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Großbaustelle bei Rendsburg : Sanierung: Unendliches Drama um Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Versteckte Stahlteile und andere böse Überraschungen: Auf der Rendsburger Großbaustelle läuft einiges schief.

Rendsburg | Es ist eines der vielen Ärgernisse für die Rendsburger: Die Grunderneuerung des Tunnels unter dem Nord-Ostsee-Kanal, die nun schon über zwei Jahre länger dauert als geplant - Ende nicht in Sicht. Denn wenn die Oströhre im Sommer fertig sein könnte, soll die Weströhre dran kommen. Für die es aber noch keinen Bauzeitenplan gibt.

Die Bauarbeiten dauern immer länger, die Kosten schießen in die Höhe, die Nerven liegen blank. Eine Ärgernis ist die Großbaustelle vor allem für tausende Pendler, die vor dem Tunnel jeden Tag im Stau stehen.

Für die Rendsburger gibt es mehrere Gründe, um jeden Tag in die Röhre zu blicken. Und immer wieder aufs Neue wütend zu werden. Ihre Laster: Ein seit 2009 leer stehendes Hertie-Kaufhaus mitten in der Altstadt. Die schleppende Konversion der beiden ehemaligen Kasernen. Die nach der Kollision mit einem Frachter außer Gefecht gesetzte Schwebefähre. Die aus dem letzten Loch pfeifende Rader Hochbrücke. Als Gipfel allen öffentlichen Übels wird jedoch das fünfte Ärgernis empfunden – die schier endlose Grunderneuerung des Tunnels unter dem Nord-Ostsee-Kanal.

Mit dem heutigen Tag ist die Oströhre seit genau drei Jahren, acht Monaten und drei Tagen für den Verkehr gesperrt. Zum Vergleich: Der Bau des Kanaltunnels zwischen 1957 und 1961 dauerte einen Tag weniger. Wohlgemerkt der Bau des gesamten Tunnels – nicht nur einer einzigen Röhre.

Nach den ersten Plänen sollte die Sanierung der vierspurigen Querung Ende 2013 abgeschlossen sein und 25 Millionen Euro kosten. Diese Ziele rückten schon früh in weite Ferne. Die Gründe sind vielschichtig. Zunächst traten technische Probleme auf. Zu den unangenehmen Überraschungen gehörten 7000 Stahlstifte im Boden, die beim Bau vor einem halben Jahrhundert nicht entfernt und angeblich in keinem Plan verzeichnet worden waren. Das Dilemma: Es verbot sich, den Stahl zu entfernen, das hätte die Statik des Tunnels beeinflusst.

Den Straßenbelag um zehn Zentimeter aufzufüllen, kam aus Platzgründen ebenfalls nicht in Frage. Also mussten flachere Entwässerungsrinnen her. Diese mussten erst entwickelt und angefertigt werden. Nach diesem Muster setzten sich die Verzögerungen fort. Auch veränderte Bauvorschriften stellten die federführenden Ingenieure des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau vor immer neue Probleme. Zuletzt kam das mit der Erneuerung beauftragte Baufirmen-Konsortium der Dokumentationspflicht für die Betriebs- und Verkehrsleittechnik nicht nach.

Die Experten hatten zwar Höhenkontrolle, Schilder und Beleuchtung verbaut, aber – vereinfacht gesagt – kein Handbuch mitgeliefert. Als ein hoher Beamter aus dem Bundesverkehrsministerium dies im Februar den Politikern im Rendsburger Kreishaus mitteilte und die Inbetriebnahme der Oströhre um weitere Monate verschob, erntete er höhnisches Gelächter.

Jetzt soll die Röhre im Laufe des Sommers freigegeben werden. Was danach kommt, ist ungewiss. Mit der Weströhre soll erst begonnen werden, wenn ein verbindlicher Bauzeitenplan vorliegt. Möglicherweise werden die Verträge mit den Baufirmen neu ausgehandelt. Auch das kostet Zeit. Nicht zuletzt die Zeit tausender Pendler. Fast täglich staut sich der Verkehr auf beiden Seiten des Tunnels. Der dadurch verursachte Schaden für die Wirtschaft beträgt inzwischen mehr als 26 Millionen Euro, das hat der Unternehmensverband Mittelholstein ausgerechnet. „Die Nerven in der regionalen Wirtschaft liegen blank“, sagt Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich.

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erstellt am 30.Mär.2016 | 16:24 Uhr

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