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Sanierung der MuK : Rote Karte für die Musik- und Kongresshalle in Lübeck?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Instandsetzung der Lübecker Musik- und Kongresshalle wird Jahre dauern und Millionen verschlingen. Zu viele für die Hansestadt?

Wer zahlt die Zeche? Und zahlt überhaupt jemand? Auf der Suche nach einer Lösung für die Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) diskutieren Kommunalpolitiker nun nicht nur das Wie, sondern auch das Ob einer Sanierung. 22,3 Millionen Euro soll die Runderneuerung des 21 Jahre alten Gebäudes kosten. Wenn dabei das Land nicht hilft, will die Bürgerschafts-Mehrheit die Rote Karte zeigen.

Für Thorsten Fürter, Vorsitzender der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, ist die Sache klar: Ohne Landesmittel keine Sanierung. „Die Zeit der Blankoschecks ist vorbei“, hatte er bereits verkündet, als von den 22,3 Millionen Euro noch keine Rede war und Lübeck mit der nur 6,1 Millionen Euro teuren Sanierung des einsturzgefährdeten MuK-Konzertsaals rechnete. Und schon dieses Geld war von der Bürgerschafts-Mehrheit mindestens bis zur Januar-Sitzung eingefroren worden.

Zwei Wochen später und etliche Millionen mehr zeigen CDU, Grüne und FDP klare Kante, Bürgermeister Bernd Saxe solle erst ein Finanzierungskonzept auf den Tisch legen und vor allen Dingen erklären, wie sich das Land an den Kosten beteiligt. Geschieht Letzteres nicht, müsse die MuK entweder an einen privaten Investor verkauft oder aber stillgelegt werden, war schon von der FDP zu hören. Ob Geld aus Kiel fließt, ist noch unklar. Die Stadt habe um Förderung gebeten, sagt Verwaltungschef Saxe, und dies nicht nur beim Land, sondern auch bei den Stiftungen.

Prekär ist die Lage allemal. Der schlechte Zustand des Gebäudes ist einerseits auf unsachgemäße Arbeiten schon in der Bauphase zurückzuführen. Im Falle des Konzertsaals spricht Saxe von „Pfusch“ und davon, dass Firmen seinerzeit teure Materialien in Rechnung gestellt, aber billige eingebaut haben. Bausenator Franz-Peter Boden sieht jedoch wenig Chancen, nach mehr als 20 Jahren noch Regressansprüche geltend zu machen.

Andere Schäden dagegen sind hausgemacht. Schon vor Jahren hat der Aufsichtsrat der MuK auf einen erheblichen Sanierungsstau hingewiesen. Die Instandhaltung eines Gebäudes wie die MuK koste 1 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr, so Boden unlängst. Tatsächlich investiert wurden jahrelang – getreu dem Motto „wir sparen, koste es, was es wolle“ – ganze 135.000 Euro. Die Folge: Zusätzlich zum Konzertsaal, der bis 2017 wieder hergestellt sein soll, stehen die Ertüchtigung der Haustechnik (3,5 Millionen Euro), die Sanierung der Rotunde und des Foyers (2,5 Millionen Euro), das Dachs (1,5 Millionen Euro), der Fassade (3 Millionen Euro) sowie Baunebenkosten inklusive erforderlicher Fachplanungen beispielsweise für Akustik, Brandschutz, Trockenbau, technische Gebäudeausstattung, Hochbau etc. (5,8 Millionen Euro) auf der Sanierungs- beziehungsweise Modernisierungsliste. Repariert werden soll, so der Plan, mindestens bis Ende 2018 in insgesamt sechs Phasen.

Noch unklar ist, wie groß der Schaden sein wird, der durch den eingeschränkten Spielbetrieb entsteht. Aktuell werden Veranstaltungen in die Rotunde, auch ins Kolosseum und ins Theater ausgelagert (abgesagt sind bislang eine Handvoll). Allerdings hat jede dieser Spielstätten weniger Plätze als die bis zu 1900, die der große MuK-Konzertsaal bietet.

Noch schlimmer dürfte das Signal an Veranstalter sein, dass mit der Kostenschätzung von 22,3 Millionen Euro ausgesendet wird: Die MuK – ein Totalschaden. Das wiederum weist Boden von der Hand; ein Dach beispielsweise habe nun mal eine begrenzte Lebensdauer, das wisse jeder Hausbesitzer.

Schuld hin, Versäumnis her, der Imageschaden ist gewaltig. Allein dass die Stadt, die Hauptsitz des Schleswig-Holstein Musik Festivals ist, im kommenden Jahr keinen angemessen großen Saal haben wird, der die bislang gewohnten akustischen Bedingungen für das Eröffnungskonzert aufweisen kann, ist peinlich genug.

Dennoch muss im hoch verschuldeten Lübeck diskutiert werden, ob man sich die teuren Arbeiten an der Musik- und Kongresshalle leisten kann. SPD-Fraktionschef Jan Lindenau argumentiert mit der Umwegrentabilität und verweist auf die Bedeutung der MuK für Kultur und Tourismus als Besuchermagnet.

Saxe und Boden beschwichtigen die Kritiker unterdessen mit dem Hinweis, dass ja nicht alles auf einen Schlag bezahlt werden müsse, weil nicht jede Maßnahme so dringlich sei wie die an der Konzertsaal-Decke. Auch die Frage, wie jetzt gestellt von Bürgerschaftsmitgliedern, ob sich eine Sanierung zu diesem Preis überhaupt lohne oder ein Abriss und Neubau nicht wirtschaftlich vernünftiger sei, stellt sich für Boden nicht: Dies sei mindestens vier Mal teurer.

Umsonst ist auch eine Stilllegung nicht zu haben, darauf hat MuK-Chefin Ilona Jarabek verwiesen und weiß eine gute Nachricht in kritischer Zeit: Die Decke des Konzertsaals muss nicht komplett ausgetauscht, sondern kann teilweise ertüchtigt werden.

Dass eine in die Debatte geworfene Privatisierung gewaltig Ärger nach sich ziehen kann, ist in Lübeck am Beispiel des privatisierten Flughafens zu besichtigen, der 2014 und nun erneut in die Insolvenz marschiert ist. Für den bemüht sich Insolvenzverwalter Klaus Pannen gerade um einen neuerlichen Verkauf, ein Abschluss wird noch für 2015 angestrebt. Die Zahl der Mitarbeiter wurde derweil um ein Viertel auf gut 50 reduziert.

 

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erstellt am 20.Dez.2015 | 12:34 Uhr

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