Holstein seit 1976“, sagte Habeck am Mittwoch auf Nordstrand. „Es erscheint mir richtig, den nationalen Notstand auszurufen“ – zumal auch die Ernteergebnisse von diesem Jahr nicht mit jenen von vor 42 Jahren eins zu eins verglichen werden könnten. Schließlich seien in dieser Zeit die Produktivität, das Saatgut und die technische Entwicklung der Maschinen fortgeschritten. Die Landwirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren ebenso verändert wie Autos oder Telefone, „so dass der Verlust – relativ gesehen – viel höher bewertet werden muss“.

Staat sollte den Betrieben helfen

Habeck nannte es richtig, dass der Staat den betroffenen Betrieben in der Not hilft. „Wir alle sind Profiteure davon, dass die Landwirte uns so günstige Lebensmittel zur Verfügung stellen“, sagte er. „Wir alle profitieren von dem System. Insofern ist es nur fair, dass dann auch die Gesellschaft den Betrieben, die in diesen engen Margen arbeitet, versucht zu helfen.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte am Mittwoch angekündigt, dass der Bund angesichts von Ernteschäden „nationalen Ausmaßes“ 150 bis 170 Millionen Euro geben werde.

Insgesamt sollen Landwirte mit starken Einbußen staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro bekommen, wobei die Länder die Hälfte des Gesamtbetrags tragen sollen. Insgesamt sind nach Länderangaben bundesweit rund 10.000 Betriebe so betroffen, dass sie in ihrer Existenz bedroht sind.

Das Nothilfe-Programm sei „das absolut richtige Signal“, sagte Habeck, der auch Grünen-Parteichef ist. Es sei richtig, die Betriebe kurzfristig zu unterstützen. „Schleswig-Holstein wird selbstverständlich seinen Teil zu diesem Programm beitragen“, versicherte Habeck. Über die Art der Ausgestaltung und wie verwaltungs- und kontrollintensiv es werde, bestehe jedoch Dissens. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir den betroffenen Betrieben unbürokratischer helfen“, sagte Habeck.

Nächste Woche werde in Berlin weiter über die Ausgestaltung des Programms beraten werden müssen. „Wir alle sind Profiteure davon, dass die Landwirte uns so günstige Lebensmittel zur Verfügung stellen“, betonte Habeck. „Insofern ist es nur fair, dass dann auch die Gesellschaft den Betrieben, die in diesen engen Margen arbeitet, versucht zu helfen.“ Es brauche jedoch auch strukturelle Veränderungen für eine klimaangepasste Landwirtschaft - und das sei eine mit weniger Tieren. Die Agrarpolitik müsse den Landwirten einen Weg aufzeigen, der wegführe vom „wachse oder weiche“.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer liegt der durchschnittliche Ertragsverlust in Schleswig-Holstein bei Winterweizen bei rund 18 Prozent, bei den anderen Wintergetreidearten bei 25 bis 40 Prozent.

Schleswig-Holstein: Fast ein Drittel weniger Getreide als im Vorjahr

Insgesamt wird in diesem Jahr eine Getreidemenge von 1,7 Millionen Tonnen Getreide erwartet. Das sind 31 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Kammerpräsident Claus Heller sagte. Fast alle Betriebe seien von Ertragsausfällen betroffen, hieß es.

Beim Raps liegen die Erträge vieler Betriebe bereits im dritten Jahr in Folge unter dem Durchschnitt. Die Erntemenge werde vom Statistikamt Nord mit 221.000 Tonnen auf 36 Prozent unter dem Vorjahresniveau prognostiziert, sagte Heller. Beim Mais sei regional unterschiedlich von Ertragsverlusten von bis zu 50 Prozent auszugehen. Bei Kartoffeln werden Ertragsverluste von 30 bis 40 Prozent erwartet. Dabei werden die Knollen zum Teil kleiner und mehliger sein.

Heiße Jahre sind keine Ausnahmen

Grund für die katastrophale Ernte waren die extremen Witterungsbedingungen. „Von September 2017 bis kurz vor Ostern hatten wir permanent Regen, die Böden waren so nass, dass man im Grunde nicht auf die Felder konnte, um die Saaten auszubringen“, sagte Habeck. Nach dem Regen kam eine kurze Zeit sogenannter Kahl-Fröste, die auch auf die Saat und die entstehenden Pflanzen einwirkte. „Dann begann schon die große Trockenheit mit anfangs der Hälfte der normalen Niederschläge im Mai und Juni, danach die totale Dürre und Hitze ab Juli. Die zehn heißesten Jahre seit Beginn der Wettermessung waren in den letzten 20 Jahren“, mahnte Habeck. Das seien keine Einzelereignisse: „Man muss mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich etwas ändert, dass der Klimawandel ankommt (...) auch in Schleswig-Holstein.“

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