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Interview : Sarah Connor: „Norddeutschland ist meine Heimat“

vom
Aus der Onlineredaktion

Auf Einladung des sh:z tritt die Sängerin am 30. Januar in der Flensburg auf. Im Interview mit unserer Zeitung spricht sie über ihre norddeutsche Heimat und warum sie ihre Musik-Karriere beinahe aufgegeben hätte.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 12:16 Uhr

Berlin | Mit ihrem Album „Muttersprache“ ist Sarah Connor ein beachtliches Comeback im Musik-Business gelungen, mit dem sie nun auch auf Tour geht. Am 30. Januar ist sie zu Gast in Flensburg. Unsere Mitarbeiterin Dagmar Leischow hat mit ihr gesprochen.

Frau Connor, mit Ihrem Auftritt in Flensburg werden 150 Jahre Flensburger Tageblatt gefeiert. Was bedeutet Ihnen das als gebürtige Norddeutsche?
Norddeutschland ist meine Heimat. Geborgenheit. Erinnerungen. Der Geruch der Felder, die platten Äcker. Die Kühe, die Windmühlen, der Regen und der Wind. Ich nehme mir jedes Mal einen Moment Zeit, wenn ich aus dem Auto steige, atme tief ein und lasse diese Luft durch meine Adern fließen. Die Ruhe, die sich einstellt, wenn der Blick schweifen kann… Das fehlt mir in Berlin. Sehr sogar.

Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihre Kindheit in Hamburg?
Total gut. Meine ersten Lebensjahre habe ich in Altona verbracht, meine Eltern lebten alternativ. Ich weiß noch: An meiner Schule im Trenknerweg kam immer der Eiswagen vorbei. Bis heute ist mir der Geschmack des Softeises im Gedächtnis geblieben.

Mit neun sind Sie dann nach Delmenhorst gezogen, heute wohnen Sie in Berlin. Könnten Sie sich vorstellen, wieder in den Norden zurückzukehren?
Momentan bin ich sehr glücklich in Berlin. Aber es hat drei Jahre gedauert, bis ich mich hier wirklich zu Hause gefühlt habe. Zwischendurch hatte ich großes Heimweh. Und wenn ich jetzt in meine alte Heimat fahre, kriege ich nach wie vor Herzklopfen. Ich mag diese Weite, dieses ganz eigene Landschaftsbild des Nordens.

Sie scheinen kein richtiger Großstadtmensch zu sein.
Das werde ich auch nie werden. Selbst in Berlin wohne ich am Stadtrand. Am Wochenende fahre ich mit meinen Kindern gern raus nach Brandenburg. Ich mag das Grün, die Wälder, die Seen.

Und was schätzen Sie an Berlin?
Diese Metropole pulsiert einfach. Sie ist unheimlich vielseitig. Überall trifft man kreative, weltoffene Menschen, die Stadt bietet ein großes kulturelles Angebot. Theoretisch könnte ich jeden Tag zu irgendeiner Veranstaltung gehen. Doch rote Teppiche sind mir unangenehm. Ich lebe sehr zurückgezogen und genieße die Anonymität. Auf dem Land, wo jeder jeden kennt, war das nicht möglich. Manchmal haben die Paparazzi bei mir vorm Tor geschlafen, weil ich die einzige Attraktion in der Umgebung war. In Berlin gibt es wesentlich weniger Aufregung um meine Person.

Zumal Sie sich als Sängerin eine Weile völlig zurückgezogen hatten.
Zwischen meinem 20. und 30. Lebensjahr bin ich fast nur gereist. Ich war in so einem Rausch, der nicht aufgehört hat. Als ich mich dann 2008 von meinem ersten Mann getrennt habe, wollte ich mich neu justieren. Ich habe mich gefragt: Wo stehe ich? Wer bin ich als Mutter? Wie wachsen meine Kinder auf? Fortan lag meine Priorität ganz klar auf meinem Privatleben. Ich habe ganz normale Dinge getan: Ich bin mit den Hunden spazierengegangen, habe gekocht, meine Kinder von der Schule abgeholt oder Philosophie-Vorlesungen an der Uni besucht.

Haben Sie ernsthaft überlegt, die Musik an den Nagel zu hängen?
Ja, klar. Ich hatte das Gefühl, dass mich vieles mehr ausmacht als nur die Karriere im Showgeschäft. Also habe ich über mögliche Alternativen nachgedacht. Sollte ich vielleicht einen anderen Beruf erlernen? Eine Firma gründen? Künstler fördern? Mit den Rosenstolz-Jungs bin ich eher zufällig ins Studio gegangen. Wir haben angefangen, deutsche Songs zu schreiben. Ganz ohne Druck. Ich hielt meine Plattenfirma lange hin, bevor ich einen Vertrag unterzeichnet habe.

Haben Sie sich mit Ihrem ersten deutschsprachigen Album „Muttersprache“ einen Traum erfüllt?
Nein. Es war eine logische Entwicklung. Bei „Sing my Song“ bekam ich extrem positive Reaktionen auf meinen deutschen Gesang. Es lag auf der Hand, einen künstlerischen Einschnitt zu machen und sich fortan auf die deutsche Sprache zu konzentrieren. Deutsche Texte sind direkter, intensiver. Man kann sich ihnen nicht entziehen.

Hatten Sie das Bedürfnis, in Ihren neuen Liedern einiges abzuarbeiten?
Ich habe überlegt: Was bewegt mich? Was macht mich glücklich? Was traurig? Die Initialzündung zu dem Stück „Wie schön du bist“ kam zum Beispiel von meinem Sohn. Er hatte so einen Moment, wo er ein bisschen verloren wirkte. Darum habe ich ihm einen Song geschenkt, mit dem ich ihm sage, wie schön er ist. Ich könnte mir dieses Lied aber auch selbst im Spiegel vorsingen, wenn ich an mir zweifle. Wenigstens bin ich heute nicht mehr so streng mit mir wie früher. Ich verzeihe mir schneller und weiß, dass ich mich so annehmen muss, wie ich bin.

Heißt das, Sie bereuen nichts, wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken?
All das, was in der Vergangenheit vielleicht schiefgelaufen ist, gehört zu mir. Sicherlich würde ich jetzt keine Reality-Show wie „Sarah & Marc in Love“ mehr machen. Aber mit 24 war ich ein anderer Mensch, ich hatte einen anderen Partner, ein anderes Leben. Die Dreharbeiten haben mir damals total viel Spaß gemacht. Nur hätte ich mir nicht träumen lassen, dass die Menschen zehn Jahre später mehr über diese Doku-Soap als über meine Platten sprechen würden. Ich habe da wohl ein Monster heraufbeschworen, das ich selber gar nicht mehr kontrollieren konnte.

Haben Sie daraus die Konsequenzen gezogen? Überlegen Sie mittlerweile genau, was Sie öffentlich tun und sagen?
Ich habe auch früher mein Privatleben extrem geschützt. Bloß glaubten die Leute nach dieser Sendung, ein Anrecht darauf zu haben, alles über mich zu erfahren. Ihrer Ansicht nach gehörte ich ihnen ein Stück weit. So weit würde ich es nie wieder kommen lassen.

150 Jahre Flensburger Tageblatt:
„Sarah Connor - Muttersprache live"

Samstag, 30. Januar, Flens-Arena, Flensburg

Tickets erhalten Sie in den Kundencentern Ihrer Tageszeitung, hier online und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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