Atommüll in Brunsbüttel : Rostende Atomfässer: Experten fordern mehr Sicherheit

Eine ferngesteuerte Kamera, mit der die in Kavernen lagernden Fässer auf Schäden untersucht werden können, wird im Kernkraftwerk Brunsbüttel präsentiert.
Eine ferngesteuerte Kamera, mit der die in Kavernen lagernden Fässer auf Schäden untersucht werden können, wird im Kernkraftwerk Brunsbüttel präsentiert.

Mindestens 145 Atomfässer rosten in Brunsbüttel vor sich hin. Experten sagen: Inspektionen werden nicht immer erfüllt.

shz.de von
15. Mai 2015, 16:02 Uhr

Berlin | Bei der Zwischenlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in Deutschland gibt es nach Ansicht von Experten deutliche Mängel. Vor allem die Probleme mit rostenden Atommüllfässern seien bislang nicht hinreichend beachtet worden, erklärte der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, am Freitag in Berlin. So würden die vorgeschriebenen regelmäßigen Inspektionen öfter nicht in allen Punkten erfüllt, außerdem müsse die Dokumentation verbessert werden.

In unterirdischen Lagerstätten („Kavernen“) des Kernkraftwerks Brunsbüttel befinden sich 632 Fässer mit schwach- und mittelradioaktive Abfälle - teilweise sind sie verrostet. Von 573 mit einer Spezialkamera untersuchten Behältern wurden dort bei 145 Fässern schwere Beschädigungen festgestellt. Bei mindestens neun weiteren Fässern, die erst im Zuge der Bergung untersucht werden können, wird dies ebenso vermutet. Ab September will Betreiber Vattenfall die Fässer mit aufwendiger Spezialtechnik bergen. Der Atommüll soll zur Endlagerung in 58 Containern verpackt werden. Dies wird etwa drei Jahre dauern.

Zwar hätten Rostfässer, wie sie im Atomkraftwerk Brunsbüttel gefunden wurden, keine direkten radiologischen Auswirkungen auf die Umgebung, erklärte die Kommission, die das Bundesumweltministerium in Fragen der nuklearen Entsorgung berät. Es fehlten aber systematische und einheitliche Überwachungskonzepte, um solche Mängel früh zu erkennen.

In Brunsbüttel hatte jedes vierte von fast 600 mit einer Spezialkamera untersuchten Fässern schwere Beschädigungen aufgewiesen. Nach Abschluss der Inspektionen kündigte Schleswig-Holsteins Umweltweltminister Robert Habeck (Grüne) verschärfte Vorgaben an die Betreiber an.

Die Einhaltung höchster Sicherheitsstandards forderte am Freitag auch Staatssekretär Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Leitlinien der Kommission nicht durchgängig umgesetzt würden. Klar werde auch, dass für die sichere Endlagerung das geplante Endlager Schacht Konrad zügig errichtet und in Betrieb gehen müsse.

„Ich begrüße die Empfehlungen der Entsorgungskommission und freue mich, dass der Bund den Ball aufgreift“, sagte Habeck. Systematische Überwachungskonzepte mit regelmäßiger Inspektion von schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen seien dringend erforderlich. „Im Land haben wir die entsprechende Erweiterung der Kontrollmechanismen bereits auf den Weg gebracht.“ Bundesweit einheitliche Standards seien aber die beste Lösung. Zudem würden mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der Dokumentation der Abfälle benötigt: „Daher sollten wir mit Bund und Ländern unter anderem auch über eine bundesweite Atommülldatenbank diskutieren.“

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