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Mit Sternenkarte : Sagenhafte Herbst-Sternbilder – So lohnt sich der Blick in den Nachthimmel

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Die Nächte beginnen früher und der Oktober hält für Sternengucker in Schleswig-Holstein viel Sehenswertes bereit.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 17:26 Uhr

Der goldene Herbst hüllt Norddeutschland in ein buntes Farbenkleid und auch der abendliche Anblick des Sternenhimmels ändert sich. Die Nächte beginnen früher. Am Firmament funkeln die Herbststernbilder. Allen voran sticht dabei das markante Herbstviereck ins Auge. Man findet es, indem man zunächst den Klassiker unter den Sternbildern aufsucht: den Großen Wagen. Im Herbst steht der Große Wagen am späten Abend tief über dem Nordhorizont. Verlängern wir die gedachte Verbindungslinie der äußeren beiden Kastensterne aufwärts, so gelangen wir zunächst zum Polarstern. Er wird auch Nordstern genannt, weil er immer genau im Norden steht.

Setzen wir unsere Reise in gleicher Richtung nach oben fort, so überqueren wir kopfüber zunächst die Milchstraße und gelangen dann zum großen Herbstviereck. Es besteht aus vier hellen Sternen, die fast quadratisch in südlicher Richtung hoch am Himmel stehen.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel über Schleswig-Holstein im Oktober um etwa 22 Uhr und im November gegen 19 Uhr.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel über Schleswig-Holstein im Oktober um etwa 22 Uhr und im November gegen 19 Uhr.

Foto: Torsten Rahn (Grafik)
 

Auf der Panoramakarte des nächtlichen Herbsthimmels (großes Bild) können wir unsere Reise über das Himmelszelt mitverfolgen. Die Sternkarte zeigt den gesamten abendlichen Sternenhimmel über Schleswig Holstein: also genau so, wie ihn ein liegender Beobachter beim Blick nach oben sehen würde.

Das Herbstviereck erleichtert die Orientierung am herbstlichen Nachthimmel. Angefangen mit dem linken oberen Stern im Viereck windet sich eine Kette von vier Sternen nach links oben in östlicher Richtung: Sie bilden das Sternbild Andromeda. Biegen wir beim mittleren Stern ab und lenken wir unseren Blick zwei Sterne aufwärts, so treffen wir an dieser Stelle auf die Andromedagalaxie. Sie trägt die Katalognummer M31. In mondlosen Nächten erkennt man sie dort schon mit bloßem Auge als ovalen Nebelfleck – etwa halb so groß wie der Vollmond. Bei aufgehelltem Himmel hilft dabei in der Regel ein Fernglas. Hier blicken wir auf die Nachbargalaxie unserer Milchstraße. Rund 1000 Milliarden Sterne stehen dort in einer scheibenförmigen Anordnung. 

Vielleicht haben Sie sich einmal die Frage gestellt: „Wie weit kann man mit bloßem Auge sehen?“ Dann liefert Ihnen die Andromedagalaxie einen Hinweis auf die Antwort: das Licht der Andromedagalaxie ist rund 2,5 Millionen Jahre unterwegs bis es unser Auge erreicht. Auf dem kosmischen Kilometerzähler entspricht dies einer schier unvorstellbar großen Entfernung: eine Zwei, dann kommen 19 Nullen.

Im Umfeld der Andromeda findet man viele Sternbilder, deren Namen aus der sagenhaften Mythenwelt der alten Griechen entsprungen sind: Die Prinzessin Andromeda war demnach die Tochter des Königspaares Kepheus und Kassiopeia. Ihr Königreich Äthiopien wurde durch den Meeresgott Poseidon von Flutkatastrophen heimgesucht. Um Poseidon gnädig zu stimmen, soll Andromeda dem Meeresungeheuer Ketos geopfert werden. Der heldenhafte Halbgott Perseus bekämpft das Ungeheuer jedoch erfolgreich, befreit die Prinzessin und heiratet sie. Die Hauptfiguren der Erzählung werden anschließend von den Göttern an den Sternenhimmel versetzt.

Und so findet man Perseus am Sternenhimmel gleich neben Andromeda hoch im Osten – sein Umriss erinnert an einen Greifarm. Darüber stehen die Sternbilder Kassiopeia und Kepheus. Das Sternbild Kassiopeia ist aufgrund seiner prägnanten Form auch als „Himmels-W“ bekannt. Der rechte untere Teil des Herbstvierecks ist Teil des Sternbildes Pegasus. In der modernen Form der Andromedasage hilft das geflügelte Pferd Pegasus dem Helden Perseus bei der Rettung der Andromeda.

Kurioserweise steht Pegasus am Sternenhimmel auf dem Kopf – zur Illustration ist das Sternbild auf der Sternkarte mit der figürlichen Darstellung unterlegt. Rechts neben Pegasus bereitet sich das Sommerdreieck im Westen auf den Untergang vor. Es befindet sich im wohl schönsten Teil der Milchstraße und erinnert uns als typisches Sommersternbild an die vergangenen Sommernächte.

Die hellen Planeten tummeln sich in diesen Wochen entweder am frühen Abend- oder Morgenhimmel und fehlen daher auf unserer Karte des Nachthimmels. Frühaufstehern wird aktuell in der Morgendämmerung die Venus auffallen. Bei freier Horizontsicht entdeckt man sie als strahlend hellen Morgenstern im Osten. Venus und Mars treffen sich am 5. und am 6. Oktober zu einem sehenswerten Stelldichein: Am Donnerstagmorgen steht Mars als rötlicher Lichtpunkt direkt unterhalb der hellen Venus: Der scheinbare Abstand am Himmel liegt dann knapp unter einem Vollmonddurchmesser. Bereits am darauffolgenden Morgen ist die Venus weitergewandert und der Mars steht dann unmittelbar rechts neben ihr.

 In den nächsten Wochen gibt der Ringplanet Saturn am Abendhimmel seine Abschiedsvorstellung und ist aufgrund seiner Horizontnähe in Norddeutschland nur ungünstig zu beobachten. Wer hingegen schon immer einmal den fernen Planeten Uranus mit eigenen Augen sehen wollte, sollte jetzt die Gelegenheit ergreifen. Aufgrund seiner geringen Helligkeit ist er mit bloßem Auge jedoch nur bei dunklem Himmel zu entdecken. Dazu sucht man unterhalb vom Herbstviereck zunächst das Sternbild Fische auf. Von der linken Spitze der Fische aus hangelt man sich die Sternenkette entlang genau einen Stern nach oben. Unmittelbar rechts neben diesem Stern steht Uranus als grünblauer, sehr schwacher Lichtpunkt. Ein Fernglas kann bei der Suche nützlich sein.

Auch die Raumstation ISS sollte man einmal am Himmel gesehen haben. Eine Chance dazu bietet sich am 1. Oktober gegen 20.54 Uhr. Dann zieht sie als strahlend heller auffälliger Stern langsam innerhalb von drei Minuten über den Südwesthimmel: Die ISS erscheint zunächst am Westhorizont und zieht dann langsam an der unteren Spitze des Sommerdreiecks vorbei. Das Schauspiel wiederholt sich in ähnlicher Form am darauffolgenden Tag gegen 20.02 Uhr. Vielleicht schaut ja zeitgleich einer der sechs ISS-Astronauten herunter auf die Erde: Also beim Beobachten das Winken nicht vergessen. Weitere ISS-Beobachtungstermine finden Sie im Internet (iss.de.astroviewer.net).

INFOS: Planetarium

Wer  tagsüber einmal den Himmel beobachten möchte, kann dies im Glücksburger Menke-Planetarium (www.planetarium-gluecksburg.de) und im Kieler Mediendom  (www.mediendom.fh-kiel.de) tun. Dort gibt es unter der großen Planetariumskuppel einen digitalen Sternenhimmel mit Veranstaltungen für die ganze Familie. Bei gutem Wetter kann man dies abends oft auch mit einem Blick durch das Teleskop in der angrenzenden Sternwarte verbinden.

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