Umweltminister im AKW Krümmel : Robert Habeck will „sicheren Einschluss“ von Atomkraftwerken verbieten

<p>Umweltminister Robert Habeck lässt sich von Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth erklären, wie die Beladung eines Castor-Behälters läuft.</p>

Umweltminister Robert Habeck lässt sich von Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth erklären, wie die Beladung eines Castor-Behälters läuft.

In Krümmel werden Brennelemente in Castorbehälter verladen. Der Rückbau der Anlage wird vorbereitet.

shz.de von
21. November 2016, 14:47 Uhr

Krümmel | Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) hat ein Verbot des sogenannten „Sicheren Einschlusses“ von Atomkraftwerken gefordert. Die zunehmende Debatte über ein mögliches „Einmotten“ von Meilern löse das Problem nicht, sondern verschiebe es nur auf irgendwann später, sagte Habeck am Montag im Kernkraftwerk Krümmel.

In Deutschland laufen zurzeit noch neun Atomkraftwerke. In Schleswig-Holstein ist die Anlage Brokdorf verblieben, die zwei weiteren Atomkraftwerke, Brunsbüttel und Krümmel, sind stillgelegt.

In Krümmel informierte sich Habeck über den Stand der Verladung von Brennelementen in Castorbehälter. Das sei ein historischer Moment, denn damit werde der Abschied vom Atomzeitalter eingeläutet, sagte Habeck. Mit der Verladung der Brennelemente wird der Rückbau der Anlage am Elbufer bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) vorbereitet. „Ich bin froh, dass sich hier etwas tut“, erklärte Habeck. „Es war ein langer Weg, aber jetzt wird daran gearbeitet, das Kraftwerk frei von Brennstoff zu bekommen, was eine Voraussetzung für den beantragten Rückbau ist“, berichtete der Minister.

<p>Der Castor-Behälter wird per Kran in das Brennelementelagerbecken gesetzt. Zum Schutz vor Kontamination ist er in eine weiße Spezialfolie gehüllt.</p>
Timo Jann

Der Castor-Behälter wird per Kran in das Brennelementelagerbecken gesetzt. Zum Schutz vor Kontamination ist er in eine weiße Spezialfolie gehüllt.

 

So wird verladen

Bei seinem Besuch konnte der Minister die Beladung eines Castorbehälters mit abgebrannten Brennelementen verfolgen. Dabei wird der leere Castor-Behälter vor der Beladung mit einer Hülle als Kontaminationsschutz, dem sogenannten Kontaminationsschutzhemd, versehen und samt Hülle ins Lagerbecken getaucht. Unter Wasser wird der Castorbehälter mit bis zu 52 abgebrannten Brennelementen beladen.

<p>Der Castor-Behälter bei der Verladung der Brennelemente unter Wasser.</p>
Timo Jann

Der Castor-Behälter bei der Verladung der Brennelemente unter Wasser.

 

Nach dem Befüllen wird unter Wasser als Abschirmung der Strahlung der Primärdeckel auf den Lagerbehälter aufgesetzt. Nach dem Herausheben des Behälters aus dem Lagerbecken wird dieser Deckel verschraubt, der Castor gereinigt, entwässert und getrocknet. Im Anschluss wird der sogenannte Sekundärdeckel gesetzt und verschraubt. Der Castorbehälter wird von der Internationalen Atomenergie-Organisation im Anschluss mit einem Siegel versehen und steht dann zum Transport in das örtliche Zwischenlager bereit.

„Die Beladearbeiten werden sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Insgesamt müssen wir knapp 700 Brennelemente und außerdem etwa 150 Sonderbrennstäbe verpacken. Damit haben wir auf jeden Fall auch im kommenden Jahr noch gut zu tun“, erklärte Kraftwerksleiter Torsten Fricke.

Pieter Wasmuth, der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH, die die Betriebsführung für das gemeinsam mit dem Energiekonzern Eon aufgebaute Kraftwerk hat, erklärte: „Wenn ein Kraftwerk den Leistungsbetrieb geplant einstellt, können im Vorfeld die Voraussetzungen für eine zügige Entladung der Brennelemente geschaffen werden. Durch den schnellen Ausstiegsbeschluss im Jahr 2011 konnte das Kraftwerk Krümmel diese Vorbereitungen nicht treffen. Unter anderem sind die Brennelemente deutlich kühler als sie es üblicherweise gewesen wären. Dementsprechend dauern die Trocknungsprozeduren länger oder es werden andere Trocknungsverfahren notwendig.“

Außer diesen Unwägbarkeiten beim Trocknungsprozess ist beispielsweise auch die Zahl der speziell für diese Tätigkeiten ausgebildeten Verladeteams begrenzt. Dabei kommen Mitarbeiter der Gesellschaft für Nuklear-Service zum Einsatz, die in vielen Kraftwerken mit entsprechenden Aufgaben betraut sind.

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