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Blutspender gesucht : Rotes Kreuz schlägt Alarm: Blutreserven werden knapp

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schon bald müssen Operationen verschoben werden, warnt das DRK. Denn vor allem im Sommer fehlen Blutkonserven.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2016 | 19:28 Uhr

Lütjensee | Der Blutspendedienst Nord-Ost des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Lütjensee (Kreis Plön) ist alarmiert: „Es wird eng, weniger Menschen spenden Blut, wir haben nur noch Vorräte für ein oder zwei Tage“, sagt Sprecherin Susanne von Rabenau – und ruft zu Spenden auf. Die Gründe für den Engpass seien vielfältig. „Wir glauben, dass es am warmen Wetter und den in diesem Jahr früh liegenden Feiertagen begründet ist“, so Rabenau. „Da haben die Menschen andere Dinge im Kopf als Blut zu spenden.“

Blutspenden können Patienten das Leben retten -  und auch dem Spender. Denn das Blut wird medizinisch untersucht und der Spender dann informiert. Spendetermine und Informationen gibt es auf der Homepage des DRK.

Das DRK deckt nach eigener Aussage rund 70 Prozent des Bedarfs an Blutspenden in Schleswig-Holstein und Hamburg ab, 550 Spenden seien dafür täglich nötig. „Dass wir im Sommer immer eine Lücke haben, damit planen wir mittlerweile, von dem jetzigen Engpass sind wir allerdings etwas überrascht worden“, so Rabenau. Halte der Trend an, könnte es schon bald nötig werden, Operationen zu verschieben.

„Das Problem ist, dass manche Präparate, die wir aus Blutspenden gewinnen, nur wenige Tage haltbar sind. Auch die sogenannten roten Blutbeutel halten maximal nur 42 Tage.“ Deshalb könne das DRK keine Vorräte anlegen. „Allerdings brauchen die Patienten auch Blut wenn es warm ist – und auch dann kann gespendet werden.“ Neun Teams hat das DRK jeden Tag im Einsatz, im Sommer ist zudem ein Blutspendemobil in den Urlaubsorten unterwegs.

Allgemein verzeichnen die Blutspendedienste einen Rücklauf an Spenden. „Parallel zum deutschlandweiten Trend ist auch bei uns die Spendenbereitschaft seit etwa zehn Jahren leider rückläufig – etwa fünf Prozent pro Jahr“, sagt Robert Adam, Leiter des Blutspendedienstes im Klinikum Itzehoe. Mit werbewirksamen Aktionen versucht er gegenzusteuern – etwa durch Kooperationen mit dem Wacken Open Air, wenn regelmäßig Metalfans im Klinikum „angezapft“ werden.

Das DRK wirbt seit Jahren vor allem um jüngere Spender, denn die Altersgrenze liegt bei 73 Jahren. Bei manchen Aktionen gebe es zwar Geschenke sagt von Rabenau, aber Prämien für Spenden seien ausgeschlossen. „Wir geben die Spenden zum Selbstkostenpreis ab – und sind gemeinnützig.“

Demut statt Alarmrituale - ein Kommentar von Dieter Schulz

Die Blutkonserven beim DRK-Blutspendedienst reichen derzeit für eineinhalb Tage.
Die Blutkonserven beim DRK-Blutspendedienst reichen derzeit für eineinhalb Tage. Foto: Pleul/pt
 

Alle Jahre wieder: Zuerst klingeln die freundlichen Straßenkolonnen des Nabu und bitten um tatkräftige Mithilfe beim Vögelzählen (samt Überreichung des Spendenformulars) und nur wenig später schlägt das DRK Alarm: Die Blutkonserven werden knapp. Ja, der ganz besondere Saft rettet jeden Tag Hunderten Kranken und Verletzten das Leben – ob bei der Erstversorgung nach einem Unfall oder als unverzichtbarer Helfer bei der OP im Krankenhaus. 550 Blutspenden werden allein in Schleswig-Holstein tagtäglich benötigt. Deshalb ist es nicht hoch genug zu würdigen, dass jeden Tag unzählige Menschen in Schleswig-Holstein den freiwilligen Aderlass auf sich nehmen.

Doch was für die Spender Herzensangelegenheit, Pflichtgefühl gegenüber der Allgemeinheit oder auch Dankbarkeit nach einer selbst erhaltenen Spende ist, ist für das DRK in erster Linie eines: Ein Riesengeschäft. Fünf bis zehn Minuten dauert die Spende, entnommen wird in der Regel ein halber Liter Blut. Die hilfsbereiten Freiwilligen bekommen ein Käsebrot und je nach Anzahl der geleisteten Spenden ein Ehrenzeichen, das DRK kassiert beim Verkauf der Konserven fast 270 Euro für den Liter. Allein in der Bundesrepublik beziffern Experten den Markt für Blut- und Plasma-Spenden auf über eine Milliarde Euro. International geht es um noch viel mehr Geld, in Krisengebieten herrscht eine kaum zu stillende Nachfrage.

Tatsächlich ist Blut eine Handelsware, und das DRK beherrscht mit knapp 75 Prozent den Markt. Privatunternehmen, die Spender bezahlen, decken gerade einmal fünf Prozent ab, den Rest besetzen kommunale oder universitäre Einrichtungen. Jährlich beläuft sich der DRK-Umsatz bundesweit auf 500 Millionen Euro. Weil das DRK als gemeinnützige Organisation keine Gewinne erwirtschaften darf, müssen Überschüsse aus dem Handel offiziell in die Blutspendedienste fließen. „Blut bedeutet in der russischen Sprache zugleich schön. Und sie hat recht“, heißt es nicht zu Unrecht. Schön wäre es, statt alljährlicher Alarmrituale mehr Demut und Dankbarkeit gegenüber den freiwilligen Spendern zu vernehmen.

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