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Nasse, kalte Jahreszeit in SH : Schimmel in der Wohnung, was tun?

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Wie heize und lüfte ich richtig und was ist, wenn bauliche Mängel den Schimmel hervorrufen? shz.de hat den Mieterbund gefragt, welche Rechte man als Mieter hat.

Mit der kalten Jahreszeit kommt auch die Feuchtigkeit wieder. Viele Mieter haben dann wieder Probleme mit nassen Fenstern und Wänden, Schimmel und deswegen Ärger mit dem Vermieter. Was man tun kann und welche Rechte man als Mieter hat, hat shz.de zusammengestellt.

Wie entsteht Schimmel in der Wohnung?

Ursache für Schimmel in der Wohnung ist immer erhöhte Feuchtigkeit. Diese kann bauliche Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel ein defektes Dach oder defekte Fallrohre, Risse im Mauerwerk, ungenügend ausgetrocknete Wände nach Baumaßnahmen oder Kondensation aufgrund von schlechter Isolierung. Aber auch falsches Lüften kann ursächlich für Schimmelbildung sein. Die Luftfeuchte sollte auf Dauer 65 bis 70 Prozent in der Raumluft (im Winter eher weniger) und unmittelbar entlang von Wandoberflächen 80 Prozent nicht überschreiten. Bildet sich Tauwasser, ist dies ein perfekter Nährboden für Pilze.

Wie viel Feuchtigkeit produziere ich in meiner Wohnung?

Jeder Mensch gibt Wasserdampf ab. In einem Dreipersonenhaushalt sind es je Person etwa 30 bis 100 Gramm pro Stunde. Durch Duschen, Waschen, Wäschetrocknen, Kochen sowie durch Pflanzen, Aquarien und andere Feuchtquellen kommen täglich etwa sechs bis 14 Kilogramm Wasser hinzu. Um zehn Kilogramm Wasser aus der Wohnung zu bekommen, müssen mehrere Kubikmeter Luft bewegt werden, sagt das Bundesumweltamt. Daher ist regelmäßiges Lüften wichtig, um Schimmel vorzubeugen. Warme Luft enthält bei gleicher relativer Feuchte mehr Wasser als kalte Luft. Kalte Außenluft nimmt beim Erwärmen Feuchtigkeit auf, die dann mit der erwärmten Luft wieder nach außen abgeführt werden kann. 

Wie kann ich Schimmel vermeiden?

Zunächst sollte die Raumtemperatur bei 20 Grad liegen. Ist man zu Hause, so sollte drei bis vier Mal täglich gelüftet werden, sagt Rechtsanwalt Detlev Gutsch vom Mieterbund in Flensburg. Ist man beruflich nicht zu Hause, so reiche einmaliges Lüften am Morgen und am Abend. Dabei sei es wichtig, die Fenster nicht auf Kipp zu stellen. „Entweder man macht eine Stoßlüftung, das heißt Fenster auf und Tür zu oder man lüftet richtig durch. Hierbei öffnet man Türen und Fenster und schließt diese wieder, wenn es in der Wohnung kalt wird“, empfiehlt Gutsch. Oft reichten schon fünf bis zehn Minuten. Wer das Schlafzimmer kühler haben möchte, sollte darauf achten, dass die Tür geschlossen bleibt. Wärme aus anderen Räumen kann ansonsten dafür sorgen, dass Feuchtigkeit sich auf Wänden oder an Fenstern niederschlägt.

Und wenn ich trotzdem Schimmel habe?

Bildet sich trotz richtiger Lüftungs- und Heizmaßnahmen Schimmel, könnte ein baulicher Mangel ursächlich sein, sagt der Anwalt. „Hier sollte man sich dann im besten Falle Zeugen suchen, die ein richtiges Wohnverhalten bestätigen können.“ Wichtig sei es aber, dass die Zeugen nicht als Mieter im Mietvertrag angegeben sind. Das können zum Beispiel die erwachsenen Kinder sein. Außerdem sei es sinnvoll, eine Liste über das Lüften zu führen und eventuell Fotos über das Außmaß des Schimmels zu machen. „Besser sind allerdings Zeugen“, sagt Gutsch.

Kann ich mir externe Hilfe holen?

„In Flensburg bietet das Gesundheitsamt an, einen Gesundheitsingenieur mit der Begutachtung der Wohnung zu beauftragen“, sagt Gutsch. Diese Ingenieure würden für einen fairen Preis einen kleinen Bericht verfassen, der bestätige ob bauliche Mängel oder falsches Wohnverhalten als Ursache für den Schimmelbefall verantwortlich sind. Liegen gravierende Mängel vor, so könne sogar das Bauordnungsamt eingeschaltet werden.

Wie gehe ich als Mieter vor?

Liegen bauliche Mängel vor und kann man sein richtiges Heiz-und Lüftungsverhalten nachweisen, muss der Vermieter reagieren. „Zunächst sollte man das Gespräch zum Vermieter suchen – entweder persönlich oder per Telefon und die Mängel erläutern“, sagt Gutsch. Wenn der Vermieter innerhalb 14 Tagen nicht reagiere, könne man zunächst eine Mietminderung ankündigen. Dabei richte sich die Minderung nach der Schwere der Mängel und sollte – nach einem BGH-Urteil vom 6. April 2005 – auf die Bruttomiete angesetzt werden. Ist zum Beispiel ein Raum in einer 3-Zimmer-Wohnung nicht mehr bewohnbar, so ist eine Minderung um 30 Prozent realistisch, so Gutsch. Wichtig sei, dass man Fristen für die Mängelbeseitigung setzt.

Kann ich für die Einschätzung Mietminderungstabellen nutzen?

„Die Nutzung solcher Tabellen mit Präzendenzfällen ist riskant“, sagt Detlev Gutsch. Bei zu hoher Minderung sei eine fristlose Kündigung des Vermieters möglich, sofern die Mieteinnahmen in der Folge ausbleiben. Man sollte daher vorsichtig reagieren.

Wie lange kann ich die Miete mindern?

„Grundsätzlich so lange, bis die Mängel behoben sind“, sagt Gutsch. Dabei reiche es zum Beispiel nicht, dass der Vermieter neu streicht und tapeziert, da der eigentliche Mangel nicht entfernt wird. „Wenn man nach zwei bis sechs Wochen wieder Schimmel hat, ist der Mangel noch da.“

Wann kann ich als Mieter fristlos kündigen?

Werden vom Mieter gesetzte Fristen nicht eingehalten und sind die Mängel berechtigt, so kann man auch als Mieter fristlos kündigen. „Die Frist zu der ein Mieter selbst kündigt, sollte auch innerhalb von drei Monaten liegen und dann vom Mieter auch eingehalten werden“, so Gutsch.

Ich habe Schimmel in der Wohnung und ein kleines Kind, was tun?

Generell sollte der Vermieter dann erst Recht schnell handeln, sagt Gutsch. „Kinder sind empfindlicher und anfälliger für chronische Leiden.“

Was ist, wenn ich oder mein Kind eine chronische Erkrankung bekommen?

Hier besteht nur selten Anspruch auf Schmerzensgeld. Liegt eine chronische Erkrankung vor, so ist in der Regel nicht nachzuweisen, dass der Schimmel in der Wohnung ursächlich ist. Vielmehr könnten auch andere Gründe die Krankheit ausgelöst haben. „Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die Mängel in der Wohnung Schuld an der Erkrankung sind, dennoch sollte man dann eher die Mängelbeseitigung einklagen“, sagt Gosch. Gerade die steigenden Wohnungsmieten seien ein Grund, warum viele Mieter in ihrer bisherigen Wohnung bleiben wollen. „Bevor man vor Gericht zieht, sollte man den Vermieter zunächst auffordern, die Mängel innerhalb einer gesetzten Frist fachgerecht zu beseitigen.“

Wie wichtig ist eine Rechtsschutzversicherung?

Ohne Rechtsschutz ist es schwierig. Daher empfiehlt Detlev Gutsch eine solche Versicherung. „Man sollte allerdings beachten, dass es eine Wartefrist von drei Monaten gibt.“ Schließt man eine solche Versicherung ab, greift diese erst nach drei Monaten. Mängel wie Schimmel, die bereits vorher bestanden haben, zählen dann nicht. Im Mitgliedschaftsbeitrag des Deutschen Mieterbundes ist eine Rechtsschutzversicherung integriert. Der Mieterbund ist zudem behilflich, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. „Über den Mieterverein finden wir in 98 Prozent der Fälle eine außergerichtliche Lösung“ sagt Gutsch.

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erstellt am 27.Okt.2014 | 20:43 Uhr

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